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Nachspiel

2:4 des 1. FC Köln gegen Leipzig: Das Lied vom Allerwertesten und dem Einreißen

Auch im vierten Spiel seit der Fortsetzung der Bundesliga-Saison holt der 1. FC Köln keinen Sieg: Beim 2:4 gegen Leipzig müssen sich fehlerbehaftete „Geißböcke“ der Qualität des Gegners geschlagen geben.

COLOGNE, GERMANY - JUNE 01: Timo Werner of Leipzig scores his sides third goal during the Bundesliga match between 1. FC Koeln and RB Leipzig at RheinEnergieStadion on June 1, 2020 in Cologne, Germany. (Photo by Ina Fassbender/Pool via Getty Images)
Foto: Ina Fassbender/Pool via Getty Images

Zum Abschluss der Englischen Woche muss der 1. FC Köln gegen Leipzig eine 2:4 (1:2)-Heimniederlage hinnehmen. Den frühen Führungstreffer der „Geißböcke“ durch Jhon Cordoba (7.) drehten die Gäste den Spielstand dank Toren von Patrik Schick (20.) und Christopher Nkunku (38.) noch vor der Pause zu ihren Gunsten. Timo Werner (50.) und Dani Olmo (57.) waren nach dem Seitenwechsel für die Sachsen erfolgreich, der zwischenzeitliche Anschlusstreffer von Anthony Modeste (55.) war zu wenig für die Mannschaft von Trainer Markus Gisdol, die auch im vierten Spiel nach der Fortsetzung der Bundesliga-Saison weiter ohne Sieg bleibt.

Dabei hatte die Partie für die Kölner, die auf Sebastiaan Bornauw (Rotsperre) und Mark Uth (muskuläre Probleme) verzichten mussten, hervorragend begonnen: Nach einer ersten Glanztat von FC-Schlussmann Timo Horn gegen Namensvetter Werner waren es die „Geißböcke“, die früh jubeln durften. Florian Kainz setzte Uth-Vertreter Elvis Rexhbcaj stark in Szene, der allerdings am Pfosten scheiterte. Im Nachsetzen wuchtete Cordoba den Ball ins Leipziger Tor – 1:0 für den FC, der bis dato mutig und aggressiv begonnen hatte. Die Abwehrkette um Rückkehrer Rafael Czichos, der nach seiner schweren Halswirbelverletzung erstmals wieder in der Startelf stand, hatte wenig zu tun, da die Gisdol-Elf bereits frühzeitig den Angriffswirbel der Gäste störte.

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Cordoba-Ausfall trifft den FC hart

Erster Rückschlag dann nach 17 Minuten: Cordoba verletzte sich bei einem Zusammenprall mit einem Leipziger am Knie, musste wenig später ausgewechselt werden. Den wuchtiger Kolumbianer, der mit seiner körperlichen Präsenz und seiner Dynamik bis dato ein wichtiger Faktor im Kölner Spiel gewesen war, ersetzte Modeste in vorderster Front. Noch bevor dieser Wechsel allerdings vollzogen werden konnte, nutzten die Sachsen die temporäre Überzahl zum Ausgleich: Angelino hatte auf links zu viel Platz, seine Flanke köpfte Schick zum 1:1 ein. Leipzig kam zunehmend besser in die Partie und belohnte sich noch vor dem Seitenwechsel: Leistner verschätzte sich im Zweikampf mit Nkunku, der den herausstürzenden Horn gefühlvoll überlupfte.

„Wir haben einen hohen Aufwand betrieben, aber gemessen daran die Gegentore zu einfach zugelassen. „

„Wir haben einen hohen Aufwand betrieben, aber gemessen daran die Gegentore zu einfach zugelassen. Dann stehst du gegen eine so gute Mannschaft wie Leipzig am Ende mit leeren Händen da“, zeigte sich auch FC-Kapitän Jonas Hector, der in die Startformation zurückgekehrt war, nach der Partie sichtlich angefressen über die Art und Weise, wie sein Team die Gäste mitunter zum Toreschießen einlud. Auch Kölns Coach Markus Gisdol sah eine kämpferisch starke Leistung, die allerdings aufgrund diverser Fehler unbelohnt blieb. „Uns war bewusst, was der Gegner kann. Wir haben gut dagegengehalten und es ihm über weite Strecken schwer gemacht. Der Gegner hat aber die Qualität und uns für Kleinigkeiten hart bestraft.“

