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Analyse

Punkteteilung in Stuttgart: Ein Zupfer holt den 1. FC Köln zurück ins Spiel

Einer schwierigen Anfangsphase folgt eine Leistungssteigerung: Der 1. FC Köln verdient sich in Stuttgart einen Punkt, muss allerdings weiter auf den ersten Saisonsieg warten.

Foto: Ronald Wittek - Pool/Getty Images

Nach dem 1:1-Unentschieden gegen Eintracht Frankfurt gelingt dem 1. FC Köln der nächste Punktgewinn: Zum Auftakt des 5. Spieltags trennen sich die „Geißböcke“ wieder mit einem 1:1 vom Gegner, der dieses Mal der Aufsteiger VfB Stuttgart war. Nach einem frühen Gegentreffer durch Orel Mangala hatte das Team von Markus Gisdol große Probleme, ins Spiel zu finden – ein früher Wechsel und ein aus Stuttgarter Sicht überflüssiges Foul von Atakan Karazor brachten den FC danach aber wieder in die Spur. Im späteren Verlauf der Partie hätten die Gäste das Spiel durchaus für sich entscheiden können, im Abschluss fehlte allerdings die notwendige Ruhe.

Trainer Gisdol hatte seine Mannschaft ohne Veränderung in der Startelf ins Rennen geschickt. Der unter der Woche noch kranke Abwehrspieler Rafael Czichos spielte ebenso wie Elvis Rexhbecaj, der in den vergangenen Spielen ein wenig unter seinen Möglichkeiten geblieben war. Auf der rechten Seite begann Kingsley Ehizibue hinter Marius Wolf.

Wie häufiger zuletzt: Der 1. FC Köln verschläft die Anfangsphase

Wie so oft in der jüngeren Vergangenheit begann das Spiel mit einem Rückstand des 1. FC Köln: Ohne auch nur einmal den Ball berührt zu haben, stand es bereits 1:0 für den Aufsteiger aus Stuttgart. Direkt nach dem Anpfiff versuchten die Kölner Offensivspieler früh zu pressen, Karazor überspielte mit einem guten Pass die erste Verteidigungslinie des FC und fand Gonzalo Castro. Der erfahrene Spielmacher konnte mit einem guten ersten Kontakt nach vorne aufdrehen, ließ so Ellyes Skhiri hinter sich, der den Raum nicht rechtzeitig schließen konnte. Castro dribbelte an, verlagerte das Spiel dann auf die rechte Seite, von der aus Didavi in der Mitte Stuttgarts Zielspieler Kalajdzic fand. Der Österreicher legte den Ball auf Mangala ab, der traf direkt in den Winkel. 24 Sekunden waren gespielt, der FC hatte noch keinen Zweikampf geführt und Timo Horn musste schon den Ball aus dem Netz holen.

Fordert hier mehr Zugriff von seiner Mannschaft: FC-Coach Markus Gisdol | Foto: Ronald Wittek – Pool/Getty Images

Auf die ballführenden Spieler der Stuttgarter gab es keinen Druck, auch zu Kalajdzic, der mit Rücken zum Tor an der Strafraumgrenze stand (!), bestand kein Körperkontakt. Die Stuttgarter Steil-Klatsch-Variante trug bereits früh Früchte. Und auch in der Folge fand der FC nicht ins Spiel: ein Didavi-Freistoß klatschte an die Latte, direkt im Anschluss kam noch ein Stuttgarter zum Abschluss und die FC-Defensive hatte ihre Mühe, den Ball zu klären.

Mit Limnios kommt mehr Drang nach vorne

In den Folgeminuten zeigten sich weitere Muster, die für das Spiel prägend sein sollten: Die Heimmannschaft spielte immer wieder lange Bälle auf den zwei Meter großen Zielspieler Kalajdzic, der das Spielgerät ablegen und für Kombinationen sorgen sollte. Auch Castro bewegte sich immer wieder gut in den Halbräumen, war häufig eingebunden und versuchte, Offensivaktionen zu initiieren. Skhiri hatte viel Raum zu verteidigen, weil Rexhbecaj immer wieder im Pressing nach vorne stieß und damit die Ordnung auflöste. Die Frage ist, ob er das bewusst und auf Anweisung tat oder durch dieses Vorpreschen ein Zeichen an seine Mitspieler senden wollte.

