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Analyse

3:0-Heimsieg gegen Schalke: Das zweite Tor als Sinnbild beim 1. FC Köln

Nächster Sieg für den 1. FC Köln: Auch der FC Schalke 04 kann gegen den FC nichts ausrichten, der eine starke erste Halbzeit spielt und am Ende verdient gewinnt.

Foto: Jörg Schüler/Bongarts/Getty Images

Der 1. FC Köln schwebt weiter auf einer Welle des Erfolgs, auch den FC Schalke 04 schlägt die Mannschaft von Trainer Markus Gisdol – Sebastiaan Bornauw, Jhon Cordoba und ein Eigentor durch Alexander Nübel bringen beim 3:0-Erfolg den siebten Sieg aus den letzten neun Spielen. Durch den Heimsieg schieben sich die „Geißböcke“ mit nun 29 Punkten aus 23 Spielen auf Rang 11 der Tabelle. Mit einem Spiel weniger hat der FC nun sogar einen geringeren Abstand auf Rang sechs als auf Rang 16, diesen Fakt wollen wir an dieser Stelle nicht unterschlagen.

Gegen die Schalker, die in diesem Jahr noch nicht wirklich in die Spur gekommen sind, half den Kölnern auch, dass auf der Gegenseite wichtige Spieler wie Omar Mascarell und Suat Serdar ersetzt werden mussten. Markus Gisdol musste wegen einer vertraglichen Klausel auf Mark Uth verzichten, der in den vergangenen Wochen ein wichtiger Faktor in der Kölner Offensive war – ihn ersetzte Elvis Rexhbecaj, der bereits in der vergangenen Woche für Jonas Hector in die Startelf rückte und seine Aufgabe damals als zweiter Sechser neben Ellyes Skhiri sehr gut löste.

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Am Samstagabend in Müngersdorf war die Kölner Grundordnung eine andere: Durch Uths Fehlen  agierte der FC bei gegnerischem Ballbesitz in einem 4-1-4-1, in dem Skhiri den tiefen Sechser gab und Rexhbecaj sowie Hector auf den Achterpositionen agierten. Der Tunesier war im Spielaufbau als Verbindung zwischen Defensive und Mittelfeld verantwortlich für den Sechserraum, er kippte nicht zwischen die Innenverteidiger ab, sondern schob immer wieder auf die Seiten.

Gute Anfangsphase wird durch Bornauws Führungstor vergoldet

Das Ziel der defensiven Herangehensweise war es, das Schalker Aufbauspiel einzudämmen.  Dieses bestand in erster Linie darin, den Ball irgendwie zu den Umschaltspielern Amine Harit und Benito Raman zu bekommen. Weston McKennie, der sich ähnlich wie sonst Mascarell dabei auch immer zwischen die Innenverteidiger fallen ließ, interpretierte seine Rolle relativ frei. Manchmal verbreiterte er die erste Aufbaulinie, manchmal agierte er als tiefer Sechser in einer Raute. Um seine Nebenleute Boujellab und Schöpf kümmerten sich dann Hector und Rexhbecaj.

Foto: Jörg Schüler/Bongarts/Getty Images

Mit dieser Statik in der Partie begann der FC dann auch das Unternehmen Heimsieg, in dem besonders in der ersten Halbzeit deutlich wurde, warum die Formkurven beider Mannschaften aktuell gegensätzlich verlaufen. Die Spieler des 1. FC Köln zeigten sich von Beginn an engagiert und zwangen die Schalker durch hohen läuferischen Aufwand immer wieder zu Fehlern. In der Anfangsphase gewannen sie auf diese Weise den Ball gegen Jonjoe Kenny, der anschließende Treffer von FC-Kapitän Hector zählte allerdings wegen Abseits zurecht nicht.

Das hohe Anlaufen sorgte aber kurz darauf für einen Ballgewinn in der neunten Minuten, in dessen Folge der Nationalspieler aus Sicht des Schiedsrichters Manuel Gräfe gefoult wurde. Florian Kainz servierte den Freistoß dann perfekt für den belgischen Innenverteidiger Sebastiaan Bornauw, der bereits sein fünftes Saisontor erzielte. In diesem Fall profitierte er davon, dass Hector ihm im Strafraum einen Block stellte. Bereits in der Vergangenheit war der FC des Öfteren Nutznießer, durch eine Standardsituation in Führung zu gehen.

