Folge uns
.

Müngersdorf

Spitzenspiel des 1. FC Köln beim Hamburger SV: Brüder im Geiste

Zu groß für die 2. Bundesliga? Im Spitzenspiel des 1. FC Köln beim Hamburger SV treffen die Dickschiffe der Spielklasse aufeinander, die ähnliche Probleme plagen.

HAMBURG, GERMANY - JANUARY 20: Lewis Holtby of Hamburg is challenged by Jonas Hector of Cologne during the Bundesliga match between Hamburger SV and 1. FC Koeln at Volksparkstadion on January 20, 2018 in Hamburg, Germany. (Photo by Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images)
Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images

Was wurde vor der Spielzeit nicht alles gesagt? Der 1. FC Köln und der Hamburger SV – die marschieren eh locker durch, wer soll die beiden Vereine denn überhaupt aufhalten. Bei den einen mit Jonas Hector ein aktueller deutscher Nationalspieler im Team, dazu steht mit Timo Horn ein exzellenter Vertreter seiner Zunft zwischen den Pfosten, vorne schießt Simon Terodde die 2. Bundesliga zu Brei. Bei den anderen mit Lewis Holtby und Aaron Hunt zwei gestandene Routiniers mit jeder Menge Erstliga-Erfahrung, U21-Europameister Julian Pollersbeck im Tor und Soapstar Pierre-Michel Lasogga im Angriff. Beides garniert mit Kadern, teurer als so mancher Bundesligist, und einer Fanunterstützung, die selbst im Fußball-Oberhaus zum Besseren gehört.

Ein flüchtiger Blick auf die Tabelle verriet vor dem Wochenende erst einmal: So ganz falsch lagen die Hellseher nicht. Der 1. FC Köln grüßte von der Tabellenspitze, punktgleich dahinter lauerte der HSV in der Verfolgerrolle. Alles wie erwartet? Weit gefehlt, denn beide Dickschiffe quälen sich mehr schlecht als recht durch die Liga. Die Hamburger sorgten bei den eigenen Fans mit Heimklatschen gegen Kiel (0:3) und Regensburg (0:5) für Entsetzen, konnten spielerisch kaum einmal richtig glänzen. Der effzeh derweil sorgte bei den eigenen Fans durch Heimniederlagen gegen Aufsteiger Paderborn (3:5) und Tabellenschlusslicht Duisburg (1:2) für Entsetzen, fand bislang zu keiner Zeit zu Konstanz und Balance. Die 2. Bundesliga nur eine Übergangsstation für die strauchelnden Traditionsvereine? Weit gefehlt!

Auswärts besser als zuhause? Kein Wunder!

Das hat vor allem Gründe, die bei beiden Clubs sehr ähnlich sind: Sowohl der HSV als auch der effzeh mussten nach Jahren in der Bundesliga lernen, wieder in jede Partie als absoluter Favorit zu gehen. Konnte oder musste zuletzt erstklassig eher verteidigt denn angegriffen werden, stehen die Gegner nun zumeist mit einer massierten Defensive in der eigenen Hälfte und lauern auf Konter, während die Favoritenrolle die Aufstiegskandidaten dazu zwingt, das Spiel zu machen und zu dominieren. Wie schwer das fallen kann, mussten beide Vereine in dieser Saison bereits schmerzhaft erfahren. Nicht verwunderlich ist daher, dass sowohl der HSV als auch der effzeh auswärts besser klarkommen als vor den eigenen Fans. Dort ist es durchaus besser möglich, ein wenig Initiative an die Gegner abzugeben.

Auch interessant
Armin Veh über seinen Trainer Markus Anfang: "Ein riesengroßes Talent"

Dazu kommt unausgegoren zusammengestellte Kader, die diesem Anspruch nur bedingt nachkommen können. Nicht aus Mangel an Qualität, sondern aus Mangel an den entsprechend benötigten Fähigkeiten. Eine hochstehende Abwehr, ein ballsicherer Spielaufbau, Kreativität auf den Außen: In der Hansestadt sorgten die Voraussetzungen genauso für Probleme wie in Köln. Während der effzeh besonders in der Defensive zwischenzeitlich extrem wackelte (bereits 16 Gegentore!), hatte der HSV vor allem Probleme im Spiel nach vorne. Nur 13 Treffer durften die Hanseaten in dieser Saison bejubeln – nur drei Teams haben vor dem Montagsspiel weniger auf dem eigenen Konto.

„Wir sollten das Ausscheiden vergessen, aber nicht das Spiel selbst“

Nun also die Partie des Spitzenreiters beim direkten Verfolger: Für beide ein Grund zum Frohlocken, denn ein Abwehrbollwerk ist dabei eher nicht zu erwarten. Wie sehr der effzeh einen mitspielenden Gegner braucht, zeigte sich im Pokalfight gegen Schalke, den die „Geißböcke“ um weite Strecken der Partie nicht nur auf Augenhöhe gestalteten, sondern phasenweise sogar dominierte. Vorzeichen, die besonders vor dem fast erstklassigen Duell zwischen den beiden Aushängeschildern der Liga entsprechend gedeutet werden. „Wir sollten das Ausscheiden vergessen, aber nicht das Spiel selbst. Die Art und Weise, wie wir Fußball gespielt haben, sollte Auftrieb geben. Wir haben uns gut geschlagen, gut dagegengehalten und können viel Positives mitnehmen“, bekundete effzeh-Coach Markus Anfang auf der abschließenden Pressekonferenz vor dem Duell beim Hamburger SV.

Die Gastgeber schielen derweil auf die Statistik: Seit drei Spielen ist der effzeh ohne Sieg, überzeugte nur geringfügig in den vergangenen Ligaspielen. Und im Duell Spitzenreiter gegen direkter Verfolger holte der Tabellenführer nur einen einzigen Erfolg aus den vergangenen neun Partien. Und in der Hansestadt setzt man auf den Wolf-Effekt: Der neue Coach gewann in Magdeburg seine HSV-Premiere und steht nun vor seinem Heimdebüt als Coach der „Rothosen“. Viel über den prominenten Kontrahenten wollte Anfang im Vorfeld des Spiels aber nicht sprechen: „Wir konzentrieren uns auf uns. Ich kenne Hannes Wolf und die Art und Weise, wie er Fußball spielen lässt. Wichtig ist aber einzig und alleine, wie wir uns präsentieren. Wir wissen, was auf uns zukommt.“

Riesige Vorfreude auf das Duell zwischen HSV und 1. FC Köln

Die Vorfreude ist riesig beim FC auf das Duell der Giganten, das ein Sky-Kommentator schon einmal vorsorglich als „Champions-League-Viertelfinale in drei Jahren“ bezeichnete. „Wir freuen uns, auch wenn es beide Clubs sicher schöner fänden, wenn das Duell in der ersten Liga stattfinden würde. Die Konstellation ist jetzt aber so“, hält Anfang fest: „Wie gegen Schalke wollen wir auch gegen den HSV ein richtig gutes Spiel abliefern. Hamburg wird vor eigenem Publikum nach vorne spielen wollen. Auch sie werden versuchen, das Spiel zu gewinnen. Deswegen glaube ich, dass das Spiel nicht vergleichbar sein wird mit den Duellen, die wir bisher in dieser Saison hatten.“

Mehr aus Müngersdorf

.