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Die Februar-Ausgabe des Fußballmagazins „11FREUNDE“ beschreibt in der Titelstory den Absturz des 1. FC Köln, der nach der Europapokal-Qualifikation nun Richtung zweite Liga taumelt und zwischendurch die ein oder andere Schlammschlacht hinter sich hatte – wir fassen die wichtigsten Inhalte zusammen.

Das selbsternannte „Magazin für Fußballkultur“ 11FREUNDE widmet sich in einer Reportage der Saison des 1. FC Köln, die sich zu einem „Alptraum“ entwickelte. Dabei wird von Autor Tim Jürgens im Gespräch mit den ehemaligen Verantwortlichen Jörg Schmadtke, Peter Stöger und dem aktuellen Präsidum bestehend aus Werner Spinner und Toni Schumacher versucht, die Gründe für den historischen Absturz der „Geißböcke“ herauszuarbeiten. Ansatzpunkt des Textes, der auch auf dem Cover der Februar-Ausgabe des Magazins zu finden ist, ist das Aufeinandertreffen zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Dortmund vor einigen Wochen. Der frühere effzeh-Coach Peter Stöger kehrte mit seinem neuen Verein aus Dortmund erstmals an die Wirkungsstätte zurück, an der er zusammen mit Jörg Schmadtke über viereinhalb Jahre erfolgreich war.

Über das Aufeinandertreffen mit Stöger schreibt Jürgens, dass der „Empfang seiner ehemaligen Mitstreiter (…) kaum frostiger“ hätte sein können. „Einige Offizielle des 1. FC Köln übersehen Stöger geflissentlich, andere verweigern ihm den Handschlag.“ Jürgens schließt an, dass es „selbst für intime Kenner der Szene schwer nachvollziehbar“ sei, warum der 1. FC Köln auf einmal so chaotische Monate hinter sich hätte – in denen das „gute Binnenverhältnis der Verantwortlich fundamental beschädigt“ worden sei. Das Tempo des Absturzes und die Härte des Aufpralls sind für Jürgens beispiellos, der sich in seiner Reportage auch noch einmal auf ein Gespräch mit Schmadtke aus dem vergangenen Sommer bezieht.

Modeste-Transfer als erstes Zeichen der Dissonanz

Damals war der ehemalige effzeh-Geschäftsführer zum „Manager des Jahres“ gekürt worden, kurz nachdem die Mannschaft seines ehemaligen Arbeitgebers sich überraschend für den fünften Platz qualifizieren konnte. Der Riss im Verhältnis zwischen ihm und Stöger war damals noch nicht abzusehen, was Jürgens später in erster Linie einem „Entfremdungsprozess zwischen den beiden“ zuschreibt. „Irgendetwas hat sich im Sommer zwischen uns verändert, die Kommunikation war nicht mehr so wie zuvor“, wird Schmadtke zitiert, dieses Mal bei einem Treffen nach seiner Zeit beim effzeh. Die neue Saison habe unter keinem guten Stern gestanden, konstatiert Jürgens – dabei wird auch auf die „Hängepartie um den Transfer von Anthony Modeste“ Bezug genommen, in dem sich bereits erste Differenzen zwischen Stöger und Schmadtke offenbart haben sollen.

Schmadtke bemängelt, dass Stöger ihn in dieser schwierigen Phase nicht ausreichend unterstützt hätte: „Eine Transferperiode ist enorm belastend. Ein ständiges Abwägen: Sollen wir das viele Geld investieren oder nicht? In dieser Phase fehlte mir mitunter der Gegenpart. Ich hatte den Eindruck, ich ginge dem Coach mit diesen Dingen eher auf die Nerven.“ Nach dem schwachen Saisonstart hätten sich dann Stöger und Schmadtke zu einem gemeinsamen Frühstück und einer Aussprache getroffen, dessen Ergebnis beide unterschiedlich interpretierten. Für Jürgens steht fest: „Da sprachen nun zwei Kollegen miteinander – nicht mehr zwei Freunde.“

