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Wiedergutmachung nach dem Hoffenheim-Spiel? Das geht nur auf dem Platz. Vor dem wichtigen Heimspiel gegen Mainz sollte sich das effzeh-Team auf das Wesentliche konzentrieren.

Nur ein Profi des 1. FC Köln stellte sich nach der 0:6-Schmach in Sinsheim den Fragen der Journalisten. Der um Klartext selten verlegene Timo Horn verschaffte nach dem heftigen Rückschlag seinem Frust Luft: „Das war eine Frechheit von uns. Jeder Kölner, der hier hingefahren ist, müsste eigentlich sein Geld zurückbekommen“, schnaubte der effzeh-Torwart, der mit dieser Aussage in den sozialen Netzwerken rauf und runter zitiert wurde. In der Woche nach dem Debakel legte der 24-Jährige – angesprochen auf das Zitat und die folgenden Reaktionen – noch einmal nach: Er werde sich etwas überlegen, wenn die „Geißböcke“ die Klasse halten sollten.

Es sind auch solche, zugegeben eher kleinere, Geschichten, die so manchem Beobachter in dieser Saison gewaltig auf den Sender gehen. Abgesehen davon, dass die Mannschaft die Wiedergutmachung vermutlich aus der Portokasse leisten könnte, sofern sie das denn wollen würde, geht eine solche Geste am Kern der Sache wieder einmal vorbei. Denn: An symbolischen Gesten mangelt es in dieser doch so verkorksten Saison keinesfalls. An der Leistung auf dem Platz in großen Teilen sehr wohl. Anstatt also während der 90 Minuten Taten sprechen zu lassen, kommt selbst nach solch beschämenden Nicht-Leistungen wie in Sinsheim hauptsächlich heiße Luft auf Nebenschauplätzen.

Situation des 1. FC Köln: Taten wichtiger als Worte

Das mag kleinkariert herüberkommen, aber vielleicht wäre angestrengtes Schweigen sinnvoller als lustvolles Zelebrieren der eigenen Situation in der Öffentlichkeit. Das fängt bei Timo Horn an, der seine Mitspieler gerne in der „Wir“-Form ins Achtung stellt, während bei seinen entscheidenden Patzern gegen Stuttgart ausschließlich Zuspruch aus dem Kollegenkreis zu vernehmen war. Das hört auch nicht bei seinem Trainer auf, der nach dem Kollektivversagen am Karsamstag lediglich Floskeln wie „Mehr Dreck fressen“ zu bieten hatte und verbal weiterhin die „brutale“ Motivationsschiene Marke Stanislawski fährt. Und am ärgerlichsten sind die öffentlichen Auftritte von Spielern, die nach einem guten Auftritt direkt das eigene Formhoch preisen – und dabei wenig selbstkritisch mit ihren vorherigen Leistungen umgehen.

SINSHEIM, GERMANY - MARCH 31: (L-R) Dominic Maroh and Frederik Soerensen of Koeln look dejected after the Bundesliga match between TSG 1899 Hoffenheim and 1. FC Koeln at Wirsol Rhein-Neckar-Arena on March 31, 2018 in Sinsheim, Germany. The match between Hoffenheim and Koeln ended 6-0.

Foto: Christof Koepsel/Bongarts/GettyImages

Es ist verständlich, dass an einem Bundesliga-Standort die mediale Maschinerie bedient werden muss – es ermüdet allerdings auf Dauer, Woche für Woche dasselbe Spielchen lesen zu müssen. Gerade rund um den 1. FC Köln sind die Anhänger gebrannte Kinder, was allzu vollmundige Ankündigungen in der Presse anbetrifft. Nicht umsonst ist es ein „Running Gag“ unter effzeh-Fans, dass, sobald ein Profi in den Tagen vor dem Anpfiff zum verbalen Halali ansetzt, eine Partie ja nur in die Hose gehen könne. Zu oft wurde dieses Theaterstück in der jüngeren Vergangenheit aufgeführt. Gerade die Mannschaft, die für die prekäre Situation überraschend wenig Prügel bezogen hat, sollte sich im Abstiegskampf auf das Wesentliche konzentieren. Vor dem Mainz-Spiel täte es dem effzeh gut, sich an das alte Kneipenmotto zu halten: Nit schwaade, laade!

>>>Stefan Ruthenbecks Umgang mit dem Debakel: Woran lag es wirklich?

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