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Analyse

0:1-Niederlage gegen Augsburg: Der Abstiegskampf als Zeugnis des fußballerischen Niedergangs

Nach der Niederlage zum Jahresauftakt gegen den FC Augsburg verzichtet Markus Gisdol auf Kritik an seiner Mannschaft. Die Leistung des 1. FC Köln war ein Beweis für die geringe Qualität im Bundesliga-Abstiegskampf in diesem Jahr.

Foto: Imago

Das Problem heißt Ballbesitz: So hieß es unter der  Woche in einem Text auf effzeh.com, der zur Weihnachtspause ein Zwischenfazit zur fußballerischen Leistungsfähigkeit des 1. FC Köln zog. In vielen Attributen des Spiels liegt der FC ligaweit auf den hinteren, teilweise sogar auf dem letzten Platz. Passgenauigkeit, Ballbesitzphasen, Kurzpässe, Dribblings, Aktionen im letzten Drittel, Torabschlüsse – in all diesen Kategorien ist der 1. FC Köln unterdurchschnittlich. Der Veröffenlichungszeitpunkt des Textes war bewusst gewählt: In den letzten vier Partien der Hinrunde spielt der FC gegen Augsburg (dem Spiel widmen wir uns gleich), Freiburg, Hertha BSC und Schalke. Es ist davon auszugehen, dass neben dem Spiel gegen den FCA auch die anderen drei Partien keine Leckerbissen werden. Spiel eins dieser Serie, das der FC mit 0:1 gegen das Team von Heiko Herrlich verlor, zeigte: Der 1. FC Köln ist quasi allergisch gegen eigenen Ballbesitz, Torgefahr entsteht fast nur nach Standardsituationen. Darüber dürfen auch die Erfolge gegen Dortmund und Mainz nicht hinwegtäuschen.

In Sachen Personal hatte Markus Gisdol drei Wechsel im Vergleich zum Spiel gegen Leipzig vor zwei Wochen vorgenommen: Rafael Czichos kehrte nach Verletzungspause zurück, er ersetzte Dominick Drexler und komplettierte damit wieder die Dreierkette in der Defensive. Gegen die Sachsen hatte der FC sich noch mit einer Viererkette ein torloses Unentschieden ermauert. Die Gäste aus Augsburg wählten eine ähnliche Herangehensweise, wenngleich sie einen offensiven Spieler mehr ins Rennen schickten: Ruben Vargas und Marco Richter besetzten die Halbräume hinter Stürmer Florian Niederlechner, um die beiden Kölner Verteidiger Jorge Meré und Czichos zu binden. Die Doppelsechs bestand aus Tobias Strobl und Carlos Gruezo.

Zwei Fünferketten und nur fünf Offensive

Insgesamt 5 der 22 Spieler auf dem Feld haben ein offensives Selbstverständnis: Von daher war es keine Überraschung, dass das Spiel wenig Spektakel bot. Augsburg wartete bei Kölner Ballbesitz ab, lief die Außen an, der FC versuchte es seinerseits mit einigen synchronisierten Pressingaktionen, achtete sonst aber eher auf enge Abstände. Die gefährlicheren Offensivaktionen hatten die Gäste: Nach einem Abseitstor von Niederlechner zog Richter nach einem Einwurf (!) auf, versetzte zwei Gegenspieler und zog aus spitzem Winkel ab, doch Timo Horn parierte. Beim FC bestand das Offensivkonzept aus Tiefenläufen von Salih Özcan oder individuellen Aktionen von Ondrej Duda. Der Slowake traf aber mehr falsche als richtige Entscheidungen und war an diesem Tag kein spielbeeinflussender Faktor für das Team von Markus Gisdol. Er verlor auch die meisten Bälle (5).

Foto: Imago

Erst ein mutiges Dribbling von Noah Katterbach, der von links in die Mitte zog, brachte Torgefahr – den anschließenden Eckball nutzte Sebastiaan Bornauw für einen Kopfball aufs Tor. In der zweiten Halbzeit war es ein Dribbling von Marius Wolf, das die erste Torgelegenheit brachte: Auch er zog nach innen und zwang Gikiewicz zu einer Reaktion. Nach etwa einer Stunde versuchte Markus Gisdol durch zwei personelle Umstellungen die Spieldynamik zu verändern: Mit Anthony Modeste (für Jan Thielmann) und Jonas Hector (für Elvis Rexhbecaj) kamen zwei neue Kräfte. Der Franzose sollte als Zielspieler neben Duda agieren.

