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Nachspiel

Dreimol Null es Null bliev Null

0:0 gegen Paderborn – wieder zuhause, wieder kein Tor, wieder kein Sieg: Das Müngersdorfer Stadion entwickelt sich zunehmend zur Folterkammer.

Foto: Dirk Unschuld
Foto: Dirk Unschuld

Foto: Dirk Unschuld

Un da hammer widder hin un her üvverlaat
un han för die FC-Fans jesaht:
Nä, nä dat wesse mer nit mih, janz bestemp nit mih
un dat hammer nit studeet.
Denn mer wore beim Stögers Pitter en d’r Klass
un do hammer sujet nit jelihrt.

Der effzeh ist schon ein echter Fuchs: Wenn es schon Richtung Fastelovend geht, dann muss auch der passende Song zu unseren Heimspielen her. Auch gegen den SC Paderborn kommt die Stöger-Elf nicht über ein 0:0 hinaus, bereits das dritte torlose Remis in Serie vor den eigenen Fans. Und mir erscheint während all der Langeweile und dem spielerischen Grausen, der mich erfasst, eine karnevalistische Vision.

Im Müngersdorfer Stadion spielen die Paveier ihren Sessionshit „Beinah, beinah hätt‘ ich den jemaat“, die Fans liegen sich schunkelnd in den Armen. Von draußen erklingt Brings, die das letzte Tor auf dem heiligen Grün besingen („Nä, nä, wat wor dat denn fröher en Superjeilezick“), während die Höhner flehend vor dem Geißbockheim stehen und eine neue Version von „Kumm loß mer fiere“ intonieren. Jetzt ernsthaft: „Oh leever Jott, jev uns Tore“ – es wird wirklich wieder Zeit für „et Trömmelche“.

Ausgangslage

Es war alles angerichtet: 112 Tage nach dem letzten Heimsieg (2:1 gegen Borussia Dortmund) kam der wohl derzeit formschwächste Kontrahent im Kampf um den Klassenerhalt ins Müngersdorfer Stadion. Ein Sieg gegen den SC Paderborn – und der effzeh hätte sich erst einmal aller Sorgen nach unten erledigt. Wäre da nur nicht die galoppierende Heimschwäche, die bereits gegen Stuttgart die Köpfe und Körper unserer Spieler lähmte.

Die Gäste aus Ostwestfalen dagegen schienen zuletzt wie ein Stein zu fallen: Neun Spiele ohne Sieg, nach der Winterpause zwei böse Schlappen in Mainz (0:5) und gegen den HSV (0:3). Die Aufstiegseuphorie war bei den Paderbornern endgültig verpufft, jetzt ist beim Sensationsteam des vergangenen Jahres knallharter Abstiegskampf angesagt. Eine Ausgangslage, die den effzeh-Fans für das Duell keine Hoffnung auf ein Fußballfest machte.

Personal

Peter Stöger tauschte nach dem schwachen Offensivauftritt gegen Stuttgart zweifach: Wenig überraschend: Bard Finne wurde nach seinem belebenden Kurzauftritt in die Startelf befördert, mit Anthony Ujah bildete der junge Norweger das Sturm-Duo. Deutlich überraschender: Marcel Risse, gegen den HSV vor einer Woche noch Doppeltorschütze, musste für Finne auf die Bank. Dort fand sich auch Slawomir Peszko wieder, für ihn begann Dusan Svento auf außen. Yannick Gerhardt, den viele in der Anfangsformation erwartet hatten, fehlte komplett – ein grippaler Infekt zwang den Youngster in die Knie.

Foto: Dirk Unschuld

Foto: Dirk Unschuld

Der Gast aus Ostwestfalen nahm sogar drei Änderungen in der Startelf vor: Michael Heinloth und Rafa Lopez rückten für Jens Wemmer und Patrick Ziegler ins Team. Neuzugang Srdjan Lakic blieb zunächst nur der Platz auf der Bank, effzeh-Schreck Alban Meha, der in der vergangenen Saison den Siegtreffer im Müngersdorfer Stadion erzielte, durfte für ihn starten.

Spielverlauf

Im Gegensatz zum Stuttgart-Spiel schien die Stöger-Elf gut aus den Startlöchern zu kommen. Mehrfach holten das Team Ecken und Freistößen, konnten damit aber völlig überraschend nichts anfangen. Der Höhepunkt unserer Armut beim ruhenden Ball: Gleich die ersten beiden Ecken, die Daniel Halfar schlug, kamen am ersten Pfosten herunter. Es verwunderte daher wirklich, dass die erste Kölner Chance aus einem Eckstoß resultierte: Dominic Maroh verpasste per Kopf nur knapp (17.). Nur zwei Minuten später zögerte Pawel Olkowski zu lange mit dem Schuss, die Paderborner Abwehr konnte mit vereinten Mitteln klären.

Der polnische Außenverteidiger stand auch beim nächsten Aufreger im Fokus: Nach einer halben Stunde wurde er von Gästekapitän Uwe Hünemeier unsanft im Strafraum umgecheckt, Schiedsrichter Dingert zeigte allerdings zurecht nicht auf den Punkt (31.). Ansonsten bot sich das gewohnte Bild in Müngersdorf: Dem FC wollte in der Offensive nicht viel einfallen, stand aber in der Defensive bombensicher. Torchancen waren wieder einmal Mangelware, es entwickelte sich ein unfassbar müder Kick.

Als sich die Zuschauer schon mit dem torlosen Remis zur Pause abgefunden hatten, bot sich dem effzeh die große Möglichkeit zur Führung. Im Anschluss an eine Paderborner Ecke konterte der FC über Kevin Vogt, der Bard Finne perfekt in Szene setzte. Der junge Norweger zog allerdings im Duell gegen Gäste-Torwart Lukas Kruse den Kürzeren (45.). So stand trotz 6:2-Ecken für die „Geißböcke“ nach 45 Minuten erneut nur ein 0:0 auf der Anzeigetafel.

