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Müngersdorf

1. FC Köln empfängt Darmstadt 98: Zurück zum Dienst nach Vorschrift?

Der Aufstieg scheint noch immer ungefährdet, die Stimmung in Köln ist es längst nicht mehr. Gegen den SV Darmstadt 98 muss das Team von Markus Anfang aus dem Osterschlaf erwachen und wieder den eigenen Ansprüchen gerecht werden.

Foto: Alex Grimm/Bongarts/Getty Images

Osterzeit ist Urlaubszeit. Da sich alle Bundesländer rund um das heilige Fest Ferien gönnen, wird die Verwandtschaft besucht, Stadt XY der Bucketlist per Billigflieger angeflogen oder an Mallorcas zu dieser Zeit noch nicht ganz so überfüllten Stränden abgehangen. Blöderweise gilt das nicht für Profifußballer, die das Volk in diesen Tage unterhalten sollen und daher auf dem Rasen ihrer Pflicht nachkommen müssen.

Nun sah sich die Mannschaft des 1. FC Köln, in der ruhigen Gewissheit die Tabelle der 2. Bundesliga aufgrund der Unfähigkeit der Konkurrenz weiterhin unangefochten anzuführen, dieser Pflicht zuletzt mehr oder weniger entbunden. In Duisburg nahm sich zunächst die Defensive eine Pause, im Heimspiel gegen den Hamburger SV verabschiedete sich nach etwa 30 Minuten die Offensive auf Geheiß des Vorgesetzten an der Seitenlinie in den Urlaub, sechs Tage später in Dresden gönnte sich dann das gesamte Team Freizeit am Feiertag.

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Aufgrund der weiterhin schwächelnden Konkurrenten um den Aufstieg ist die Folge aus diesen peinlichen Auftritten in der Tabelle unerklärlicherweise weiterhin in keiner Form ersichtlich. Dafür hat sich allerdings über die Stimmung rund um den Ersten Fußballclub Köln ein frostiger Umhang gelegt. Die Teamchemie bröckelt bedenklich, das Umfeld in Form von Medien und Fans wird angesichts der zuletzt mehr als unglücklichen Auftritte aller Beteiligter zunehmend unruhiger. Soweit die aktuelle Lage beim Spitzenreiter.

Hinspiel in Darmstadt als Sinnbild für den effzeh

Inmitten aller brodelnder Konflikte empfängt der effzeh am späten Freitagnachmittag den SV Darmstadt 98 und kann mit einem Sieg den sowieso schon sehr wahrscheinlichen Aufstieg in der Theorie absichern. Dass die „Geißböcke“ für die Erreichung dieses Ziels keinen Sahnetag brauchen, wie ihn die Dresdner zweifellos auch am letzten Sonntag erwischten, liegt aufgrund der Erfahrungen innerhalb dieser Saison auf der Hand. Vielmehr muss die Elf von Markus Anfang wieder zurückkehren zum Dienst nach Vorschrift. Die Vorschrift formulierte Anfang dabei vor dem Spiel selbst: „Aufstieg erreichen“.

Voller Fokus auf Darmstadt: Timo Horn | Foto: Alex Grimm/Bongarts/Getty Images

Dass eben jenes schmucklose Nachkommen der Pflichten, welche die Rolle als Zweitligakrösus mit sich bringt, zumeist schon für deutliche Siege ausreicht, zeigt das Hinspiel am Böllenfalltor. Gegen lange Zeit sehr fleißige und aggressive Lilien hatte sich die Anfang-Elf schwer getan. Dann aber hatten starke 15 Minuten in der 2. Hälfte zu einem deutlichen Sieg gereicht, wobei die individuelle Klasse in Person der Torschützen Simon Terodde und Jhon Cordoba sowie die Stärke bei Standardsituationen ausreichten – sinnbildlich für viele der Spiele in dieser Saison.

