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Analyse

1:2 gegen die Bayern: Zweckoptimismus beim 1. FC Köln

Eine 1:2-Niederlage gegen den FC Bayern München und eine ordentliche Leistung helfen dem 1. FC Köln dabei, trotz 16 Spielen ohne eigenen Sieg Zweckoptimismus zu versprühen.

Foto: MARIUS BECKER/POOL/AFP via Getty Images

Das zuvor von Teilen des FC-Umfelds erwartete Debakel gegen den Rekordmeister ist ausgeblieben, trotzdem unterliegt Markus Gisdols Mannschaft dem Champions-League-Sieger mit 1:2. Nach einer über weite Strecken der Partie zumindest engagierten Leistung darf der 1. FC Köln durchaus enttäuscht sein. Und ja: Die Leistung war in einigen Aspekten besser als in manchen Spielen der bisherigen Saison. Aber dennoch muss die Frage erlaubt sein, warum nach nunmehr 16 Spielen ohne Sieg eine zwar knappe, aber dennoch verdiente Niederlage in manchen Äußerungen der Verantwortlichen schon fast als Trendwende eingeordnet wird. Der 1. FC Köln hat gegen einen Gegner gespielt, der offenbar mit möglichst wenig Aufwand die drei Punkte mitnehmen wollte.

Der Champions-League-Sieger absolviert aktuell 4 Auswärtsspiele in 14 Tagen, vor dem Auftritt in Müngersdorf kamen die Münchner erst kurz vor knapp aus Moskau zurück. Auch die Rotation beim FCB spielte eine Rolle: Stammspieler wie Robert Lewandowski, David Alaba, Leon Goretzka und Kingsley Coman flogen zum Teil gar nicht erst mit oder  kamen nur sehr kurz bzw. gar nicht zum Einsatz. Reservisten wie Eric-Maxim Choupo-Moting, Bouna Sarr oder Douglas Costa, die alle gegen den FC in der Startelf standen, wurden genau für solche Pflichtaufgaben wie ein Auswärtsspiel in Köln verpflichtet. Dass sie dabei nicht brillieren, geschenkt – für drei Punkte reicht es diesen Bayern in dieser Saison meistens immer noch.

Wie umgehen mit der Niederlage gegen den FC Bayern?

Am kommenden Freitag erwartet das unterlegene Team von Markus Gisdol eine gänzlich andere Partie gegen Werder Bremen. Der Relegationsteilnehmer aus der vergangenen Saison wird von der Intensität her bestimmt anders auftreten als die Bayern, die sich in einer anstrengenden Phase der Saison befinden und in Köln ganz klar eine Under-Performance hinlegten. Bestes Beispiel dafür war Leroy Sané, der nur 35 Ballaktionen hatte und den Ball dabei sechs Mal verlor. Nach einer Stunde wurde der Neuzugang von Manchester City folgerichtig ausgewechselt.

Gewiss, der FC zeigte im Rahmen seiner Möglichkeiten eine ordentliche Leistung. Aber wenn es jetzt schon als Erfolg verkauft werden soll, gegen eine auf vielen Positionen veränderte und sichtbar lustlose Bayern-Elf laut eigener Aussage „fast“ Unentschieden gespielt zu haben, dann weiß man, wie es um den FC steht. Die Debatte um die Schiedsrichterleistung klammern wir an dieser Stelle bewusst aus.

Gisdol hätte gerne einen Punkt geholt

Das alles soll die Leistung des 1. FC Köln nicht schmälern. Vielleicht hilft es dabei, bei den Geißböcken die Sinne zu schärfen – denn wie bereits erwähnt fällt es nach zuvor 15 Spielen ohne eigenen Sieg schwer, aus einer Niederlage noch etwas Positives zu ziehen. Dennoch, und das zeigten auch die Äußerungen der Spieler und des Trainers nach Ende der Partie, scheint die Leistung gegen die Bayern positive Gefühle freizusetzen.

