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Geißbockheim

Rückblick auf die Saison des 1. FC Köln (2): Vorentscheidung bei der Mitgliederversammlung

Was hatte die Saison des 1. FC Köln so in Sachen Vereinspolitik zu bieten? Teil 2 unseres Rückblicks über den Konflikt zwischen Fans und Clubführung und die Mitgliederversammlung im Herbst 2018.

Foto: Sebastian Bahr

Die Kampagne gegen das Gremium und seinen Vorsitzenden sollte sich bei der Mitgliederversammlung allerdings rächen. Dass es ein großer Fehler gewesen war, all die Kritiker, die eben nicht zur Ultra-Fraktion gerechnet werden konnten, nicht ernst zu nehmen, zeigte sich in der Arena schließlich schon bei Beginn der Veranstaltung, die schlussendlich geschlagene sieben Stunden dauern sollte.

>>> Zusammenfassung der MV 2018: Sieben Stunden Vereinsdemokratie

Der wichtigste Tagesordnungspunkt an diesem Oktoberabend war die Wahl des neuen Mitgliederrats – nahezu die komplette Mitgliederversammlung richtete sich auf diesen Showdown aus, der laut Plan erst spät am Abend auf dem Programm stehen sollte. Das allerdings passte dem Vorstand aber nicht. Per Änderung der Tagesordnung, die von einem Mitglied vorgeschlagen und von der Clubführung goutiert wurde, sollte die Mitgliederratswahl vorgezogen werden. Doch bereits das erste Vorhaben des Vorstands an diesem Abend scheiterte, die Mitglieder stimmten für die Beibehaltung der ursprünglichen Tagesordnung. „Die haben gewonnen“ hörte man – wohl unbeabsichtigt – den Kommentar aus Richtung der Kölner Offiziellen von der Bühne.

„Die haben gewonnen!“

Und dieser Satz könnte sowohl die damalige Lage des 1. FC Köln als auch den weiteren Verlauf der Mitgliederversammlung kaum treffender beschreiben: Einigkeit oder auch nur den Wunsch danach gab es bei den „Geißböcken“ damals schon kaum noch – „Wir“ gegen „Die“ lautete die Devise der Verantwortlichen, die sich in den Erfolgen der Vorjahre stets gesonnt hatten, nun mit der Misere des Clubs aber möglichst wenig zu tun haben wollten. Diese Einstellung war ein ordentliches Eigentor: Die Niederlage für Spinner, Schumacher und Ritterbach hätte kaum heftiger ausfallen können.

MV

Ex-Präsident Werner Spinner | Foto: Sebastian Bahr

Die Verantwortlichen setzten auch in ihren Wortbeiträgen auf eine weitere Zuspitzung des Konflikts und ergingen sich in unpassenden Anti-Gewalt-Schwüren, damit auch dem letzten in der Halle klar wird, dass man die Kritik der aktiven Fanszene niemals ernst nehmen dürfe – schließlich hat irgendjemand von denen irgendwann einmal irgendwelche Regeln gebrochen. Inhaltlich kamen alle drei Vorstände mit ihren Reden kaum über dieses Niveau hinaus.

Werner Spinner probierte derweil, auch effzeh.com in Zusammenhang mit den Ultras zu bringen. Auch das war keine gute Idee: Zunächst wurden die Worte des damaligen Präsidenten noch in der Halle von einem der effzeh.com-Chefredakteure erwidert, später nutzte die Redaktion dann die Gelegenheit, Spinner mit einem offenen Brief zu erklären, was effzeh.com ist und warum er mit seiner Einschätzung falsch liegt. Der konstante Populismus von der Bühne kam bei den Mitgliedern in der Halle ebenso schlecht an wie ein Satzungsänderungsantrag des Vorstands – der Antrag wurde von den Mitgliedern abgeschmettert.

Vorentscheidung der Vorstandskandidatenauswahl

Die größte Niederlage für die Verantwortlichen des Clubs sollte schließlich aber bei der Wahl zum Mitgliederrat folgen – das Ergebnis war für den Vorstand nicht weniger als ein Debakel: Stefan Müller-Römer, der zuvor mit einer sachlichen Rede die Sicht des Mitgliederrats erläutert hatte, wurde wiedergewählt – und vom Mitgliederrat später erneut zum Vorsitzenden benannt. Noch dramatischer aus Sicht des Präsidiums: Eine ganze Reihe von Kandidaten, die im Vorfeld bereits klar gemacht hatten, dass sie das Wirken der aktuellen Vereinsführung überaus kritisch sehen, bekam den Zuspruch der Mitglieder. Die Entscheidung über die Zukunft von Spinner, Schumacher und Ritterbach war mit diesem Ergebnis schon gefallen – es sollte sich jedoch noch bis zum Saisonende ziehen, bis diese Erkenntnis jeden im Club erreichen sollte.

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Das Präsidium hatte auf eine gute Prise Populismus gesetzt – und dafür von den Vereinsmitgliedern bei der Mitgliederversammlung die Quittung bekommen. Dass weder Schumacher noch Ritterbach später in der Saison zum Kandidatenteam des neuen Mitgliederrat zählen würden, war im Grunde damals bereits so sicher wie das Amen in der Kirche – vermutlich auch deshalb verzichteten die Vize-Präsidenten für lange Zeit in der Folge auf Gespräche mit dem Gremium.

Auf Theater verzichtete man in den Monaten bis Saisonende derweil keineswegs, man rufe sich den Rücktritt von Werner Spinner und seine Begleitumstände vor Augen – doch bereits seit der Mitgliederversammlung konnte der Vorstand eigentlich nichts mehr retten. Der Neuanfang, der beim 1. FC Köln in diesem Sommer vollzogen werden soll, begann an diesem lauen Oktoberabend des Vorjahres – auch wenn das Ergebnis erst im Mai 2019 so richtig offiziell werden sollte.

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