Kampfspiel statt Aufstiegsfeier in Müngersdorf

Genau dieser Dienst nach Vorschrift ist wohl auch der einzig logische Schritt gegen den Gast aus Hessen. Vielmehr als einen Pflichtsieg nach den zuletzt dürftigen Auftritten gegen Duisburg, Hamburg und Dresden erwarten im Müngersdorfer Stadion wohl nur die wenigsten. Zudem würde selbst ein berauschender 10:0-Sieg wohl nicht für ein komplettes Umschwenken der Stimmung sorgen – zu eklatant traten die Schwächen des Teams zuletzt immer wieder zu Tage, zu angekratzt wirkt das Verhältnis zwischen den Verantwortlichen und dem Umfeld.

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Dementsprechend konnotierte Töne schlug Anfang auch in der Pressekonferenz vor dem Spiel an, als er betonte: „Es wird kein leichtes Spiel. Wir müssen hart arbeiten. Es kann nicht immer alles nur fußballerisch gelöst werden. Du musst Meter machen. Du musst marschieren und dem Gegner die Stirn bieten.“ Angesichts des komfortablen Vorsprungs in der Tabelle und des schon fast sicheren Aufstiegs klingen diese Worte beinahe schon ein wenig ironisch, ebenso wie der effzeh im Duell gegen Darmstadt in gewisser Weise Wiedergutmachung und Schadensbegrenzung leisten muss – doch sie entsprechen eben der aktuellen Stimmungslage.

Kölner „Held“ Grammozis selbstbewusst

Das Auswärtsteam aus Darmstadt hat dagegen nicht mit derartigen Problemen zu kämpfen. Die Lilien dümpeln im Niemandsland der Tabelle herum, haben bereits zehn Punkte Vorsprung auf Platz 16 und können daher kaum noch absteigen. In Köln könnten die Lilien den Nicht-Abstieg perfekt machen. Wie im Hinspiel dürfte den effzeh ein unangenehmer Gegner erwarten, der intensiv presst und läuferisch viel investiert – zumeist ein gutes Mittel gegen den oftmals behäbigen Spielaufbau der „Geißböcke“.

Brennen die Teams ähnlich wie die kölsche Pyroshow im Hinspiel? | Foto: Alex Grimm/Bongarts/Getty Images

Unter Neu-Trainer Dimitrios Grammozis (in längst vergessenen Zeiten auch mal Teil einer glorreichen effzeh-Elf um Benschneider, Schlicke, Madsen und Co. – vielleicht sollten wir doch froh um die heutigen Zeiten sein…) gelangen dabei vor nicht allzu langer Zeit Achtungserfolge gegen Holstein Kiel und den Hamburger SV. Deswegen versicherte Grammozis auch: „Wir fahren nach Köln, um dort etwas zu holen.“ Die Aussichten etwas zu holen sind angesichts des Profils seiner Mannschaft nicht allzu schlecht.

Cordoba für Modeste – Änderungen im Mittelfeldzentrum?

Markus Anfang dagegen dürfte nach dem Debakel in Sachsens Landeshauptstadt Änderungen an seiner Startelf vornehmen. Nach dem gescheiterten Experiment mit der Doppelspitze aus Anthony Modeste und Simon Terodde dürfte Jhon Cordoba wieder ins Team rücken. Weil Modeste zudem angeschlagen ist, nimmt wohl der Franzose, wenn überhaupt im Kader, zunächst wieder einen Bankplatz ein. Christian Clemens könnte mangels Alternativen nach überstandener Verletzung wieder auf die rechte Seite zurückkehren.

Im Zentrum könnte dem effzeh mit Vincent Koziello oder Salih Özcan eine etwas dynamischere Alternative als der zuletzt leicht überspielt wirkende Johannes Geis gut zu Gesicht stehen. Diese Option scheint aber in der Realität eher unwahrscheinlich. Den wichtigsten Leitsatz formulierte Anfang unabhängig vom Personal: „Wir müssen uns jetzt so vorbereiten, dass wir wieder in der Lage sind, unsere Spiele zu gewinnen.“

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