Ehizibue sah nach einem zu späten Einsteigen bereits früh Gelb und hatte, wie Markus Gisdol nach der Partie in der Pressekonferenz bekannte, seine Mühe und Not, die Vorstöße des Stuttgarter Flügelverteidigers Tanguy Coulibaly zu verteidigen. Deswegen entschied sich der Kölner dazu, bereits nach etwas mehr als einer Viertelstunde mit Dimitrios Limnios einen neuen Spieler zu bringen. Marius Wolf rückte eine Position nach hinten, der Grieche übernahm die Position im rechten Mittelfeld. Mit der Einwechslung des Neuzugangs veränderte sich die Dynamik im Kölner Spiel: Ein weiterer offensiv denkender Akteur zusätzlich zu Sebastian Andersson, Ondrej Duda und Ismail Jakobs brachte die nötige Ballsicherheit, um die schwer erkämpften Bälle in den eigenen Reihen zu halten und durch ein Dribbling nach vorne einen Gegenspieler zu eliminieren.

Karazors unnötiges Foul bringt den FC zurück

Das Momentum änderte sich kurz darauf durch eine weitere Szene: Bornauw und Kempf stießen nach einem Eckball mit den Köpfen aneinander, woraufhin es eine längere Verletzungsunterbrechung gab. In der Folge schien der Stuttgarter Elan etwas abgeebbt, nach 23 Minuten bekam der FC dann endgültig einen Fuß in die Tür. Einem simplen Einwurf auf Andersson folgte ein Karazor-Foul am Schweden, der eigentlich nur den Ball hätte sichern können. Den anschließenden Strafstoß verwandelte der Neuzugang aus Berlin zum 1:1.

Glich für den 1. FC Köln aus: Sebastian Andersson | Foto: Ronald Wittek – Pool/Getty Images

Danach steigerte sich der FC und hatte durch Wolf auf neuer Position gute Impulse durch Tempoläufe und Flanken zu verzeichnen. Der FC drängte mehr nach vorne, der VfB musste dagegenhalten. Auch Duda fand nach eher zurückhaltender Anfangsphase besser ins Spiel und initiierte mehrere Offensivaktionen aus dem linken Halbraum. Köln kontrollierte die Partie nun etwas mehr, hatte aber auch Glück, dass Timo Horn kurz vor der Pause gegen Coulibaly im Eins-gegen-Eins retten konnte.

Steigerung in der zweiten Halbzeit

In der zweiten Halbzeit hatte der FC dann zu Beginn gleich die beste Phase der Partie: Duda passte auf Limnios, der Grieche bediente Andersson, der allerdings an Kobel scheiterte. Kurz darauf verpasste Jakobs eine Limnios-Flanke nur knapp. Der linke Mittelfeldspieler des FC scheint mittlerweile wieder physisch auf dem richtigen Level, nach dem ersten Einsatz gegen Frankfurt absolvierte er erneut die meisten Sprints auf Seiten des FC – auch wenn die Qualität seiner Flanken überschaubar blieb. Durch seine Dynamik und Stringenz nach vorne ist er ein ganz wichtiges Element im Spiel des 1. FC Köln.

Nach einer Stunde bereitete Jakobs durch einen klugen Rückpass eine weitere gute FC-Chance durch Rexhbecaj vor, dessen Schuss allerdings knapp vorbeiging. In den letzten 25 bis 30 Minuten öffnete sich die Partie ein wenig, beide Mannschaften überbrückten das Mittelfeld schneller. Stuttgart versuchte, durch Joker wie Nicolas Gonzalez das Momentum auf seine Seite zu ziehen, der FC verteidigte aber wesentlicher konzentrierter als zu Beginn der Partie. Einzig ein Kopfball des erneut sehr präsenten und lautstarken Bornauw in der Nachspielzeit beschwor aus Kölner Sicht noch etwas Torgefahr herauf, ansonsten blieb es aber vor den Toren ungefährlich.

Zweiter Punktgewinn hintereinander und sichtbar ansteigende Formkurven bei einigen Spielern – insgesamt ist der Auftritt der Kölner in Stuttgart dann wohl doch positiv zu bewerten. Wenn da nicht die Anfangsphase gewesen wäre. In dieser Saison gelingt des dem FC bislang nicht, über eine Stunde Spielzeit oder länger aggressiv und konzentriert zu spielen, sodass es immer Phasen gibt, die die Gegner ausnutzen können. Beim Spiel gegen den FC Bayern München in der kommenden Woche wird wohl auch eher nur die Leistung im Vordergrund stehen, denn alles andere außer eine Niederlage wäre eine Überraschung.

Der Entwicklungsprozess der Mannschaft läuft, aber er läuft langsam. Und in der Bundesliga hat niemand zu viel Zeit.

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