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Analyse

Remis des 1. FC Köln gegen Hamburg: Mauern oder Ballsicherheit?

Der 1. FC Köln fängt sich wie in Duisburg ein spätes Gegentor zum Ausgleich ein und darf durchaus mit sich hadern. Unsere Analyse zum Unentschieden gegen den HSV.

Foto: Lars Baron/Bongarts/Getty Images

Zum Topspiel des 29. Spieltags empfing der 1. FC Köln am Montagabend den Hamburger Sportverein. Die beiden Absteiger aus der Bundesliga begegneten sich erstmalig in der Zweitklassigkeit, weswegen der Rahmen trotz der fragwürdigen Terminierung am Montagabend (450 Kilometer liegen zwischen Hamburg und Köln) durchaus stimmungsvoll war. Mit dem Rückenwind aus sechs Siegen und einem Unentschieden kamen die Gastgeber aus der Domstadt mit breiter Brust in das Aufeinandertreffen der beiden Schwergewichte.

Personelle Probleme gab es eher auf Seiten des HSV, bei dem mit Lasogga, Holtby und Hunt drei wichtige Leistungsträger fehlten – die Besetzung einiger Schlüsselpositionen galt daher als Herausforderung für Trainer Hannes Wolf. Beim 1. FC Köln gab es weder personell noch taktisch eine Überraschung: Mit Höger als zentralem Aufbauspieler neben dem wiedergenesenen Meré und Czichos spielte die gewohnte Dreierreihe, die von Kainz und Clemens flankiert wurde. Die Hereinnahme von Geis sorgte im Vergleich zum Spiel in Duisburg für eine größere Stabilität im Mittelfeld, Hector und Drexler besetzten wie gewohnt die Halbpositionen vor dem Sturmduo Terodde und Cordoba.

Die Herangehensweise des HSV und die Führung des 1. FC Köln

Der effzeh erwischte einen guten Start ins Spiel und schaffte es, durch die hohe Präsenz der Offensivspieler immer wieder für Überzahl und daher für Stress bei der Abwehr des HSV zu sorgen. Einzig die letzte Aktion vor dem Abschluss verhinderte, dass die „Geißböcke“ in der Anfangsphase in Führung gingen – einige Abschlüsse (Terodde, Hector) wurden geblockt, ansonsten passte der letzte Pass nicht (zuerst Drexler, später dann Hector). Das Gegenpressing funktionierte ebenfalls, sodass die Anfang-Elf gegen den HSV zunächst viele Ballgewinne verzeichnete.

Die Gäste versuchten es zu diesem Zeitpunkt noch im 4-1-4-1 gegen den Ball, in dem Özcan als Sturmspitze Höger anlief und die beiden Achter Jung und Mangala sich um die Halbverteidiger Czichos und Meré kümmerten. Narey und Jatta agierten tiefer, weil die Wing-Backs des 1. FC Köln sich natürlich auch offensiver positionierten. Janjicic auf der Sechs agierte als Absicherung und pendelte nach etwa einer halben Stunde dann in die Abwehrzentrale zwischen Lacroix und van Drongelen. War der HSV im Ballbesitz, sah man derweil die gewohnten Mechanismen: Sakai rückte (ähnlich wie am Anfang der Saison auch die Außenverteidiger beim 1. FC Köln) auf eine Halbposition im Mittelfeld und machte den Passweg auf die offensiven Außen frei.

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Douglas Santos auf der Gegenseite unterstrich im Spiel gegen Köln abermals seine außergewöhnlichen Qualitäten in der Ballzirkulation und im Dribbling. Auf den für diese beiden Spieler relevanten Positionen ergaben sich durchaus Potenziale für den HSV, weil der effzeh aufgrund der Besetzung des Mittelfeldzentrums mit nur drei Spielern (gegen den Ball) die Breite des Spielfelds schlechter abdecken kann – vor Kainz und Clemens ergeben sich dann zwangsläufig immer Räume, die bespielt werden können.

Clemens‘ Auswechslung als erste Schlüsselszene

Die Führung für den Tabellenführer fiel dann aus einer Standardsituation: Geis brachte den Ball auf den ersten Pfosten, an dem Höger den Ball verlängerte. Am zweiten Pfosten drückte Drexler den Ball ins Tor. Diese Variante hat beim effzeh in dieser Saison bereits schon häufiger funktioniert, Drexler besetzt grundsätzlich die Position am langen Pfosten und spekuliert auf verlängerte oder abprallende Bälle. Das Gros der Spieler formiert sich woanders, sodass der Offensivspieler genau in diesen Raum stoßen und wie gegen Hamburg treffen kann.