Foto: MARIUS BECKER/POOL/AFP via Getty Images

Sebastiaan Bornauw sagte: „Auf diese Leistung können wir stolz sein. Am Ende hatte ich das Gefühl, wir hätten sogar noch mehr machen und einen Punkt holen können.“ Marius Wolf, der erstmals von Beginn an als Rechtsverteidiger spielte, hielt fest: „Wir können trotzdem mit einem guten Gefühl aus diesem Spiel gehen […] Mit etwas Glück spielen wir hier Unentschieden, das müssen wir mitnehmen.“ Für Trainer Gisdol stand fest: „Wir hätten heute einen Punkt holen müssen. Wir hätten ihn auch holen können.“

Trotz guter Anfangsphase 0:2 zur Pause

Sie alle standen offenbar noch unter den Eindrücken der ersten zehn Minuten der Partie, in denen der FC die beste Phase hatte. Im 4-1-4-1 mit Ellyes Skhiri als tiefem Sechser und Ondrej Duda sowie Salih Özcan (er spielte für Elvis Rexhbecaj) auf den Halbpositionen stand der FC tief, die eigene Hälfte war die erklärte Kampfzone, in denen die Bälle gewonnen werden sollten. Der Vorteil: Die Räume für Kombinationen der Bayern waren sehr klein. Der Nachteil: Die Wege zum gegnerischen Tor waren für den FC sehr weit. Gerade Salih Özcan gelang es zu Beginn der Partie, seine Nominierung zu rechtfertigen: Der U21-Nationalspieler zeigte sich präsent in den Zweikämpfen und gut am Ball. Mit fortlaufender Spieldauer häuften sich bei ihm aber auch die Fehler.

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Offensiv versuchte der FC mit Tempo über die Außen zu kommen: Jakobs auf links und Wolf bzw. Limnios auf rechts sollten die Tiefe suchen und Flanken auf Andersson bringen. Als Übergangsspieler zeigte sich auch Duda in einigen Phasen, dem Slowaken gelang es mehrfach, enge Situationen gut aufzulösen und durch eine Weiterleitung oder eine Körpertäuschung Räume zu schaffen. Dass der FC trotz dieser Attribute zur Pause mit 0:2 zurücklag, hatte seine Gründe: Die erste wirklich ruhige Ballbesitzsequenz der Bayern endete in einem Strafstoß, weil Serge Gnabry den Ball an Wolfs Körper köpfte. Zuvor hatte Sané zwischen den Linien zu viel Raum und konnte diagonal auf Gnabry flanken. Beim zweiten Gegentreffer verlor Skhiri in der gegnerischen Hälfte den Ball, die Bayern konterten über rechts. Da Jannes Horn aufgerückt war, musste Rafael Czichos im Zweikampf gegen Gnabry Zeit gewinnen, wich dabei allerdings zu weit zurück.

Ein abgefälschter Distanzschuss und ein paar Halbchancen

Durch das geschickte Hinterlaufen von Thomas Müller musste sich Czichos entscheiden, er setzte weiterhin auf Sicherung anstatt auf Zweikampf. Gnabry konnte so ungehindert in den Strafraum eindringen und das zweite Tor erzielen. Hier wäre ein etwas aggressiveres Herausrücken von Czichos vielleicht hilfreich gewesen, wenngleich dann wahrscheinlich der Pass auf Müller erfolgt wäre. Der Ballverlust von Skhiri zuvor war natürlich auch vermeidbar, aber immerhin hatte der FC noch mehr als 65 Meter Raum, um die Situation zu verteidigen.

Nach der Pause versuchte es der FC mit viel Wucht und vielen Flanken: Am Ende waren es 14. Durch die Hereinnahme von Dominick Drexler nach etwa einer Stunde wurde der FC auch ein wenig passsicherer, Überzahlsituationen und Konter spielte das Gisdol-Team allerdings nicht gut genug aus, um den Bayern wirklich gefährlich zu werden. Ein Schuss von Jakobs aus spitzem Winkel, dazu ein Kopfball des Mittelfeldspielers und eine Ecke auf den eingewechselten Arokodare: Das waren die nenneswerten Offensivbemühungen des 1. FC Köln. Das Tor fiel nach einem abgefälschten Schuss aus der Distanz – insgesamt also etwas wenig, um wirklich mit voller Überzeugung davon sprechen zu können, die großen Bayern fast an den Rand eines Unentschiedens gebracht zu haben.

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