Foto: Rote Böcke

Foto: Rote Böcke

Der Seitenwechsel tat besonders den Paderbornern gut, die sich nach dem Wiederanpfiff erstmals offensiv zeigten. Heinloths Schuss strich nur knapp über Horns Kasten (47.). Welche Klasse der Kölner Schlussmann besitzt, zeigte er fünf Minuten später. Mit einem Wahnsinnsreflex bewahrte der 21-Jährige die “Geißböcke” gegen Paderborns Kachunga vor einem Rückstand (52.). Peter Stöger hatte genug gesehen und brachte Marcel Risse und Yuya Osako für Ujah und Finne.

Turbulent wurde es erst wieder in der 68. Minute: Bei einer umstrittenen Ecke für die Gäste musste Horn erneut alles aufbieten, um das 0:1 zu verhindern. Der FC nutzte die Abwehraktion zum Konter, aber Vogt vergab freistehend vor Kruse. Die Kölner hatten nun in Chancen im Sekundentakt: Erst wurde “Joker” Yuya Osako beim Abschluss noch entscheidend gestört (69.), dann verzogen der ebenfalls eingewechselte Marcel Risse und Daniel Halfar (70.).

Angepeitscht von ihren lautstarken Anhängern drängten die “Geißböcke” die Gäste in die Defensive, fanden aber wie so oft nicht das passende Mittel gegen einen tiefstehenden Gegner. Trotz verzweifelt angreifender Kölner brachte Paderborn das 0:0 geschickt über die Zeit und konnte sich bei Keeper Kruse für den Punkt bedanken, der gegen den eingewechselten Nagasawa hervorragend parierte (89.).

Spieler im Fokus

Timo Horn Wie wichtig der Torwart für den effzeh ist, bewies er wieder par excellence. In den kritischen Situationen war Horn zur Stelle, parierte Kachungas Direktabnahme ebenso wie Mehas Trick-Eckball. Dazu endlich mit schneller Spieleröffnung, die seine Mitspieler aber nur selten nutzen konnten.

Dominic Maroh Der Innenverteidiger war – neben Matthias Lehmann – einer derjenigen, dessen Erstliga-Qualitäten am lautesten bezweifelt wurden. Warum er bis 2018 für den FC die Knochen hinhalten darf, offenbarte sich am Samstag. Zweikampfstark, umsichtig und grundsolide hielt er hinten den Laden zusammen und hatte sogar Zeit für ein kurzen Anpfiff an seinen Nebenmann Kevin Wimmer.

Dusan Svento Erscheint das übliche Kölner Schicksal erlitten zu haben. Nach guten Start, der Lust auf mehr machte, ist der Slowake mittlerweile eine der Schwachpunkte im Team. Setzte sich auch gestern nur selten in Szene und ließ defensiv erneut Riesenlücken. In dieser Verfassung kein Startelf-Kandidat.

Bard Finne Der junge Norweger zeigte wieder einmal, dass er ein Versprechen für die Zukunft ist. Braucht aber definitiv noch Zeit, körperlich wie spielerisch momentan noch nicht in Bundesliga-Verfassung. Erarbeit sich aber stets Chancen – eine Qualität, die aber nicht viel bringt, wenn er sie so kläglich vergibt wie kurz vor der Pause.

Foto: Dirk Unschuld

Foto: Dirk Unschuld

Fazit

Die gute Nachricht zuerst: Der effzeh ist ungeschlagen durch die „Woche der Wahrheit“ gekommen. Kurios: Die Bilanz der ersten drei Rückrundenspiele (ein Sieg, zwei Remis, 2:0 Tore) ist exakt dieselbe wie die des Saisonstarts. Sollte es am Ende der Saison ähnlich aussehen, dürfte mit 38 Punkten der Klassenerhalt gesichert sein. Die Abwehr steht spätestens seit der Rückkehr von Dominic Maroh wieder bombenfest. In den letzten fünf Spielen blieb der effzeh viermal ohne Gegentreffer.

Die schlechte Nachricht ist aber: Es war mehr drin. Paderborn wirkte angeknockt, unsicher und spielerisch schwach. Dass wir das vor eigenem Publikum nicht nutzen können, ist zwar (noch?) nicht dramatisch, könnte uns aber am Ende der Spielzeit auf die Füße fallen. Denn: Es ist nicht klar, ob wir auswärts weiterhin so überragend punkten. Der Stimmung rund um den Verein tut die derzeitige Situation jedenfalls nicht sonderlich gut. Aber: Steht am Ende der gewünschte Klassenerhalt zu Buche, dürfte das besonders Peter Stöger herzlich egal sein. Genug Arbeit wartet aber auf ihn: Standards, Laufwege, Passspiel & Chancenverwertung – Luft nach oben ist in jeder Kategorie des Offensivspiels!

Die Statistik des Spiels:

1. FC Köln: Horn – Olkowski, Maroh, Wimmer, Hector – Lehmann, Vogt – Halfar, Svento (72. Nagasawa) – Finne (57. Risse) , Ujah (57. Osako)

SC Paderborn: Kruse – Heinloth, Rafa Lopez, Hünemeyer, Brückner – Meha (Pepic 85.), Rupp, Bakalorz, Stoppelkamp – Koc (72. Wemmer) – Kachunga (77. Lakic)

Tore:

Gelbe Karten: Meha (55.), Lehmann (79.)

Schiedsrichter: Christian Dingert (Lebecksmühle)

Zuschauer: 49.500

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