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Analyse

1:0-Sieg gegen Bremen: Der 1. FC Köln hat sich weiterentwickelt

Drei Spiele, drei Siege: Gegen Ende der Hinrunde zeigt der 1. FC Köln, dass er in der Liga angekommen ist. Gegen Bremen mussten die „Geißböcke“ eine spezielle Aufgabe lösen.

COLOGNE, GERMANY - DECEMBER 21: Sebastiaan Bornauw and Jhon Cordoba of 1. FC Koeln celebrate after the Bundesliga match between 1. FC Koeln and SV Werder Bremen at RheinEnergieStadion on December 21, 2019 in Cologne, Germany. (Photo by Jörg Schüler/Bongarts/Getty Images)

Hinter dem 1. FC Köln liegt eine fußballerisch perfekte Woche: Aus den Spielen gegen Leverkusen, Frankfurt und Bremen holt die Mannschaft von Markus Gisdol alle neun Punkte, damit darf sie mit nunmehr 17 Zählern auf Rang 15 in der Bundesliga überwintern. Gegen Leverkusen und Frankfurt entschieden die „Geißböcke“ die Partien jeweils relativ spät, Hauptgründe waren wohl die Unterzahl der Leverkusener und die Müdigkeit der Frankfurter. Durch diese beiden Erfolge veränderte sich aber ein wenig die Ausgangslage vor dem Spiel gegen Werder. Der Gegner hatte seinerseits die letzten beiden Spiele mit einem Torverhältnis von 1:11 verloren und mit dem FC die Plätze in der Tabelle getauscht. Von daher war es für die Kölner eine in dieser Saison völlig neue Situation, als formstärkere Mannschaft in ein Heimspiel zu gehen – und dort vor fußballerisch andere Aufgaben gestellt zu werden.

Bremens Trainer Florian Kohlfeldt hatte im Vorfeld des Spiels in Müngersdorf eine „greifbare Verunsicherung“ bei seinem Team ausgemacht, auf die er mit ein paar taktischen Umstellungen reagierte. Er schickte seine Mannschaft mit einer eher defensiven Herangehensweise ins Spiel, die Maßgabe lautete, kompakt zu verteidigen und dann über Konter zum Erfolg zu kommen. Strukturell agierte Werder mit einer Fünferkette, bei dem Augustinsson und Maxi Eggestein über die Außen anschieben sollten. Im Mittelfeldzentrum spielten Davy Klaassen und Philipp Bargfrede. Das Trio in der Offensive bestand aus Benjamin Goller, Yuya Osako und Milot Rashica. Auf der Pressekonferenz nach dem Spiel gab Kohfeldt zu, dass diese Ausrichtung „nur für dieses Spiel“ gewählt wurde – in der Rückrunde wird man Bremen dann wohl wieder etwas offensiver erwarten können.

Neue Aufgabenstellung für den 1. FC Köln

Die Folge: Der 1. FC Köln hatte zum zweiten Mal (nach dem Heimspiel gegen Paderborn) in dieser Saison die Aufgabe zu lösen, gegen einen Gegner Torchancen herauszuspielen, der seinerseits weitestgehend auf Ballbesitz verzichtete und die Initiative der Heimmannschaft überließ. Im Gegensatz zu den vorherigen Partien war das schon ein gehöriger Stilbruch beim FC, der bisher in dieser Saison bis auf wenige Ausnahmen selten vor die Aufgabe gestellt wurde, das Spiel zu gestalten. Das lag natürlich einerseits an der Qualität der Gegner, andererseits aber auch an vorhandenen eigenen Schwächen: Gerade zu Beginn der Spielzeit offenbarte die Mannschaft Probleme darin, den Ball sicher aus der eigenen Hälfte in die Offensive zu transportieren. Gisdol erklärte später, dass er der Mannschaft mitgegeben habe, „geduldig“ zu spielen und auf eigene Chancen zu lauern.

Foto: Jörg Schüler/Bongarts/Getty Images

Ohne große personelle Überraschungen in der Startelf (Ehizibue übernahm wie erwartet für Schmitz) startete das Hinrundenfinale dann und es wurde sofort klar, welches Szenario sich entwickeln würde. In der Anfangsphase hatte der FC viel Ballbesitz und versuchte, konstruktiv und strukturiert nach vorne zu spielen. Interessant war dabei die Rolle von Dominick Drexler, der ähnlich wie in der zweiten Liga viel auf die Außen auswich und dort zum Teil sogar aus der eigenen Hälfte das Spiel aufbaute. Im Gegensatz zu vielen Spielen in dieser Saison verzichteten die beiden Sechser (Hector und Skhiri) darauf, im eigenen Ballbesitz nach hinten zwischen die beiden Innenverteidiger abzukippen. Dadurch ergeben sich automatisch mehr Passoptionen für die beiden Innenverteidiger.

