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Meinung

Fan-Interview und Gespräche beim effzeh: Nur PR oder echter Dialog?

Bundesligavereine und Beziehungspflege im 21. Jahrhundert – wie soziale Netzwerke dabei helfen, die Kommunikation mit den eigenen Anhängern zu steuern.

Spinner Schumacher
Toni Schumacher und Werner Spinner | Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images

Bundesligavereine und Beziehungspflege im 21. Jahrhundert – wie soziale Netzwerke dabei helfen, die Kommunikation mit den eigenen Anhängern zu steuern.

Andy Warhol war ein intelligenter Mann, schließlich sagte der US-amerikanischer Künstler bereits im Jahr 1968 voraus: „In der Zukunft wird jeder für 15 Minuten berühmt sein“. Daraus entstand der Ausdruck „15 minutes of fame“, der seitdem als Attribut für diverse popkulturelle und zeitgenössische Phänomene verwendet wird. Die Vergänglichkeit des Ruhms ist eine mögliche Interpretation dieses Ausdrucks, gleichzeitig kann man ihn aus heutiger Perspektive auch anders interpretieren: Durch das stetige Erodieren von künstlerischen Hierarchien kann jeder mit seinem Produkt über einen Blog, einen Instagram- oder YouTube-Account „berühmt“ werden. Die Demokratisierung der (sozialen) Medien in der jüngeren Vergangenheit ist natürlich etwas, was dafür sorgte, dass eine Vielzahl von Online-Medien (darunter auch effzeh.com, na klar) an Bedeutung gewinnen konnten. Soziale Medien wie Facebook, Twitter oder Instagram sorgen auch dafür, dass sich das Kommunikationsportfolio von Profisportlerinnen und Profisportlern und auch Mannschaftsverbünden grundlegend geändert hat – die Korrelation zwischen Medien und Sport hat es ja ohnehin schon immer gegeben.

Einerseits ermöglichen soziale Medien den Sportlern und Vereinen eine neue Kommunikationsautonomie, da sie selbst darüber entscheiden können, welche Inhalte sie zur Verfügung stellen. Andererseits besteht nun auch für Otto Normalverbraucher die Möglichkeit, direkt in Kontakt zu treten mit den Akteuren des Profisports. Dementsprechend ist es nur natürlich, dass in es diesem Geschäft mittlerweile eine wichtige Kompetenz geworden ist, sich gut und nachhaltig um die verschiedenen Kommunikationskanälen im Profisport kümmern zu können. Vereine und Sportler betreiben über ihre Plattformen Identitätsmanagement und pflegen so ihre Beziehung zu den Menschen, die sich für das Produkt (in dem Falle den Verein oder die Sportler) interessieren und sich damit identifizieren. Beim 1. FC Köln unterliegt der Bereich „Medien & Kommunikation“ der Leitung von Tobias Kaufmann – untergliedert ist sein Arbeitsbereich in „Club Media“ und „Kommunikation“.

Viel Arbeit für die Medienabteilung des 1. FC Köln

In den letzten Wochen dürfte die Arbeit für die Kolleginnen und Kollegen relativ anstrengend gewesen sein, da sich der effzeh in einer turbulenten Phase befindet – die sportlichen Probleme kulminierten in der Entlassung des ehemaligen Trainers Peter Stöger, danach wurden mit Armin Veh, Stefan Ruthenbeck und Simon Terodde neue Leute installiert, die fortan eine Funktion beim 1. FC Köln bekleiden. Gleichzeitig, und damit beschäftigt sich dieser Text, wurde in vielerlei Form Kritik an Vorstand des eingetragenen Vereins 1. FC Köln und Geschäftsführung der 1. FC Köln GmbH & Co. KGaA geäußert. Im sozialen Netzwerk geriet dabei insbesondere ein Text in den Fokus: effzeh-Fan Jörg Weitz verfasste dort an einem Sonntagmorgen (es war der 3. Dezember) einen Post und richtete ihn an den 1. FC Köln. Nur ein paar Stunden später war effzeh-Trainer Peter Stögers Amtszeit in Köln Geschichte, der Österreicher wurde auf einer Pressekonferenz von seinen Aufgaben entbunden. Doch zum Zeitpunkt des Verfassens des Textes war Stöger noch im Amt, wenngleich die Aussichten auf Weiterbeschäftigung zu diesem Zeitpunkt bereits sehr gering waren.

COLOGNE, GERMANY - NOVEMBER 05: Coach Peter Stoeger of Koeln looks on during a press conference after the Bundesliga match between 1. FC Koeln and TSG 1899 Hoffenheim at RheinEnergieStadion on November 5, 2017 in Cologne, Germany. (Photo by Maja Hitij/Bongarts/Getty Images)

Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images

Und so verpackte Jörg Weitz seine Emotionen in einen Text von etwas mehr als 900 Wörtern – für soziale Medien damit schon fast ein Roman. Bis heute wurde der Text fast 20.000mal geliked, mehr als 3.000mal geteilt und kommentiert. Die Emotionalität, die Tonlage, die überschaubare Komplexität der Sätze, dazu einen passenden Zeitpunkt – der Text hatte alles, was es brauchte, um in einem sozialen Netzwerk Aufmerksamkeit zu schaffen. Nach der für soziale Netzwerke überaus förmlichen Anrede, ging Weitz direkt in medias res – bereits in der zweiten Zeile gab er bekannt, dass er seine Mitgliedschaft beim 1. FC Köln kündigen würde, sofern Peter Stöger nicht mehr Trainer sein würde. Damit hat man natürlich die Leserschaft sofort am Haken.

Gleichermaßen distanziere er sich „ganz klar von Ihrer (Anm. d. Verf.: Gemeint sind wohl Vorstand und Geschäftsführung des 1. FC Köln) Vorgehensweise von Ihrem Auftritt in der Öffentlichkeit in den letzten Wochen“. Er sei gerne bereit, einen Shitstorm in Kauf zu nehmen, Beschimpfungen und Beleidigungen seien ihm gar lieber, als sich „nicht zu meinen Werten zum Thema Ethik und Moral zu äußern“. Ein Mann mit Rückgrat also!

Die aktuelle Lage? „Desaströs und ernüchternd“

Danach setzte der Autor an zu einem Pamphlet über die Entwicklung seines Lieblingsvereins, bei dem natürlich das Wort „Herzensangelegenheit“ fiel, bevor Weitz dann auf die Veränderungen im Verein einging, die sich seit 2013 und der Verpflichtung von Peter Stöger vollzogen hatten. Die aktuelle Lage fasste der Kölner Fan als „desaströs und ernüchternd“ zusammen. Die Schuld dafür läge seiner Meinung nach nicht alleine beim Trainerstab, sondern auch bei der Geschäftsführung, die es verpasst habe, einen breiteren Kader zusammenzustellen. Weiterhin hieß es: „Sie nehmen unseren Trainer als Bauernopfer, welcher über 4 Jahre eine unglaubliche Leistung vollbracht hat (sic!) um dieses dieses ‚Werk‘ innerhalb von nur 4 Monaten gegen die Wand zu fahren?! 4,5 Jahre habe Sie sich aus der Öffentlichkeit ferngehalten und haben sich feiern lassen – für das neue FC-Gefühl ’spürbar anders‘ – und zwar im Sog der Erfolge eines Peter Stögers und seiner Mannschaft?“

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