Markus Gisdol fällt Kritik schwer

Zwei Standardsituationen auf Augsburger und Kölner Seite waren ursächlich für die nächsten torgefährlichen Szenen, doch Caligiuris Freistoß ging drüber, Wolf schoss nach einem Abpraller vorbei. In Führung gingen dann schließlich die Gäste nach einer starken Einzelaktion von Caligiuri auf rechts, der sich weder von Katterbach noch von Skhiri stoppen ließ. Czichos ließ sich von André Hahn aus der Position herausziehen, woraufhin Niederlechner an der Strafraumgrenze den Ball bekam. Im Strafraum hatte eigentlich nur der Brasilianer Iago eine gute Position, er brachte sich rechtzeitig vor Wolf und markierte aus kurzer Distanz das Führungstor (77.). Weitere offensive Wechsel von Gisdol verpufften, das Spiel ging verloren.

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Gegen einen Gegner auf Augenhöhe zeigte sich der FC weitestgehend ideen- und chancenlos: 8 der 12 Torschussversuche kamen nach Standards, ein Großteil der Aktionen fand im Mittelfeld statt. Die Passquote lag bei 71 Prozent. „Wir haben ein ausgeglichenes Spiel gesehen, wo beide hinterher mit einem Unentschieden wohl okay gewesen wären“, lautete das Fazit von Gisdol, der danach bemerkenswerte Sätze anschloss: „Jetzt haben wir ein enges Spiel 0:1 verloren. Deswegen fällt es mir schwer, meine Mannschaft heute zu kritisieren. Wir müssen das analysieren und dann geht es weiter.“ Ihm fällt es schwer, seine Mannschaft zu kritisieren? Sind das die Worte eines Trainers, der seine Mannschaft öffentlich schützen will? Und dafür intern die Probleme deutlich anspricht? Oder ist es in der Wohlfühloase des Geißbockheims eher so, dass sich alle Beteiligten mit dem Status quo zufriedengeben und mei, dann verliert man halt mal ein Spiel?

Wo ist die fußballerische Entwicklung der Mannschaft?

Wir wissen es nicht genau. Was wir aber wissen: Begeisternder Fußball ist es nicht, den die „Geißböcke“ Woche für Woche in der Bundesliga darbieten, das ist nichts Neues. Seit etwa einem Jahr versucht die Mannschaft zusammen mit ihrem Trainer Markus Gisdol, über die Elemente Stabilität (defensiv) sowie Konter und Standardsituationen (offensiv) zum Erfolg zu kommen, sprich Tore zu schießen und Punkte zu holen. Das ist natürlich ein gangbarer und verständlicher Weg für eine Mannschaft, deren Verantwortliche seit Saisonbeginn nur davon sprechen, das langfristige Ziel des Klassenerhalts zu erreichen.

Gewiss, das ist für den 1. FC Köln eine realistische Zielvorstellung. Allerdings müssen sich sowohl Geschäftsführer als auch Trainer an der fußballerischen Entwicklung der Mannschaft messen lassen – und da muss man aktuell schon sehr genau hinschauen. Für den FC wird es in dieser Spielzeit wohl die wesentliche Errungenschaft werden, im Vergleich mit Schalke, Mainz und Bielefeld mindestens zwei dieser Konkurrenten hinter sich zu lassen.

Aktuell sieht es danach aus, als ob sich die vier Mannschaften im Tabellenkeller (und vielleicht noch ein weiteres Team wie Bremen) in den kommenden Wochen und Monaten ein Schneckenrennen liefern werden, was den Klassenerhalt angeht. Die oft zitierte 40-Punkte-Marke wird in diesem Jahr etwas heruntergesetzt werden müssen, weil derzeit eben jene fünf Mannschaften einen Schnitt von genau einem oder gar noch weniger Punkten pro Spiel einfahren. Diese Fakten sollten auch die Verantwortlichen am Geißbockheim kennen.

Der Abstiegskampf der Bundesliga im Jahr 2021: Er ist Zeugnis eines fußballerischen Niedergangs in Deutschland. Vielleicht macht man sich diese Tatsache auch beim FC mal bewusst.

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