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Vorspiel

Heimspiel gegen Greuther Fürth: Große Unterschiede, wenig Distanz

Am Samstag empfängt der 1. FC Köln die SpVgg Greuther Fürth – einen interessanten Zweitligisten mit einem ganz eigenen Ansatz. Unser Vorspiel über junge Spieler, gefühlte Dominanz und belegte Brötchen.

Foto: Alex Grimm/Bongarts/Getty Images

Seit der Saison 1997/1998 spielt die SpVgg Greuther Fürth mindestens in der zweiten Bundesliga. Für die Mittelstadt in Mittelfranken ist das nach wie vor ein großer Erfolg, gekrönt vom einjährigen Bundesliga-Aufenthalt in der Saison 2012/2013. Über Jahre prägte das Konzept, vorrangig jüngere Spieler einzusetzen, den Verein. Der langjährige Präsident und Geschäftsführer Helmut Hack galt als Gesicht des Vereins, er zog sich allerdings im Mai 2018 von seinen Ämtern zurück. Hinter ihm und dem Verein lag eine schwierige Saison, in der man fast den bitteren Gang in die dritte Liga hätte antreten müssen – am letzten Spieltag reichte gerade so ein Unentschieden gegen Heidenheim für den Klassenerhalt. In einer Sache waren die Fürther allerdings die Besten: Sie setzten am häufigsten in Deutschland ausgebildete Spieler unter 23 Jahren ein, was ihnen einen kleinen Zusatz an Fernsehgeld verschaffte.

In dieser Saison läuft es bis dato wesentlich besser, die Mannschaft von Damir Buric (dessen Vertrag unter der Woche verlängert wurde) sammelte bis zum Auswärtsspiel beim 1. FC Köln 23 Punkte und damit nur vier weniger als der Bundesliga-Aspirant aus der Domstadt. In Bezug auf die wirtschaftlichen Grundlagen beider Vereine könnten die Unterschiede eigentlich nicht größer sein – in der Tabelle schlägt sich das bis dato allerdings noch nicht nieder.

Bei einer Führung sollte sich der 1. FC Köln nicht zu sicher sein

Dass die Gäste so gut dastehen, liegt auch an einem ehemaligen Kölner: Daniel Keita-Ruel wechselte vor der Saison von Fortuna Köln nach Mittelfranken, traf bislang acht Mal und ist damit einer der ernsthafteren Verfolger von Simon Terodde – der Kölner zieht an der Spitze der Torjägerliste allerdings  mit 17 Toren weiter einsam seine Kreise. Auffallend bei den Spielen der „Kleeblätter“ ist vorrangig die große Moral der Mannschaft, die bereits mehrere Rückstände zu ihren Gunsten drehen konnte und auf den letzten Drücker noch Punkte sammelte.

Gegen Magdeburg lag man in der letzten Woche mit 1:2 hinten und gewann noch mit 3:2. Den 0:2-Rückstand im Heimspiel gegen Bochum vor der Länderspielpause wandelte man im zweiten Durchgang noch in ein 2:2 um, eine Woche zuvor drehten Buric‘ Spieler einen 0:2-Rückstand in Bielefeld noch zu einem Sieg. Beeindruckend in jedem Fall, welch große Moral die Mannschaft von Greuther Fürth gegen alle Widerstände bereits gezeigt hat – es liegt am effzeh, ein erneutes Szenario dieser Art zu verhindern. Auf Seiten der Kölner wird Dominick Drexler, ein ehemaliger Fürther, dabei wohl mithelfen können – nachdem der Offensivmann unter der Woche wegen Adduktorenproblemen pausieren musste, konnte er am Donnerstag normal mittrainieren.

Ohne Modeste und Dominanz – aber mit Pragmatismus

Trainer Markus Anfang zeigte sich deswegen auf der Pressekonferenz vor der Partie zuversichtlich, was einen Einsatz des Kreativspielers betrifft – Drexler kam bisher in allen 14 Zweitligaspielen zum Einsatz und sammelte dabei sieben Vorlagen. Dass er bei einigen effzeh-Fans kritisch gesehen wird, dürfte eventuell an seiner Spielweise liegen, die sich ab und an durchaus auch mal durch Reklamationen und übermäßiges Markieren von Verletzungen auszeichnet. Gleichwohl ist Drexler zusammen mit Louis Schaub verantwortlich für das Offensivspiel des effzeh, in der neuen Grundordnung mit zwei echten Flügelspielern (J. Horn und Risse) kommen ihre Stärken bis jetzt besser zur Geltung.

Ansonsten gibt es beim effzeh wenig Neues, was das Personal betrifft: Die Spielberechtigung von Anthony Modeste liegt noch nicht vor, weshalb der Franzose am Samstag auf der Tribüne Platz nehmen wird. Jonas Hector fällt nach wie vor aus, für ihn wird Jannes Horn spielen. Ansonsten ist eher weniger damit zu rechnen, dass Markus Anfang personelle Veränderungen vornimmt. Zuletzt hatte sich seine Mannschaft etwas wohler im leicht angepassten System gefühlt – fairerweise muss allerdings auch angemerkt werden, dass die Siege gegen Dresden und Darmstadt nicht so überzeugend waren. Auf den ersten Blick erscheint das bei einem Torverhältnis von 11:1 zwar etwas überkritisch. Dynamo allerdings verteidigte an diesem Tag desolat und hatte das Pech, dass beim effzeh fast jede Torchance in ein Tor mündete. Gegen Darmstadt tat sich Anfangs Mannschaft lange schwer und profitierte dann von der individuellen Klasse.

Geschmierte Brötchen und Fanprotest – Begleiterscheinungen der Partie

Die Umsetzung einer attraktiven Spielidee mit großer Dominanz und hohen Ballbesitzzeiten ist im Kölner Herbst ein wenig dem Pragmatismus gewichen – solange die Spiele allerdings gewonnen werden, soll uns das aber recht sein. Für das Spiel am Samstag gilt, dass Fürth durchaus versuchen wird, durch hohes Pressing das Aufbauspiel des effzeh zu verhindern und damit den Finger in die Wunde zu legen. Denn gerade im Übergang von Defensive in Offensive taten sich Höger und Co. in der Vergangenheit schwer.

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Schwer wird es vielleicht auch deswegen, weil die Südkurve in Müngersdorf in den ersten 45 Minuten keinen Support liefern wird. Der Umgang der Verbände mit den Fans ist wichtiger als eine Halbzeit, weswegen diese Aktion zu unterstützen ist. Und wer das nicht versteht, dem sei empfohlen, vor der Partie hinter der Südkurve vorbei zu schauen und sich dort bei einem Brötchen über die Gründe zu informieren. Die Aktion „Brötchen schmieren für unseren Verein“ wird von der „Wilden Horde“ organisiert, die Erlöse kommen der Stiftung des effzeh zugute.

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