Am 2:0 lassen sich alle Geschichten des Spiels erzählen

Im weiteren Verlauf der Partie funktionierte die Kölner Herangehensweise weiterhin stabil, über die Seiten schoben immer wieder die beiden Außenverteidiger Kingsley Ehizibue und Benno Schmitz nach vorne an. Gerade der Rechtsverteidiger unternahm mehrfach Tempoläufe auf seiner Seite, wenngleich seine Hereingaben abgewehrt werden konnten.

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Auch Schmitz bediente nach 28 Minuten Rexhbecaj mit einer guten Flanke, die die Wolfsburger Leihgabe aber per Kopf nicht genau genug platzieren konnte.  Nach etwas mehr als einer halben Stunde wurde es dann erneut gefährlich, als Rexhbecaj den Ball in der gegnerischen Hälfte gewann und dieser dann über Cordoba zu Kainz auf der rechten Seite kam. Nach der Flanke des Österreichers kam aber keine Offensivkraft des FC richtig zum Abschluss.

Bräuchte es für die Analyse dieser Partie eine Szene, um zu verstehen, was bei beiden Mannschaften momentan gut klappt und was nicht, sollte die 39. Minute ausreichen. Die Schalker befreiten sich aus einer Pressingsituation gut durch McKennie, der mit Ball nach vorne preschte und mit seinen Mitspielern in Überzahl war. Die Kölner Mittelfeldzentrale war aus dem Spiel, weil vor dem Ball. Raman, Gregoritsch und Co. wählten überwiegend die falschen Laufwege, der US-Amerikaner zögerte auch zu lang und spielte dann einen Ball auf die Außen zu Harit, der Probleme bei der Ballannahme hatte. Seine Hereingabe fing der erneut starke Leistner ab, Bornauw spielte den Ball direkt nach vorne. Die Gäste waren zu diesem Zeitpunkt mit acht Leuten vor dem Ball.

Isolierte Aktion durch Kainz macht den Deckel drauf

Wenn es derzeit in der Bundesliga einen Spieler gibt, der Bälle festmachen kann, dann ist es Jhon Cordoba. Das gelang dem Kolumbianer auch in dieser Szene, er ließ den Ball auf den nachrückenden Rexhbecaj abtropfen. Dieser zog sofort das Tempo nach vorne an, konnte durch McKennie auch nicht mehr gefoult werden. Der Winterneuzugang wartete auf den Kölner Stoßstürmer, der Geschwindigkeit aufnahm und den perfekt getimten Pass des Linksfußes aufnahm und zum zweiten Treffer verwandelte.

Wie schon im Spiel gegen Hertha vor einer Woche zeigte der FC, das ein wesentlicher Faktor für den Erfolg aktuell die Zielstrebigkeit in den Umschaltbewegungen ist. Das hohe Tempo der Offensivspieler um Cordoba oder Jakobs (erneut 38 Sprints und damit Bestwert im Spiel!) und die Laufstärke des Mittelfeldzentrums (Skhiri lief in diesem Spiel mehr als 13 Kilometer) sind die Grundlagen für die Ballgewinne und Abschlussaktionen.

COLOGNE, GERMANY - FEBRUARY 29: Sebastiaan Bornauw of 1. FC Koeln celebrates with teammates after scoring his team's first goal during the Bundesliga match between 1. FC Koeln and FC Schalke 04 at RheinEnergieStadion on February 29, 2020 in Cologne, Germany. (Photo by Jörg Schüler/Bongarts/Getty Images)

Foto: Jörg Schüler/Bongarts/Getty Images

Nach der Halbzeit fuhr der FC ein wenig runter, Schalke bekam etwas mehr Tempo und Präzision in die eigenen Aktionen, ohne aber wirklich gefährlich zu werden. Das Team von David Wagner hatte mehr als 60 Prozent Ballbesitz über die gesamte Partie gesehen, wurde aber bis auf einen Gregoritsch-Schuss nach Abpraller kurz vor der Pause nicht gefährlich. Durch eine einigermaßen isolierte Aktion markierte der FC dann das dritte Tor, das für die endgültige Entscheidung sorgte. Kainz dribbelte in den Strafraum, seine Hereingabe geriet ungenau, führte aber letztlich dennoch zum Erfolg. Schalkes Keeper Nübel beging einen Fangfehler und sorgte damit für klare Verhältnisse auf der Anzeigetafel.

 

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