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Seit zwei Wochen ist die Bundesliga zurück aus der Winterpause, doch für Begeisterungsstürme bei den Zuschauern sorgt das nicht. Im Gegenteil: Vielerorts bleiben in den Stadien Plätze frei.

In 30 Sekunden kann viel passieren: Man kann beispielsweise die Entscheidung in einem Derby erzwingen. Man kann das Wasser für einen Tee heiß machen. Oder aber: Man kann in 30 Sekunden darum betteln, die letzten Heimkarten für ein Duell in der Bundesliga verkaufen. So geschehen bei Eintracht Frankfurt, bei denen Abwehrspieler Danny da Costa wenige Tage vor dem Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach dazu aufruft, sich die verbleibenden Tickets für die Begegnung zu sichern.

Es ist kein Einzelfall: In Mainz (25.736 Zuschauer gegen Stuttgart blieben am vergangenen Spieltag ähnlich viele Plätze frei wie in Mönchengladbach (41.000 Zuschauer gegen Augsburg), Hertha BSC buhlte für sein sonst stets (fast) ausverkauftes Heimspiel gegen Borussia Dortmund via Groupon um Besucher. Sogar beim Derby der rheinischen Rivalen aus Köln und Mönchengladbach, für gewöhnlich ein Selbstläufer an der Vorverkaufskasse, gingen erst am Spieltag die letzten Tickets über den Tresen. Von Publikumsmagneten wie Wolfsburg, Hoffenheim, Leverkusen oder Leipzig fangen wir an dieser Stelle erst gar nicht an.

Platzt die Fußball-Blase in der Bundesliga?

Es ist mittlerweile offensichtlich, was sich in den vergangenen Monaten andeutete: Der Bundesliga-Boom in Sachen Zuschauer ist zu Ende. Wo Stadien sich in den letzten Spielzeiten nahezu von allein füllten, zeigen sich an vielen Standorten mittlerweile Abnutzungserscheinungen. Es scheint, als breche in Deutschlands höchster Fußballklasse auch auf den Tribünen ein neues Zeitalter an – nach den Rekordjahren mit ausverkauften Stadien ist der Aufwärtstrend zum Erliegen gekommen und sorgt nicht nur bei den Verantwortlichen für verwunderte Blicke. Und es ist kein Problem, das allein die Bundesliga trifft: Auch die Nationalmannschaft, des Deutschen liebstes Kind, hat einen Zuschauerschwund zu verzeichnen.

Die Gründe für das abflauende Interesse sind so mannigfaltig wie die Vereine in der Bundesliga: Sportliche Talfahrten (ob kurzfristig wie in Köln oder dauerhaft wie beim HSV) spielen ebenso eine Rolle wie die Probleme zwischen Verein und Fans oder fehlende Identifikation mit aktuellen Entwicklungen. Doch einige Themen stechen bei Debatten über mangelnden Zuspruch des Publikums heraus: Die aufgerufenen Preise für Karten schlagen vielen Fans zunehmend auf den Magen, ein Besuch im Stadion mit der Holden oder gar der ganzen Familie stellt für viele eine kostspielige Angelegenheit dar. Wenig verwunderlich sind es auch beim effzeh immer wieder die Tickets auf der West- oder Osttribüne, die noch lange verfügbar sind.

Fußball populär und omnipräsent wie nie

Dazu kommt: Zwölf Jahre nach der WM in Deutschland ist Fußball zwar populär wie nie zuvor, allerdings auch quer durch alle Medien omnipräsent. Ein Besuch im Stadion ist für viele nichts Besonderes mehr, darüber hinaus ist das Erlebnis am TV mittlerweile vielen derart vertraut, dass sich so manch ein Anhänger die Probleme bei der Anreise gerne erspart. Auch sind viele mittlerweile des „modernen Fußballs“ überdrüssig: All das Rahmenprogramm von Sponsoren für jeden Einwurf über als Bundesliga-Teilnehmer getarnte Marketing-Vehikel bis hin zu fanfeindlichen Ansetzungen hat einige desillusionierte Anhänger zurückgelassen.

Wenn wir wettbewerbsfähig sein wollen, müssen wir uns zu einem gewissen Maß an Kommerz bekennen. Sich waschen ohne nass werden zu wollen, ist zwar eine deutsche Spezial-Disziplin, sie funktioniert aber nicht einmal mehr im Fußball!

Das Rad dürfte sich allerdings angesichts der globalen Entwicklung im Fußball nicht langsamer drehen, selbst wenn dabei einige hinausgeschleudert werden. „Wenn wir wettbewerbsfähig sein wollen, müssen wir uns zu einem gewissen Maß an Kommerz bekennen. Sich waschen ohne nass werden zu wollen, ist zwar eine deutsche Spezial-Disziplin, sie funktioniert aber nicht einmal mehr im Fußball“, betonte DFL-Boss Christian Seifert in seiner Neujahrsansprache. Es ist der Ritt auf der Rasierklinge, den aktuell viele Bundesligisten zu bewältigen versuchen: Auf der einen Seite die treue Stammkundschaft bei Laune halten, auf der anderen neue Märkte erobern und neue Einnahmequellen erschließen. Kein leichter Ritt!

We don’t like mondays!

Derzeit wirkt es nicht nur auf den ersten Blick, als sei diese Aufgabe zum Scheitern verurteilt. Eine Lösung für die Problematik scheint auch nicht in Sicht, denn dass der Geldbedarf des Profifußballs in der nächsten Zeit sinken wird, glaubt wohl nur das Naivste unter den Anhängern eines Bundesliga-Clubs. Erste Vorboten dieser Entwicklung warten in der Rückrunde auch auf die effzeh-Fans: Beim Spiel in Bremen wird es das erste Montagsspiel für die „Geißböcke“ in dieser Saison geben. Aus Zweitligazeiten sind die Kölner das zwar gewohnt, doch in der Beletage des deutschen Fußballs kommt das etwas unvermittelt daher. Solche Ansetzungen freuen die TV-Konsumenten, in die Stadien treibt es die Fans vermutlich eher nicht.

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