Mit zunehmender Spieldauer kommt Bremen besser ins Spiel

Bremen formierte sich kompakt und im tiefen Block, mit Goller, Osako und Rashica liefen die drei Offensiven zum Teil auch nur halbherzig an. Deswegen ist es immer ein probates Mittel für die Innenverteidiger, einen langen Ball hinter die letzte Linie des Gegners zu spielen – wenn Timing der Einläufer und Qualität des Passes stimmen, ergibt sich daraus meistens eine Abschlussgelegenheit. Die Kompaktheit ist nämlich nichts wert, wenn der ballführende Spieler des Gegners nicht unter Druck gesetzt wird. In Folge einer ähnlichen Situation (einem Freistoß aus der eigenen Hälfte) entstand für den 1. FC Köln dann auch die größte Torchance nach elf Minuten, als Rafael Czichos einen gut getimten Pass hinter die Abwehr spielte, Jakobs im Abschluss allerdings ein wenig zu überhastet agierte.

Ansonsten aber gelang es den Gastgebern, bei eigenem Ballverlust oftmals den Konter zu unterbinden. Das Gegenpressing funktionierte gut, Drexler und Jakobs standen in einigen Szenen beispielhaft für das Engagement der Spieler, den Ball sofort zurückerobern zu wollen. Nach etwas mehr als 20 Minuten gab es dann den ersten vermeintlichen Rückschlag für den 1. FC Köln, als Kapitän Jonas Hector wegen einer Prellung ausgewechselt werden musste. Der Nationalspieler überzeugte in den letzten Partien als lauf- und passstarker Sechser neben Skhiri. Für ihn übernahm Verstraete die Position. Mit zunehmender Spieldauer fand sich Bremen ebenfalls immer besser im Spiel zurecht, die Norddeutschen konnten verhindern, dass der FC in aussichtsreiche Abschlusssituationen kam.

Timo Horn und das Glück helfen dem FC

In Führung ging der FC dann nach dem oben angesprochenen Muster: Czichos spielte einen langen Ball hinter das Bremer Abwehrzentrum, den Drexler technisch ansprechend auf Cordoba querlegte – der Kolumbianer erzielte zum zweiten Mal in Folge in einem Heimspiel das wichtige 1:0 (39.). Damit hatte der FC sein Zwischenziel erreicht, die Führung nahmen die „Geißböcke“ mit in die Pause. Die zweiten 45 Minuten gestalteten sich dann ein wenig anders. Der 1. FC Köln hatte zunehmend Schwierigkeiten mit der eigenen Passqualität, machte mehrere Fehler im Aufbau und schaffte es nicht, mit derselben Intensität wie im ersten Durchgang, Räume zuzulaufen und Zweikämpfe zu führen. Die Bremer ihrerseits verrückten ihr Spiel zehn Meter nach vorne, sodass prompt mehr Abschlüsse (Rashica, Klaassen) zustande kamen.

Foto: Jörg Schüler/Bongarts/Getty Images

Mitte der zweiten Halbzeit brachte Kohfeldt dann mit Bartels einen weiteren Offensivakteur, sodass Bremen fortan in einer Viererkette spielte. Nach etwa einer Stunde hatte auf Seiten des FC Ehizibue aufgrund einer muskulären Verletzung den Platz verlassen müssen, sodass Gisdol bereits zum zweiten Mal wegen einer Blessur einen Spieler auswechseln musste und sich auf diese Weise konstruktiverer Lösungen beraubt sah. Das Momentum kippte immer mehr auf Bremer Seite herüber und der FC hatte (wie in den letzten Spielen auch) in den entscheidenden Momenten auch ein wenig Glück: Rashicas Schuss klatschte an die Latte (82.), Osakos Tor wurde wegen Abseits aberkannt (84.) und Horn parierte stark gegen einen Moisander-Schuss (90+3). Mit zunehmender Spieldauer war erkennbar, dass auch beim FC nach der Englischen Woche die Kräfte nachließen – mit dem nötigen Spielglück aber reichte es dennoch zum dritten Sieg in Folge.

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Binnen einer Woche ist es dem 1. FC Köln gelungen, durch drei Siege in Folge die Abstiegszone zu verlassen. Alle drei Erfolge hatten ihre eigenen Geschichten, fest steht aber: Die Mannschaft von Markus Gisdol tritt geschlossener auf, macht wenig individuelle Fehler und zeigt, dass sie in allen Spielphasen mit und ohne Ball sowie in der Transition deutliche Schritte nach vorne gemacht hat. Am wichtigsten scheint aber die psychologische Komponente, denn Spieler wie Czichos, Bornauw oder Skhiri und auch die jungen Nachwuchskräfte Thielmann, Jakobs und Katterbach scheinen gegen Ende des Jahres leistungsmäßig in der Bundesliga angekommen zu sein.

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