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Analyse

Erfolg in Aue: Drei Punkte, doch einige Fragen bleiben

Mit ein wenig mehr Pragmatismus holt der 1. FC Köln drei Punkte in Aue – wir analysieren die wichtigsten Elemente der Partie und schauen in die Zukunft.

Foto: Karina Hessland-Wissel/Bongarts/Getty Images

Positiv war jedoch, dass die Auer wenig mit eigenem Ballbesitz anzufangen wussten – speziell in der ersten halben Stunde hatte die Heimmannschaft zwei Drittel des Ballbesitzes für sich. In einem Spiel des 1. FC Köln in dieser Saison hat es womöglich keine Phase gegeben, in der der Gegner so häufig am Ball war. Das Aktionsdrittel war dabei jedoch vergleichsweise ungefährlich für Markus Anfangs Mannschaft: Die Auer Verteidiger (und Keeper Martin Männel) passten sich unter passivem Gegnerdruck den Ball zu und suchten nach Ideen. Erst danach (und speziell durch das Führungstor) übernahm der effzeh die Initiative und fand besser zu seinen eigenen Aktionen. Terodde und Cordoba öffneten vermehrt die Räume für Drexler und Hector, speziell über die halbrechte Seite schafften es die „Geißböcke“ immer wieder, in gefährliche Räume vorzustoßen.

Fokus auf Defensive – bewusster Plan von Anfang?

Ob es der Matchplan von Anfang war, den Auern auf diese Weise die Initiative zu überlassen, kann durchaus sein – der Erfolg gab ihm recht. Hinzu kommt, dass der effzeh nicht an seine Leistungsgrenze gehen musste und in der Englischen Woche wichtige Kraft sparen konnte. Dass die Sachsen nach dem Gegentreffer nachließen, bemängelte nach der Partie auch Aue-Coach Daniel Meyer, der sich darüber ärgerte, dass sein Team nach einer halben Stunde hektisch wurde und das eigene Positionsspiel nicht mehr so durchzog wie noch zuvor. Dadurch konnte der effzeh, wenn auch nicht zwingend durch hohe Ballbesitzzeiten, das Spiel kontrollieren und das eigene Tor schützen. Eng wurde es nur noch einmal in der zweiten Halbzeit, als Jan Hochscheidt Timo Horn prüfte. Danach konnte sich der 1. FC Köln den Auer Angriffsbemühungen erwehren, auch weil der gefährlichste Offensivspieler Hochscheidt nach etwas mehr als einer Stunde ausgetauscht wurde.

Foto: Karina Hessland/Bongarts/Getty Images

Nach der Sandhausen-Partie wurde viel darüber diskutiert, dass der effzeh „Heroenfußball“ spielen würde – aufgrund der individuellen Qualität der Einzelspieler würden die Spiele gewonnen werden, weniger wegen eines spielerischen Konzepts. Mit einigen Tagen Abstand und einem weiteren Sieg kann man dieses Urteil zum Teil revidieren: Die Spieler Meré und Hector beispielsweise, beide aufgrund ihrer Qualitäten sicherlich Ausnahmespieler für die zweite Liga, wurden für den mannschaftlichen Erfolg von ihren angestammten oder vorherigen Positionen verschoben, um an anderen Orten zu helfen. Meré spielte den halbrechten Innenverteidiger und überzeugte in den defensiven Kernkompetenzen – im Aufbauspiel hingegen fiel auf, dass die Option mit einem vertikalen Ball in den halbrechten Korridor seinen Fähigkeiten nicht wirklich entspricht.

Mögliche Veränderungen für die kommenden Spiele

Meré überzeugte bis dato in seiner Rolle als Aufbauspieler in einer Dreierkette, weil er den Ball sauber mit beiden Füßen und ohne großen Zeitverlust in alle Richtungen passen kann. Das kann Johannes Geis zwar auch, gegen stärkere Gegner könnte vielleicht Geis‘ Tempodefizit auffälliger werden. Insgesamt fehlt dem effzeh ein Spielertyp wie Łukasz Piszczek, der unterschiedslos einen halbrechten Innenverteidiger in einer Dreierkette und einen rechten Verteidiger geben kann. Vielleicht wächst Benno Schmitz in diese Rolle ja noch hinein. Erschwerend kam hinzu, dass weder Clemens noch Risse in den letzten beiden Spielen als Wing-Backs überzeugen konnten, sodass die Frage nach dem 4-1-4-1 wieder etwas mehr an Dringlichkeit gewonnen hat. In diesem System könnte auch Jonas Hector auf seine angestammte Position als spielmachender Linksverteidiger zurückkehren.

Unterstützt von Florian Kainz, der offensiv Tempo und Tiefe bringen würde, könnte Hector auf dieser Position seine Stärken vielleicht etwas mehr einbringen als auf der Achterposition im Mittelfeld. Dort rieb er sich gegen Aue in Zweikämpfen auf, erledigte den Job – richtig glänzen konnte er in den vergangenen Wochen aber nicht. Wenn Koziello und Schaub wieder zu 100 % spielfähig sind, könnte das Mittelfeldzentrum (und speziell die rechte Seite) anders besetzt werden. Doch all das bleibt graue Theorie: mit zwei Siegen im Rücken reist der effzeh am Sonntag nach Ingolstadt, wo es um die nächsten drei Punkte geht.

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