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Fall Tönnies: Veh zeigt Unterstützung, Müller-Römer vermisst „überzeugende Entschuldigung“

Die rassistischen Aussagen von Clemens Tönnies beschäftigen den deutschen Fußball weiterhin. Der Schalke-Chef hat mittlerweile Unterstützung von Bundesliga-Vertretern bekommen – auch von FC-Geschäftsführer Veh. Der Kölner Vereinsvorstand Stefan Müller-Römer äußert im Gespräch mit effzeh.com derweil deutliche Kritik.

Clemens Tönnies | Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images

Die Diskussion um die Äußerungen von Clemens Tönnies beschäftigen den deutschen Fußball weiterhin. Der Aufsichtsratschef des FC Schalke 04 hatte mit rassistischen Aussagen für Wirbel gesorgt, der sich bis jetzt nicht gelegt hat. Mittlerweile hat die Debatte auch den 1. FC Köln erreicht. Armin Veh hat sich am Dienstag beim „Fußball-Gipfel“ der „Rheinischen Post“ zum Fall Tönnies geäußert.

„Er hat etwas gesagt, was man nicht sagen soll. So etwas sagt man nicht, und das weiß er“, sagte der Kölner Geschäftsführer über Tönnies. „Er ist 63, hat schon ein Leben hinter sich. Wenn aus diesem Leben ein Satz herauskommt und ich mit diesem einen Satz mein ganzes Leben kaputtmache, dann ist das maßlos übertrieben.“

Gemeint sei damit der Gedanke, dass ein „falscher Satz“ eine „gesamte Lebensleistung“ kaputtmachen solle, erklärte der 1. FC Köln auf eine Nachfrage unserer Redaktion. Des Weiteren stehe Armin Veh zu seinen Aussagen, habe sich darüber hinaus jedoch nicht zum Fall Tönnies geäußert und werde dies auch weiterhin nicht tun.

Bundesliga-Beistand für Tönnies

Zuvor hatte sich beim „Fußball-Gipfel“ bereits Friedhelm Funkel mit drastischen Worten eingebracht und die Zustimmung seiner Kollegen geerntet: „Clemens hat eine Aussage getätigt, die nicht geht. Was jetzt mit ihm gemacht wird, halte ich nicht für in Ordnung. Er wird ja regelrecht geschlachtet“, sagte der Trainer von Fortuna Düsseldorf. „Wir müssen alle ein bisschen runterkommen“, forderte Funkel. „Es bringen Leute mit einem Samurai-Schwert Menschen um. Da wird zwei Tage drüber berichtet, dann ist es vergessen“, lautete seine Begründung.

SANDHAUSEN, GERMANY - SEPTEMBER 21: Manager Armin Veh of Cologne looks on prior to the Second Bundesliga match between SV Sandhausen and 1. FC Koeln at BWT-Stadion am Hardtwald on September 21, 2018 in Sandhausen, Germany. (Photo by Christian Kaspar-Bartke/Bongarts/Getty Images)

Armin Veh | Foto: Christian Kaspar-Bartke/Bongarts/Getty Images

Simon Rolfes, Sportdirektor von Bayer 04 Leverkusen, und Gladbach-Manager Max Eberl pflichteten bei. „Die Empörung war auch bei uns da“, betonte Eberl zwar. Man müsse Tönnies nun aber die Möglichkeit geben, „wieder aufzustehen“.

Die Positionen von Veh, Funkel, Rolfes und Eberl passen zu einigen bisherigen Kommentaren zum Fall Tönnies. Der Schalker Sportvorstand Jochen Schneider hatte bereits einen Tag nach den rassistischen Äußerungen angeregt, Tönnies‘ Entschuldigung zu akzeptieren. Die ehemaligen Bundesliga-Trainer Otto Rehagel und Huub Stevens äußerten sich ähnlich. Aus der Politik erhielt Tönnies derweil Unterstützung von Ex-SPD-Chef Sigmar Gabriel und Wolfgang Kubicki.

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Kritik äußerten neben DFB-Interimspräsident Reinhard Rauball und Eintracht Frankfurts Präsident Peter Fischer vor allem ehemalige Profis. „Die Aussagen von Clemens Tönnies zeigen ein Weltbild, das an die Kolonialzeit erinnert“, kritisierte Hans Sarpei. „Bis heute hat er sich bei allen entschuldigt. Nur nicht bei denen, die er rassistisch beleidigt hat.“ Der Ex-Schalker Gerald Asamoah sagte: „Das können wir nicht dulden.“ Bundesjustizministerin Christine Lambrecht kritisierte „dumpfen Rassismus.“

„Dann kann sich der deutsche Fußball die ganzen Aktionen gegen Rassismus und Fremdenhass auch direkt sparen.“

„Die Äußerungen von Clemens Tönnies sind vollkommen inakzeptabel“, erklärt nun auch Stefan Müller-Römer exklusiv gegenüber effzeh.com. „Rassistische Sprüche zu klopfen war schon immer schlimm. Doch gerade angesichts der derzeitigen gesellschaftspolitischen Situation mit dem Erstarken des Rechtsradikalismus und zunehmender Ausländerfeindlichkeit in der Gesellschaft muss man solche Äußerungen heute noch kritischer sehen als noch vor zehn Jahren.“ Der Interimspräsident des 1. FC Köln stellt klar: „Ich vermisse derzeit eine überzeugende Entschuldigung mit klarer Distanzierung von Clemens Tönnies verbunden mit einer positiven Tat von seiner Seite.“

Müller-Römer: „Einfache Entschuldigung nicht ausreichend“

Ein Rücktritt sei „nicht immer zwangsläufig“, führt der Kölner Interimsvorstand, der nach dem Ausscheiden von Ex-Präsident Werner Spinner vom Mitgliederrat ins höchste Vereinsgremium entsandt wurde, aus. Es gehe mehr darum, wie jemand mit so einem Fehler umgeht. „Kann Tönnies glaubhaft vermitteln, dass es eine dumme Äußerung war und er es nicht so gemeint hat? Eine einfache Entschuldigung halte ich hier jedenfalls für nicht ausreichend. Die ist immer leicht gesagt.“ Der Schalker Aufsichtsratschef müsse vielmehr „glaubhaft Reue zeigen und authentisch etwas tun“, erklärte Müller-Römer. „Zum Beispiel ein Projekt gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit unterstützen und sich persönlich dafür engagieren, um so nachzuweisen, dass er seinen Fehler verstanden hat und daraus lernen will. Damit könnte er ein positives Zeichen setzen.“

Nicht nur Tönnies‘ Verhalten, sondern auch den Umgang der Fußball-Branche mit dem Vorfall sieht Müller-Römer kritisch: „Wenn jetzt einige einfach so tun, als wenn es nur ein kleiner Lapsus gewesen sei, geht das gar nicht“, erklärt der 51-Jährige . „Dann kann sich der deutsche Fußball die ganzen Aktionen gegen Rassismus und Fremdenhass auch direkt sparen.“

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