Der HSV veränderte dann die Herangehensweise und spielte im 5-3-2, um der Überzahl des effzeh im Zentrum entgegenzutreten, was der untenstehende Screenshot aus den Bildern von FC-TV unterstreicht (einzig Czichos und Höger sind nicht zu sehen). Diese Dynamik veränderte sich dann aber in einer weiteren Schlüsselszene der Partie: Nach 40 Minuten verletzte sich Christian Clemens, der bis dato Bakary Jatta ganz gut im Griff hatte, am hinteren Oberschenkel. Der effzeh agierte einige Sekunden in Unterzahl, Janjicic rückte wieder vor.

Foto: Screenshot FC-TV

Die Einwechslung von Risse für Clemens war für Anfang aufgrund der Besetzung des Kaders zwangsläufig, obwohl einige Kommentierende am Tag danach vehement forderten, dass Louis Schaub hätte gebracht werden sollen. Gewiss, Schaub ist ein toller Fußballer und ganz wichtig für den effzeh, als Wing-Back wäre er jedoch die falsche Wahl.

Auf der nächsten Seite: In-Game-Coaching und der Verlauf der zweiten Halbzeit.

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5 Kommentare

5 Comments

  1. Avatar

    Till-1317

    17. April 2019 an 12:51

    Herzlichen Dank für die rasche Rückmeldung.

    Dann werde ich künftig unter „Till-1317“ meine Kommentare verfassen.

  2. Avatar

    till

    16. April 2019 an 21:24

    sehr gute und sachliche Analyse. Ich sehe es ähnlich. anFang musste Risse bringen auch wenn von diesem keine topform zu erwarten war, weil schaub auf dem Flügel nicht die defensiv qualitäten gegen jatta und douglas besitzt. Wenn hätte man schaub für den leicht überspielt wirkenden cordoba bringen können. Den die Hamburger nur mit ta klingst an und über die legalitäts grenze haben stoppen können. Die reinnahme von sobiech macht aus taktischen gründen schon sinn und das tief stehen weil hh eig. keinem strafraumstürmer hatte um in solchen Situationen noch ein Tor zu machen. Hätten wir höher verteidigt hätten die schnellen Hamburger vielleicht abstimmmungsfehler und daraus resultierenden Räume gefunden und genutzt. Ich fand es eher positiv das anfang auch mal auf verteidigung setzt wenn es Sinn macht und es nicht immer nur volle Attacke heißt. Gerade auch für die erste bl. Wo das mit unserem temps defizit in der defensive niemals über 90 min gut gehen wird

    • Avatar

      till

      17. April 2019 an 12:42

      Da ist der Redaktion wohl versehentlich ein Fehler unterlaufen, weil dieser Kommentar nicht von mir stammt.

      Ich bitte um Überprüfung und Einsetzung des richtigen Verfassernamens.

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        Arne Steinberg

        17. April 2019 an 12:44

        Die Namen der Kommentierenden können völlig frei eingetragen werden. Der User „till“, der den Kommentar verfasst hat, hat eine andere E-Mail-Adresse. Von daher sehen wir da jetzt keine Veranlassung zum Handeln. Liebe Grüße!

    • Avatar

      Jonny

      17. April 2019 an 15:10

      Natürlich erwarte ich von einem Profitrainer, dass er auf Spielsituationen reagieren kann. Da kann eine defensive Ausrichtung auch funktionieren, ganz klar. Aber meine Mannschaft muss das können und das kann sie Stand heute nicht, das ist ja nun nach 30 Spieltagen hinreichend erwiesen.

      Unter Stöger hat man defensiv sehr gut gestanden, da passte das, momentan ist das eher ein Selbstmordkommando. Zumal die Erfahrung gegen Duisburg ja nicht schon vergessen sein kann…

      Ich kann auch in der Schlussphase ein wenig mauern, dann tut ein 2:0 davor aber auch gut und wir schrieben circa Minute 70 als Sobiech kam. Man muss auch nichts dramatisieren, es ist eine Auswechslung die taktisch nicht aufging, aber letztlich dann doch spielentscheidend war. Was mir viel mehr stinkt ist die unehrliche Retrospektive der Verantwortlichen…

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