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Analyse

2:1 des 1. FC Köln beim SC Paderborn: Wenn et einmol läuf, dann läuf et!

Der 1. FC Köln setzt auch beim SC Paderborn seinen Höhenflug fort. Im Aufsteigerduell setzen sich die „Geißböcke“ dank altbekannter Stärken und neuentdeckten Qualitäten verdient durch.

PADERBORN, GERMANY - MARCH 06: Jorge Mere (C) of Koeln scores gainst Leopold Zingerle (R) of Paderborn during the Bundesliga match between SC Paderborn 07 and 1. FC Koeln at Benteler Arena on March 06, 2020 in Paderborn, Germany. (Photo by Thomas F. Starke/Bongarts/Getty Images)
Foto: Thomas F. Starke/Bongarts/Getty Images

Doch gänzlich positiv geriet der 2:1-Sieg der Kölner zum Auftakt des 25. Bundesliga-Spieltags nicht. Spätestens nach dem 2:0, das Kapitän Jonas Hector mit einem wunderbaren Distanzschuss erzielt hatte, stellten die „Geißböcke“ ihre Offensivbemühungen etwas voreilig ein. Insbesondere im Zentrum ließ es die Gisdol-Elf nach dem Seitenwechsel im Umschaltspiel an der notwendigen Schärfe und Genauigkeit fehlen, so dass etliche Ballverluste der Gastgeber unbestraft blieben. Eine mögliche frühzeitige Entscheidung vergab der FC etwas leichtfertig gegen über weite Strecken harmlose Paderborner und brachte durch mangelnde taktische Disziplin den Gegner zurück in die Partie.

„Die zweite Hälfte war nicht so, wie wir uns das vorgestellt haben. Wir haben die Bälle zu schnell weggegeben, sind nicht mehr so in die Zweikämpfe gekommen und dann wurde es hinten raus nochmal spannend“, analysierte auch Kölns Keeper Timo Horn nach der Partie. Spätestens mit Srbenys Anschlusstreffer, als der FC zunächst auf außen keinen Zugriff hatte und dann in der Mitte nicht konsequent genug verteidigte, drohte den „Geißböcken“ eine Wiederholung der Zweitliga-Pleite, als das Team ebenfalls souverän mit 2:0 führte. Hatte der FC diesmal bis zum 1:2 eine solide Vorstellung angeboten, geriet die Gisdol-Elf in der Schlussphase gehörig ins Schwimmen. Dennoch wurde die Partie mit viel Leidenschaft und der nötigen Portion Glück über die Zeit gebracht.

Der 1. FC Köln kann auch dreckig

Vor allem in den letzten Minuten des Spiels zeigte sich eine Qualität, die der FC in der jüngeren Vergangenheit selten an den Tag legte. Nicht nur warfen sich die „Geißböcke“, personifiziert durch Abwehrleihgabe Leistner, in jeden Zweikampf, der geführt werden musste, sie schafften es auch der Schlussoffensive des Tabellenletzten einige Elemente am Rande der Legalität und darüber hinaus entgegenzusetzen. Der eingewechselte Rexhbecaj unterband ebenso mit rustikaler Härte einen Ballgewinn der Paderborner wie Jorge Meré sich deutlich übermotiviert nach eigenem Fehler in den gegnerischen Spieler warf. Der daraus resultierende Freistoß, den Sabiri aus großer Distanz aufs Kölner Tor drosch, lenkte Horn so eben noch an die Latte.

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So zeigte sich symbolisch in dieser Szene, wie grenzwertig solche Aktionen sein können. Wäre der Freistoß im Tor statt am Quergestänge gelandet, hätte der FC nicht clever und leidenschaftlich den Vorsprung über die Zeit gerettet, sondern wäre in der Schlussphase einmal mehr kollabiert. Wenige Zentimeter und das entsprechende Glück entscheiden manchmal über Wohl und Wehe im Fußball – der 1. FC Köln kann in dieser Saison ein Lied davon singen. Derzeit gehen viele dieser 50-50-Situationen zugunsten der „Geißböcke“ aus, die sich das Spielglück allerdings auch durch harte Arbeit redlich erkämpfen. Dennoch: Die letzten 20 Minuten dürften eine deutliche Warnung an die Mannschaft sein, dass es tatsächlich trotz des überragendes Laufes nur mit 100 Prozent Einsatz und voller Konzentration geht.

Aller Demut zum Trotz: Der Blick geht nach oben

Wenig verwunderlich ist angesichts der jüngsten Erfolge die Brust beim FC breit. Fünf Siege aus den ersten sieben Spielen konnte die Gisdol-Elf in diesem Jahr einfahren – der beste Rückrundenstart seit 31 Jahren. Es ist daher nur allzu verständlich, dass bei den FC-Fans mit der nötigen Portion Selbstironie der Blick eher nach oben denn nach unten geht. Vier Zähler liegen die „Geißböcke“ nun lediglich noch hinter Tabellenplatz sieben, den derzeit der VfL Wolfsburg bekleidet. Zehn Punkte beträgt derweil der Vorsprung auf den rheinischen Rivalen Fortuna Düsseldorf, die derzeit auf Relegationsrang 16 liegen – und in zwei Wochen zu Gast im Müngersdorfer Stadion sind.

Foto: Thomas F. Starke/Bongarts/Getty Images

Trotz des Big Points in Paderborn und einer gewissen Europapokal-Euphorie in der Domstadt versuchen sowohl Spieler als auch Verantwortliche, den Ball flach zu halten. „Wir wollen auf dieser Welle weiter schwimmen, aber wir wissen, dass jedes Spiel von Null losgeht und wir immer wieder aufs Neue Gas geben müssen. Wir haben bis zur Länderspielpause drei wichtige Spiele, da wollen wir weiter punkten und uns nach unten hin absetzen“, erklärte beispielsweise Benno Schmitz. „32 Punkte reichen nicht mal zum Drinbleiben“, legte auch FC-Sportgeschäftsführer Horst Heldt den Fokus wieder Richtung Abstiegskampf. Nur Mark Uth, als gebürtiger Kölner dafür wohl etwas anfällig, wagte leise Träume Richtung oberes Tabellendrittel zu äußern: „Wenn wir jedes Spiel gewinnen, können wir auch mal nach oben schauen.“

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