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Der 1. FC Köln muss wohl zum sechsten Mal den Gang in die 2. Bundesliga antreten. Doch die Reaktionen nach dem 2:2 gegen den FC Schalke 04 und die Vertragsverlängerung von Jonas Hector haben gezeigt, dass der effzeh kein normaler Verein ist.

Viel wurde nach dem 2:2-Unentschieden gegen den FC Schalke 04 über die bemerkenswerte Reaktion der Kölner Fans und Spieler geschrieben und berichtet. Der Abstieg scheint nicht mehr abwendbar, dennoch standen die Zuschauer auf und feierten die FC-Spieler. Die Folge? Weinende Profis, die realisieren, dass so ein Verhalten alles andere als normal ist.

Doch nicht mal 24 Stunden nach Abpfiff bestimmte ein anderes Thema die Schlagzeilen in Köln. Jonas Hector hat, trotz der prekären sportlichen Situation, seinen Vertrag beim effzeh um zwei Jahre bis 2023 verlängert. Keine Ausstiegsklausel mehr und ein Verbleib in der 2. Bundesliga. Alles andere als ein normales Verhalten des Nationalspielers, der eben auch alles andere als normal ist.

Fans und Spieler wirklich spürbar anders

Spürbar anders. So lautet der Slogan des 1. FC Köln. In der Vergangenheit haben es der Verein und die Verantwortlichen häufig verpasst, spürbar anders zu sein. Der Defensivspieler, der gegen Schalke im offensiven Mittelfeld gespielt hat, hat jedoch gezeigt, dass zumindest die Kölner Fans und die einige der Spieler vielleicht wirklich spürbar anders sind.

COLOGNE, GERMANY - FEBRUARY 17: Claudio Pizarro of Koeln celebrates his goal with team mate Jonas Hector before referee Markus Schmidt takes it back because of offside during the Bundesliga match between 1. FC Koeln and Hannover 96 at RheinEnergieStadion on February 17, 2018 in Cologne, Germany. (Photo by Alex Grimm/Bongarts/Getty Images)

Foto: Alex Grimm/Bongarts/Getty Images

Der 27-Jährige ist Deutschlands bester Linksverteidiger. Er soll Angebote vom FC Bayern München und Borussia Dortmund gehabt haben. Für acht Millionen Euro wäre er im Abstiegsfall zu haben. Ein Spottpreis im aktuellen Fußball für einen Stammspieler der deutschen Nationalmannschaft. Doch Hector hat sich gegen einen Wechsel entschieden. 2. Bundesliga statt Champions League. Vertrautes Umfeld statt Blitzlicht.

>>> Kommentar: Auf dem Weg zur Legende – Jonas Hector wird der kölsche Buffon

Auch wenn es rechnerisch noch möglich ist, wird sich der gebürtige Saarländer bewusst sein, dass der Gang in die 2. Bundesliga unvermeidbar ist. Doch er setzt ein Zeichen, dass er den Weg des Vereins mitgehen will.

Hector: „Fühlte sich für mich nicht richtig an“

„Ich bin diesem Club sehr verbunden und dankbar und fühle mich in Köln sehr wohl. Es wäre problemlos möglich gewesen, nach dieser Saison zu einem anderen Verein zu wechseln, aber für mich fühlte sich das nicht richtig an“, sagt der Nationalspieler.

Während andere Spieler durchaus am drohenden Abstieg beteiligt waren, trifft Hector wohl noch die geringste Schuld. Der Vize-Kapitän verpasste verletzungsbedingt beinahe die komplette Hinrunde. Mit seiner Verletzung rutschte der Verein auf den letzten Rang ab und verließ diesen zwischenzeitlich erst nach seiner Rückkehr. Doch der Linksverteidiger, der vielerlei Gründe hätte, um sich aus Köln zu verabschieden, stellt sich der Verantwortung und beweist somit, dass er mittlerweile ein Führungsspieler ist.

COLOGNE, GERMANY - JANUARY 14: Simon Terodde #9 of FC Koeln, scorer of the winning goal celebrates with team mates after the game during the Bundesliga match between 1. FC Koeln and Borussia Moenchengladbach at RheinEnergieStadion on January 14, 2018 in Cologne, Germany. (Photo by Dean Mouhtaropoulos/Bongarts/Getty Images)

Foto: Dean Mouhtaropoulos/Bongarts/Getty Images

Denn spätestens mit der Vertragsverlängerung des Nationalspielers ist klar, dass der FC ein gutes Grundgerüst für die 2. Bundesliga haben wird. Marco Höger, Simon Terodde, Vincent Koziello, Salih Özcan und Jonas Hector werden dem Verein also auf jeden Fall treu bleiben und versuchen, beim Projekt Wiederaufstieg zu helfen. Eine starke Basis für eine Mannschaft im Unterhaus.

Verbleib als Zeichen an die Mitspieler?

Die Vertragsverlängerung von Hector könnte aber auch ein Zeichen an seine Mitspieler sein. Auch Timo Horn und Leonardo Bittencourt könnten folgen, wenn sogar ein Stammspieler der deutschen Nationalmannschaft mit in Zweite Liga geht.

>>> Remis gegen Schalke: Erst Kampf, dann Tränen beim 1. FC Köln

Die erste Hälfte gegen Schalke hat natürlich dennoch gezeigt, dass es spielerisch einige Defizite beim effzeh gibt. Doch gleichzeitig hat die zweite Hälfte auch gezeigt, dass diese Mannschaft kein normaler Absteiger ist. Sie kämpfte sich gegen die momentan zweitbeste Mannschaft Deutschlands zurück und ergatterte immerhin noch einen Punkt. Auch der Trainer Stefan Ruthenbeck sah das ähnlich: „Die Mannschaft identifiziert sich mit dem Verein zu 100 Prozent. Wir haben bis zur letzten Sekunde alles gegeben, das haben die Fans honoriert. Wir haben keine Söldner-Truppe.“

https://twitter.com/MarcoHoeger/status/988449036767236096

Beim letzten Abstieg 2012 war dies noch anders. Ein Großteil Mannschaft identifizierte sich nicht mit dem Verein und die Fans nicht mit den Spielern. Selten verlief ein Abstieg in der internationalen Fußball-Historie in der Beziehung zwischen Fans und Spielern so harmonisch wie der des 1. FC Köln 2017/18.

Das hat sich schließlich nicht nur am Sonntagabend, sondern auch am Montagmittag gezeigt. Marco Höger und Jonas Hector haben den ersten Schritt zum Kölner Neuanfang gemacht. Andere Spieler könnten demnächst folgen. Bei einem Verein, wo zumindest Spieler und Fans wohl doch spürbar anders sind.

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1 Kommentar

  1. Also ich bin schon seit 50 Jahren FC Fan und habe schon einiges seitdem mit dem FC erlebt, aber dass jetzt einige
    wichtige Spieler auch bei Abstieg bleiben wollen ja sogar Jonas Hektor und vielleicht sogar Horn dass ist
    einfach klasse und zeigt was für ein toller Verein der FC ist, es gibt halt doch noch Spieler mit Charakter.
    Wir kommen wieder und werden es Allen zeigen.