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Nachspiel

FC-Frauen: Fünf Fragen nach der Bremen-Niederlage

Die Frauen des FC schießen auch unter Interimstrainerin Nicole Bender-Rummler keine Tore und verlieren ein wohlmöglich vorentscheidendes Spiel um den Klassenerhalt gegen Werder Bremen durch einen Torwartfehler in der 85. Spielminute mit 0:1.

Freud und Leid liegen dicht beieinander (Foto: Privataufnahme)

Die Frauen des FCs schießen auch unter Interimstrainerin Nicole Bender-Rummler keine Tore und verlieren ein wohlmöglich vorentscheidendes Spiel um den Klassenerhalt gegen Werder Bremen durch einen Torwartfehler in der 85. Spielminute mit 0:1. Wir beantworten die fünf wichtigsten Fragen zu diesem Spiel.

Was hat Bender-Rummler geändert?

Auf den ersten Blick nicht viel. Jana Beuschlein kam für Laura Donhauser in die Startelf, Ally Gudorf rutschte damit wieder zurück auf ihre angestammte Position als Rechtsverteidigerin, Beuschlein sollte als gelernte Offensive für mehr Durchschlagskraft nach vorne sorgen. Ansonsten blieb alles beim Alten was die personelle Ausrichtung anging. Spielerisch konnte man zumindest in Ansätzen erkennen, was Bender-Rummler und ihr Team wollten: höher sollte man stehen, früher pressen, so zu mehr Ballgewinnen näher am gegnerischen Tor kommen. Allerdings war diese Idee bestenfalls in Ansätzen erkennbar – was allerdings aufgrund der Kurzfristigkeit des Trainerwechsels nicht überraschen sollte. Wirkliche Torgefahr entwickelte man auch heute nicht.

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Ging dieses Spiel verdient verloren?

Wenn man keine Tore schießt, ist man für einen Punktgewinn darauf angewiesen, hinten keine Fehler zu machen. Das ist zwar eine Binse, aber so ist es nun einmal. Über weite Strecken sah es so aus, als würde dieses Spiel verdient 0:0 enden. Da auch die Bremerinnen kaum einmal aus dem Spiel heraus Torgefahr entwickelten und eher nach verunglückten Flanken oder Standards überhaupt zu Torgefahr kamen, hätte sich niemand über ein torloses Remis beschweren dürfen. Zur Wahrheit dieses Spiels gehört aber auch, dass Bremen in den letzten 10 Minuten sehr viel mehr investieren konnte und das Tor der Kölnerinnen öfter in Gefahr brachten, als in den 80 Minuten zuvor: beispielhaft sei hier die Doppelchance um die 81. Minute herum erwähnt, als ein Freistoß von
Nina Lührßen ans Lattenkreuz klatschte und kurz darauf Saskia Matheis’ strammer Schuss nur knapp über das Tor ging. Zu diesem Zeitpunkt wäre eine Bremer Führung dann durchaus verdient gewesen – und so kam es dann ja auch in der 85. Minute, als Lührßen einen zu früh ausgeführten Freistoß wiederholen musste und ihren zweiten Versuch relativ uninspiriert in die Arme der Kölner Schlussfrau Manon Klett schoss. Eigentlich. Dass der bis dahin starken und souveränen Torfrau ausgerechnet dieser Ball durch die Hände flutschte, war eine traurige Pointe unter dieses Freitagsabendspiel. Dass Klett danach noch einmal toll parierte (88.), wird sie nur marginal getröstet haben.

Viele Zweikämpfe im Mittelfeld: hier durch Ally Gudorf und Laura Donhauser (Foto: Privataufnahme)

Ist der FC jetzt schon abgestiegen?

Mitnichten. Natürlich wird es nach einer Niederlage gegen direkte Konkurrentinnen nicht gerade leichter, aber man hat noch drei Heimspiele gegen die Konkurrenz der unteren Tabellenhälfte: den MSV Duisburg (31.03.2023, live auf Eurosport), den SV Meppen (13.05.2023) und die SGS Essen am letzten Spieltag (28.05.2023). Kommt man relativ gut aus diesen drei Heimspielen heraus, ist in Sachen Klassenerhalt noch alles drin – zumal bis dahin ein neues Trainerteam auch genug Zeit hatte, eigene Ideen zu implementieren. Dazu kommt noch das avisierte “Rekordspiel” gegen Eintracht Frankfurt am 23.04.2023: vielleicht setzte der volle Support des Stadions zu Müngersdorf ja noch einmal Unmögliches frei. Und ein gutes hatte die bittere Art der Niederlage dann ja doch: immerhin konnten alle geneigten Zuschauenden sehen, dass es in der Mannschaft stimmt, denn fast alle Spielerinnen liefen sofort nach Abpfiff zu Torwärtin Klett, um die Untröstliche zu trösten. Sie werden ihr gesagt haben, dass es nicht wirklich an ihr lag.

Immerhin stimmt es in der Mannschaft: die Spielerinnen trösten Klett (verdeckt) (Foto: Privataufnahme)

Wie war die Stimmung?

Die Bremen aktive Fanszene war vor Ort und hatte sogar eine eigene Choreo (inklusive Pyro) vorbereitet. Das war gegen die Dunkelheit, die Schulsportplatzatmosphäre des “Weserstadions Platz 11” und die Flutlichtmasten durchaus stimmungsvoll und mag die Bremerinnen noch einmal zu ihrer Schlussoffensive angetrieben haben. Auf Kölner Seite durften immerhin ein paar Kinder am Zaun stehend Wechselgesänge mit den erwachsenen Auswärtsfans anstimmen. Die Kölner aktive Fanszene sollte ihr Nachwuchsscouting hier beginnen.

Stabiler Support im Heim-wie im Auswärtsbereich (Foto: Privataufnahme)

Und nun?

Geht es nach einer knappen Woche auf Auswärtstour wieder zurück nach Köln. Einmal vom Fußball und dem Abstiegskampf in gewohnter Umgebung abschalten wird den Spielerinnen, die zuletzt sehr viele Nackenschläge hinnehmen mussten, sicherlich gut tun. Das Trainerinnenteam wird also auch psychologisch gefragt sein im Umgang mit der Mannschaft. Dann beginnt aber auch schon die Vorbereitung auf das nicht minder wichtige Heimspiel gegen Duisburg. Mannschaft und Trainerinnen werden gemeinsam Strategien erarbeiten müssen, wie mal wieder ein Tor erzielt werden soll – eventuell muss man auch einmal hinterfragen, ob das so häufig praktizierte 4-4-2 wirklich das System ist, in dem alle Spielerinnen ihre besten Leistungen zeigen können oder ob eine weitere Reihe mit und gegen den Ball der Mannschaft nicht auch einmal gut täte. Zudem hätte man in Ally Gudorf und Weronika Zawistowska eigentlich zwei ideale Schienenspielerinnen in einem System mit Drei- bzw. Fünferkette ähnlich dem, wie es die Bremerinnen praktiziert haben. So oder so wird es darum gehen, Lösungen zu erarbeiten, wie man das unzweifelhaft vorhandene Potential dieser Mannschaft freischalten kann.

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