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Meinung

Die Wiedervereinigung? Ein Fehler!

Präsident Werner Spinner will den Verein vereinen – dazu gehört auch eine Aussöhnung mit Wolfgang Overath. Dieser zeigt sich genauso ignorant, uneinsichtig und stur wie immer. Ein Kommentar.

Best Buddies: Overath und Schumacher (Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)

Es ist ja in gewisser Weise schon grotesk: fragt man jüngere Generationen von effzeh-Fans nach ihrer Meinung zum ehemaligen Präsidenten Wolfgang Overath, wird dies meist mit einem Kopfschütteln über die siebenjährige Ägide als effzeh-Präsident quittiert, in der sich der Verein sportlich und wirtschaftlich fast zu Grunde richtete. Ältere Generationen assoziieren mit Overath immer noch die wirklich glorreichen Zeiten des 1. FC Köln, in denen der Linksfuß im Mittelfeld den Takt angab. Seit dem Rücktritt als Präsident im Jahr 2011 haben sich auch zwischen Verein und einstiger Galionsfigur tiefe Gräben aufgetan, obwohl mittlerweile eine Politik der Annäherung durch kleine Schritte betrieben wird. Unser Kommentar nimmt Stellung zu einer möglichen Versöhnung zwischen beiden Seiten.

Schon während seiner Spielerkarriere ließ Wolfgang Overath keinen Zweifel daran, dass er der Chef beim effzeh ist. Erst Hennes Weisweiler setzte 1977 nicht mehr auf die Lichtgestalt Overath, woraufhin dieser beleidigt als Spieler zurücktrat. Als Präsident verhielt sich der heute 72-jährige nicht anders. In seiner Wahrnehmung war ihm nie jemand gewachsen, weder in punkto Kompetenz noch hinsichtlich seiner Personalentscheidungen. Die Fehler wurden stets von anderen begangen. Und im Rückblick gab es sowieso keine. Im Gegenteil, angeblich sei eine gute Basis für die Nachfolger vorhanden gewesen.

Eine sachliche Widerlegung der abenteuerlichen Thesen Overaths ist nicht nur überflüssig, sondern wäre in Bezug auf ihn auch zwecklos. Die Peinlichkeiten und Possen, in die er involviert war, füllen ganze DuMont-Galerien, die mittlerweile nur lachend angeschaut werden können, weil diese Zeiten vorbei sind. [perfectpullquote align="left" cite="" link="" color="" class="" size=""]Hinter den patzigen Andeutungen offenbart sich das Weltbild des 81-fachen Nationalspielers: in Overaths Wahrnehmung gibt es nur Freunde und Feinde. [/perfectpullquote]

[/perfectpullquote]te hier der geplatzte Zyperndeal dar, für die sich jeder aufrichtige Mensch heute noch schämen würde. Die Bilanzen der Geschäftsjahre, die Finanzjonglierkünste, die unter seiner Führung beschlossen wurden – Overath scheint das alles vergessen zu haben. Den desaströsen Zustand, in dem Overath den Verein mit der Hypothek Franz-Josef Wernze, damals noch auf Wunsch des 72-jährigen in den Verwaltungsrat gewählt, hinterließ, bezeichnete Nachfolger Werner Spinner 2012 völlig zutreffend als Bananenrepublik.

Übertroffen wird Overaths desaströse Hinterlassenschaft nur von seinen Umgangsformen. Als 1317 Mitglieder dem Vorstand 2011 auf der Mitgliederversammlung die Entlastung verweigerten, wäre es spätestens angebracht gewesen, Einsicht zu zeigen und das eigene Handeln zu hinterfragen. Overath hingegen polterte in Richtung der Mitglieder, wann er zurücktrete, bestimme er „und nicht eine Gruppe von Chaoten“. Der beleidigte Rückzug, für den er 2012 „den mit den Haaren“ verantwortlich machte anstatt sich selber, ohne die Gremien vorab zu informieren, machte dann für jeden offensichtlich, dass der effzeh für Overath lediglich einen Wurmfortsatz des eigenen Egos darstellte. Er war für alles verantwortlich, aber an nichts schuld.

Diese Geisteshaltung offenbart Overath auch gegenwärtig. In Interviews mit dem Express und der Rundschau übergoss er sich selbst mit Lob und sprach über angebliche Fehler, ohne diese jedoch zu benennen. Stattdessen beklagte er „Politik“, die angeblich gegen ihn gemacht wurde – natürlich wurde er auch dabei nicht konkret. Hinter den patzigen Andeutungen offenbart sich das Weltbild des 81-fachen Nationalspielers: in Overaths Wahrnehmung gibt es nur Freunde und Feinde. Als vor einigen Tagen seine Biografie vorgestellt wurde, waren seine Freunde um ihn versammelt, Kalli Thielen, Toni Schumacher, Wolfgang Weber und andere. Stefan Müller-Römer, der in Overaths Welt als Feind gilt, war nicht anwesend. Über ihn existieren jedoch einige Seiten im präsentierten Buch. Mit dem Vorsitzenden des Mitgliederrates hat der Autor Hermann Schmidt jedoch nicht darüber gesprochen. Die Loyalität zu Wolfgang Overath verbiete es ihm, „mit diesem Herrn“ zu reden.

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Weshalb der effzeh derzeit auf einen Kuschelkurs mit Overath eingeschwenkt ist, ist nicht nachvollziehbar. Der Ex-Präsident schafft es bis heute nicht, offensichtliche Fehler zuzugeben und sich für sein mehrfach gezeigtes unverschämtes Verhalten zu entschuldigen. Der effzeh honoriert dies, indem er Overath medial den roten Teppich ausrollt und Rosen vor die Füße wirft. Damit stellt er seine eigene Glaubwürdigkeit in zweierlei Hinsicht in Frage: einerseits müsste er absurde inhaltliche Umschwünge in der Öffentlichkeit hinlegen, um Overath zufrieden zu stellen; andererseits würde es dem Ziel, den Verein zu vereinen, elementar widersprechen, ausgerechnet den größten Spaltpilz der jüngeren Vereinsgeschichte wieder ins Stadion zu holen, der dem Verein als Präsident so massiv schadete wie niemand zuvor. Vereint und erfolgreich wurde der effzeh erst, nachdem Overath abgetreten ist. Geschichte scheint sich gelegentlich eben doch zu wiederholen.

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