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Endspiel gegen Mainz – da klingelt doch was. Die Ausgangslage im letzten Jahr war für den 1. FC Köln jedoch eine gänzlich andere. Diese Saison ist die Lage deutlich ernster.

Fußball ist ein schnelllebiges Geschäft, blablabla. Nichts ist so alt wie der Erfolg von gestern und man lebt nur für den Moment, das ganze Gelaber kennen wir. Von sportlichen Höhenflügen ist der 1. FC Köln momentan weiter entfernt denn je, das Heimspiel gegen Mainz ist die letzte Chance, den letzten Strohhalm für den Klassenerhalt zu ergreifen. Doch es ist nicht einmal ein Jahr her, dass ebenfalls ein Heimspiel gegen den 1. FSV Mainz 05 als „absolutes Endspiel“ ausgerufen wurde – wer erinnert sich nicht gerne an diesen historischen 20. Mai 2017, an dem sich der 1. FC Köln dank eines 2:0-Heimsieges und der Schützenhilfe der Leverkusener (ja, tatsächlich!) doch wirklich für die Europa League qualifizieren konnte.

Damals schrieben wir in unserem Vorspiel die folgenden Worte: „Der effzeh hat in den letzten Wochen eindrucksvoll bewiesen, dass er allen Widrigkeiten zum Trotz alles für eine mögliche Qualifikation für den europäischen Wettbewerb unternimmt. Unentschieden gegen aktuelle (Dortmund, Leverkusen) und künftige Champions-League-Teilnehmer (Hoffenheim), dazu das berauschende 4:3 gegen Bremen – die leblosen, lethargischen und indiskutablen Auftritte in Augsburg, Hamburg und zuhause gegen Mönchengladbach sind längst vergessen. Mit Verve, Einsatz und auch etwas Glück hat sich der 1. FC Köln in eine Position manövriert, die einen Spieltag vor Ende eigentlich nicht besser sein könnte.“

>>>Vor dem Sechspunktespiel gegen Mainz: Nit schwaade, laade!

Ach, was waren das schöne Zeiten. Der 1. FC Köln definierte sich in erster Linie über seinen international bekannten Torjäger Anthony Modeste, man hatte (wir alle haben es geglaubt, auch ich) mit Stöger und Schmadtke ein funktionales und gut zusammenarbeitendes Duo auf der sportlichen Kommandobrücke und schwebte auf einer euphorischen Welle, die dann tatsächlich ein paar Monate später in London ans Ufer trat. Im Vorfeld des letztjährigen Endspiels gegen Mainz kribbelte es in uns allen, man beschwor alle möglichen Geister, um das ganz große Wunder der Europapokal-Qualifikation wahr zu machen. Und die Mannschaft tat dasselbige, gewann die Big-Point-Spiele und brachte sich so in eine glänzende Ausgangsposition.

Warten auf das endgültige Ende aller Träume beim 1. FC Köln

Tja, solche Worte kann man in der aktuellen Situation wohl eher nicht wählen, wenn man einen Vorbericht zur kommenden Partie gegen die Rheinhessen schreibt. Was sich jedoch gleicht, sind tatsächlich die „lethargischen und indiskutablen Auftritte“, von denen der effzeh in dieser Saison schon den ein oder anderen im Kontor hatte. Den vermeintlichen negativen Höhepunkt erlebten wir am vergangenen Wochenende in Sinsheim, wo man eben nicht merkte, dass man alles für das Erreichen eines Ziels, ob realistisch oder nicht, alles tut.

Foto: Juergen Schwarz/Bongarts/Getty Images

Hinzu kommen die verbalen Raketen der effzeh-Verantwortlichen, die neben den fußballerischen Unzulänglichkeiten seit Wochen bereits für Kopfschütteln sorgen. Da wäre die „Endspiel“-Rhetorik, das viel zitierte „Gras fressen“, das Stefan Ruthenbeck von seiner Mannschaft fordert und, das nagt schon ein wenig länger, auch der „Sauna-Schwur“, in dem sich mehrere Spieler darauf geeinigt haben sollen, auch bei einem Abstieg in Köln zu bleiben und den Karren wieder aus dem Dreck zu ziehen. Dass die effzeh-Spieler auch für andere Vereine interessant sind, ist keine Überraschung – eine Ausstiegsklausel hier, ein wenig Kontakte knüpfen dort, schon hat man wieder ein komplett glaubhaftes Transfer-Gerücht, das beispielsweise Leonardo Bittencourt zu den Tottenham Hotspurs schreiben will.

Wechselgerüchte, nervige Äußerungen und Durchhalteparolen

Es wäre ihm natürlich zu gönnen, aber in den vergangenen Wochen hat sich dieser Mix aus Weltuntergang, Durchhalteparolen und Wechselgerüchten zu einem ganz bitteren Cocktail entwickelt, den man sich jetzt in den Korpus reinwürgen muss. Von daher wünscht sich ein kleiner Teil in mir auch, dass der effzeh das Spiel am Samstag verliert, damit endlich Klarheit herrscht und man nicht ständig wieder anfängt zu hoffen, nur um danach wieder auf den Boden der Tatsachen geholt zu werden. Denn es ist kein Leben, wenn man nur darauf wartet, endlich zu sterben.

Personell müssen die „Geißböcke“ vor dem Sechs-Punkte-Spiel auf Dominic Maroh verzichten, der an einem Magen-Darm-Infekt laboriert. Der Einsatz von Marcel Risse steht noch auf der Kippe, während Nationalspieler Jonas Hector rechtzeitig fit geworden ist. Und dabei würden wir es dann auch bewenden lassen: Der Worte sind genug gewechselt, die Ausgangslage ist klar. Gewinnt der effzeh, besteht weiterhin eine Chance. Verliert der effzeh, ist es endgültig vorbei. Wir alle wollen natürlich weiter hoffen und daran glauben, das Wunder noch zu schaffen, aber das geht nicht mit Worten. Es braucht Taten – auf dem Platz und auf der Tribüne.

Hier die Vorschau auf meinsportradio.de anhören:

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