Czichos: „Gegentore dürfen uns ein Leben lang nicht passieren“

Kleinigkeiten waren es allerdings kurz nach der Pause nicht, die Leipzig das 3:1 ermöglichten: Einen harmlosen Kainz-Freistoß aus dem rechten Halbfeld fing Gulacsi ab und schickte sofort Werner auf die Reise, der ziemlich viel Grün vor sich hatte. Allein vor Horn blieb der Nationalstürmer eiskalt – wie schon in Hoffenheim ein Nackenschlag direkt nach Wiederbeginn. Doch wenig später kam der FC nochmals zurück in die Partie: Leipzig bekam einen langen Ball nicht vernünftig, Modeste nahm sich der Sache an und netzte aus knapp 20 Metern sehenswert ein. Lange durften sich die „Geißböcke“ allerdings nicht über den Anschlusstreffer freuen: Olmo stellte nach Modestes schwacher Kopfballabwehr den alten Abstand fast im Gegenzug wieder her.

Cologne's German defender Jonas Hector reacts during the German first division Bundesliga football match FC Cologne vs RB Leipzig, in Cologne on June 1, 2020. (Photo by Ina FASSBENDER / various sources / AFP) / DFL REGULATIONS PROHIBIT ANY USE OF PHOTOGRAPHS AS IMAGE SEQUENCES AND/OR QUASI-VIDEO (Photo by INA FASSBENDER/AFP via Getty Images)

Foto: INA FASSBENDER/AFP via Getty Images

„Wir haben die Gegentore zu leicht zugelassen, das müssen wir insgesamt besser verteidigen. Die beiden Leipziger Tore in der zweiten Hälfte dürfen uns ein Leben lang nicht passieren. Solche Fehler bestraft ein starkes Team wie Leipzig eiskalt“, schlussfolgerte auch Rafael Czichos, der bei seinem Comeback trotz der Niederlage überzeugend agierte: „Es war ein schönes Gefühl, nach langer Zeit wieder auf dem Platz zu stehen. Für mich persönlich ist ein erster Schritt gemacht. Dass wir die Partie nicht gewonnen haben, hinterlässt aber einen faden Beigeschmack“, betonte der Kölner Abwehrchef. Es nerve die Mannschaft total, dass sie nach der Corona-Pause noch keinen Sieg einfahren konnte.

Gisdol sieht „beste Leistung“ seit Bundesliga-Fortsetzung

Daran änderte sich auch in einer unterhaltsamen Schlussphase nichts mehr: Modeste vergab kurz vor Schluss die große Möglichkeit auf das 3:4, als er allein vor Gulacsi das Tor nicht traf. Auf der Gegenseite bewahrten Horn und die fahrlässige Leipziger Chancenverwertung die „Geißböcke“ vor einer höheren Niederlage, die zwar im Bereich des Möglichen, aber gänzlich unverdient gewesen wäre. „Seit Wiederaufnahme des Spielbetriebs war es unsere beste Leistung“, analysierte Gisdol trotz seiner zweiten Heimniederlage als FC-Coach wohlwollend und bleibt im Hinblick auf die anstehenden Aufgaben optimistisch: „Wenn wir so spielen, wie wir es gegen Leipzig gemacht haben, werden wir gegen andere Gegner wieder punkten.“

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Das dürfen seine Schützlinge dann am kommenden Sonntag unter Beweis stellen, wenn der 1. FC Köln zu Gast beim FC Augsburg ist. Gerade angesichts der aktuellen Tabellenkonstellation dürfte das Spiel für die „Geißböcke“ ein gänzlich anderer Schnack werden als das Duell mit dem Champions-League-Viertelfinalisten. „Wir müssen schauen, dass wir in den nächsten Wochen wieder Spiele gewinnen. Das würde unserem Selbstvertrauen enorm guttun. Deshalb wollen wir das in der nächsten Partie gegen Augsburg hinbekommen“, formuliert es FC-Kapitän Hector. Um die Negativspirale zu durchbrechen, die sich seit der Fortsetzung der Bundesliga-Saison ergeben hat. Und um den Klassenerhalt, den die Mannschaft anstrebt, wohl endgültig unter Dach und Fach zu bringen.

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