Die Gründe für den Kölner Absturz sind vielfältig

Sein Gesamtfazit über die Gründe sieht wie folgt aus: „Wie in einer zerbröselnden Ehe gab es offenbar im Verhältnis der Kölner nicht den einen großen, alles zerstörenden Knall. Es war eher die Verquickung aus vielen kleinen Zurückweisungen, gekränkten Eitelkeiten und schalen Gewohnheiten, die vor der Europacupsaison mit einer veränderten Drucksituation kollidierten.“ Dies sei von beiden Protagonisten jeweils anders verarbeitet worden, woraus dann die Differenzen resultierten. Vize-Präsident Schumacher äußert sich wie folgt dazu: „Keiner hat uns, dem Präsidium, offenbart, dass etwas Grundsätzliches zwischen ihnen und uns nicht stimmt. Wieso hat keiner zugegeben, dass es Probleme gibt? Mehr Offenheit hätte geholfen.“

AUGSBURG, GERMANY - SEPTEMBER 09: Joerg Schmadtke, sports director of Koeln (L) and head coach Peter Stoeger of Koeln look in opposite directions during the Bundesliga match between FC Augsburg and 1. FC Koeln at WWK-Arena on September 9, 2017 in Augsburg, Germany. (Photo by Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images)

Foto: Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images

Im weiteren Verlauf wird dann geschildert, wie Schmadtkes Demission begann und welche Themen zu dieser Zeit diskutiert wurden. In diesem Zusammenhang kommt auch Präsident Spinner das erste Mal zu Wort und sagt: „Hätte Jörg Schmadtke uns jemals vor die Wahl gestellt, ob wir an ihm oder am Cheftrainer festhalten, hätten wir uns immer für den Geschäftsführer entschieden.“ Mit Schmadtkes Ende beim effzeh begann dann allerdings der endgültige Niedergang, der sich laut Jürgens in einem veränderten Verhältnis zwischen Stöger und der Mannschaft sowie der Entlassung von Yann-Benjamin Kugel (dem ehemaligen Athletiktrainer) äußerte.

Fehler wurden von allen Parteien gemacht

Das Ende von Stöger nahte dann vor dem Spiel gegen Schalke im Dezember: In einer gemeinsamen Aussprache ging es dann um die Sicht der Dinge, in der Stöger nachgefragt haben soll, warum er keine Option als neuer Sportdirektor sei. Dies wurde von den Verantwortlichen mit Verwunderung aufgenommen, genauso seine Unterschrift beim BVB eine Woche später. In Köln geisterte dann prompt das Gerücht umher, Stöger hatte nach dem Treffen mit den Dortmundern im Sommer bewusst auf eine Entlassung hingearbeitet. Dazu sagte der Österreicher gegenüber „11FREUNDE“: „Die Verantwortlichen hätten auch die Möglichkeit gehabt, mir einen Vertrag für die zweite Liga gegeben oder mich interimsmäßig zum Sportdirektor zu machen. Aber der FC wollte einen klaren Schnitt – und das akzeptiere ich voll und ganz. Nur dann kann man mir nachträglich dann nicht vorwerfen, wenn ich einen neuen Job annehme.“

>>> Nach dem Stöger-Aus: Wichtig ist neben dem Platz!

Gegen Ende der Reportage äußern alle Beteiligten dann ihr Bedauern darüber, dass die einst so erfolgreiche Zeit dermaßen unschön enden musste. Jürgens hält auch fest, dass von jeder Partei eingeräumt werde, dass Fehler gemacht worden seien – das sah ja zwischenzeitlich auch mal anders aus. Insgesamt erfährt man nach der Lektüre der Reportage nichts bahnbrechend Neues, dennoch ist die Nachzeichnung des Niedergangs eine gelungene Zusammenfassung der letzten Monate und daher insbesondere als Zeitzeugnis über den effzeh im Jahr 2017 von Bedeutung.

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