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Die Nummer zwei am Nil seid ihr!

Bayer 04 Leverkusen freut sich über eine neue Flut von Facebook-Followern. Doch wie viel Grund zur Freude haben die Vorstädter überhaupt? Ein Kommentar.

Nur 22 Prozent der Bayer-Fans kommen aus Deutschland.

Nur 22 Prozent der Bayer-Fans kommen aus Deutschland.

Gut, das muss man ihnen ja lassen. Der Facebook-Post war wirklich vorsichtig formuliert. Geradezu zaghaft, als würde man eine Kuh über eine Eisfläche führen, zurückhaltend und dennoch auch ziemlich dreist. „In der Rangliste der Fußball-Klubs auf Facebook hat Bayer 04 den Nachbarn 1. FC Köln zum Ausklang des Jahres überholt….“, schreibt das Social-Media-Team aus der Vorstadt bei Facebook. Und verlinkt auf einen Artikel, der mit der schönen Überschrift: „Auch auf Facebook die Nummer 1 am Rhein“ aufwartet. Mal ehrlich: Dass die Jungs dort statt eines Ausrufezeichens diese vorsichtigen Pünktchen hingesetzt haben, das ist doch schon ein erstes Indiz dafür, dass man sich selbst nicht sicher war, ob man diesen Spruch wirklich raushauen sollte. Und soviel vorweg: Nein, sollte man nicht. Zumindest nicht, wenn man Bayer 04 Leverkusen heisst.

Wären wir jetzt nämlich kleinlich, könnten wir ja erst einmal darüber nachdenken, wieviel „Fußballklub“ denn tatsächlich im „Werksverein“ steckt. Aber wir sind ja nicht kleinlich.

Deshalb richten wir die Aufmerksamkeit auf die Reaktionen: „Bayer ist der geilste Club der Welt“, jubelt ein Anhänger des TSV unter dem Facebookpost. Ein anderer stellt fest: „Sagen wir mal so, dem FC seine beste Zeit ist einfach vorbei. Mal schaun, ob da wieder was kommt. Das müssen die FC-Fans einfach mal akzeptieren – Facebook lügt nicht“. Dem Fan seine Worte akzeptieren wir natürlich gerne. Aber wie bitte? Facebook lügt nicht?

Na, wenn man sich auf die absolute Zahl der Follower beschränkt, dann mag das ja stimmen. Ob man aber daraus überhaupt irgendetwas ableiten kann? Zweifelhaft. Und so dauerte es auch nicht lange bis die ersten Effzeh-Fans ihrerseits Recherchen begannen, wie das denn nun passieren konnte, dass die „Pillen“ tatsächlich die Geißböcke überholen konnten.

Die ersten Ergebnisse ließen nicht lange auf sich warten: Wie man den Statistiken der Bayer-04-Facebookseite entnehmen kann, sind die meisten Follower der Seite keine Leverkusener. Das mag zunächst einmal nicht überraschen, ist Leverkusen doch ein vergleichsweise kleines Städtchen. Circa 160.000 Menschen leben dort, das sind ungefähr 60.000 mehr als in Kaiserslautern. Sinsheim hat übrigens gerade einmal 35.000 Einwohner. Doch beide Städte in der Pfalz unterscheidet etwas von Leverkusen: Die meisten Facebook-Fans der dazugehörigen Fußballvereine kommen aus der eigenen Stadt. FCK-Follower kommen hauptsächlich aus Kaiserslautern. Und 1899-Follower kommen hauptsächlich aus Heidelberg, das nur wenige Kilometer entfernt liegt. Doch die populärste Stadt unter den Leverkusen-Followern ist: Kairo. In Ägypten. Merkwürdig.

Interessant ist auch, dass die Followerzahlen beim TSV vor allem in den letzten zwei, drei Monaten nach oben geschnellt sind. Insgesamt kommen nur 22 Prozent der Gefällt-mir-Klicker überhaupt aus Deutschland. Beim Effzeh ist die meistvertretene Stadt übrigens Köln und rund 68% der Fans kommen aus Deutschland.

„Fakt ist, dass wir vor allem seit Beginn der Champions League und den Spielen gegen Manchester United großen Zulauf haben“, entgegnet Bayer-Kommunikationschef Meinolf Sprink den spöttischen Kommentaren, die den Verdacht äußern, Bayer würde sich die Likes kaufen. Das 0:5-Heimdebakel gegen Manchester hat offenbar viele ägyptische Herzen erweicht. Doch selbst wenn wir gutmütig – wie wir es sind – glauben, dass Herr Sprink die Wahrheit sagt: Die Nummer 1 am Rhein? Leverkusen?

Klar, der TSV ist Zweiter in der ersten und der Effzeh Erster in der zweiten Bundesliga. Rein sportlich ist Bayer also momentan vorne. Aber definiert sich dadurch der Status des rheinländischen Klassenprimus?

68 Prozent der Fans kommen beim Effzeh aus Deutschland.

68 Prozent der Fans kommen beim Effzeh aus Deutschland.

Wie passend, das noch heute in den Medien zu lesen war, dass der 1. FC Köln in Sachen Besucherzahlen auf dem 18. Platz gelandet ist. Nein, nicht in Deutschland. Auch nicht in Ägypten. Sondern: weltweit. Bayer 04 bleibt in dieser Statistik unter ferner liefen. Also was echte, reale Fans angeht kassieren die Leverkusener hier schon einmal eine herbe Schlappe. Aber vielleicht sind sie ja sport-historisch vorne? Nein, auch nicht. Köln hat drei Meisterschaften auf der Habenseite, Bayer 04 keine einzige. Und bei den Mitgliederzahlen vielleicht endlich mal ein Punkt für die Vorstadt? Leverkusen verlangt für die Mitgliedschaft rund 35 Euro pro Jahr – momentan hat der Verein rund 26.000 zahlende Mitglieder. Bei den Kölnern kostet der Spaß mit 92 Euro jährlich dann doch deutlich mehr. Doch mit 55.000 Mitgliedern sind auch mehr als doppelt so viele Menschen bereit, den doppelten Preis zu bezahlen. Auch hier also eine klare Niederlage für Bayer 04.

Immerhin: In Ägypten hat Leverkusen mit fast 20.000 Fans die Nase deutlich vorne. Der Effzeh kommt hier nur auf mickrige 4.600 Follower. Doch nicht vergessen: Mit 22 Prozent kommen nur rund 80.000 der Bayer-Fans aus Deutschland. Der 1. FC Köln kommt in Deutschland allerdings auf rund 270.000 Fans. Tja, Bayer. Das war wohl nichts.

Als Trostpreis könnten sich die Leverkusener aber immerhin auf die Facebook-Seite schreiben: „Die Nummer eins am Nil sind wir!“ Oder? Nein. Nicht einmal das: Der Fußball-Klub Al Ahly Kairo hat über 1,8 Millionen Fans bei Facebook.

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