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Spielerportraits

Neuzugang Dimitris Limnios: Griechischer Flair für die Flügel des 1. FC Köln

Mit Dimitris Limnios verpflichtet der 1. FC Köln einen schnellen und trickreichen Offensivspieler für die Flügel. Der Neuzugang von PAOK kann trotz seines jungen Alters bereits auf einiges an Erfahrung zurückgreifen und hofft nun auf den Durchbruch im Ausland.

Dimitrios Limnios im blauen Trikot der griechischen Nationalmannschaft | Foto: ARIS MESSINIS/AFP via Getty Images

Der 1. FC Köln hat den nächsten Feldspieler für die neue Saison verpflichtet: Von PAOK Thessaloniki wechselt Dimitris Limnios ans Geißbockheim. Dem Vernehmen nach zahlen die „Geißböcke“ etwas mehr als drei Millionen Euro für den 22 Jahre alten Rechtsfuß, der bevorzugt auf den offensiven Außenbahnen zum Einsatz kommt. Nach der Leihe von Ron-Robert Zieler, der aller Voraussicht nach als zweiter Torwart in die Saison starten wird, und dem auf den letzten Metern gescheiterten Transfer von Streli Mamba (der Paderborner fiel durch den Medizincheck) konnte Geschäftsführer Horst Heldt nach den Verpflichtungen von Sebastian Andersson, Ondrej Duda und Tolu Arokodare nun einen weiteren Neuzugang für das Feld präsentieren. Aus der griechischen Presse war zu vernehmen, dass die Kölner den griechischen Nationalspieler schon länger auf dem Schirm hatten – in der deutschen Medienlandschaft kam das Gerücht erst kurz vor der Bestätigung des Vereins auf. Ungewöhnlich, gab es in den vergangenen Wochen doch jenseits des Limnios-Transfers viele Wasserstandsmeldungen zu den diversen Gerüchten zu lesen.

Doch nun ist es dem 1. FC Köln gelungen, einen Deal einzufädeln, mit dem viele vor dem Auftauchen der ersten Gerüchte nicht gerechnet hatten. Zwar mussten die „Geißböcke“ nach einem positiven Coronatest beim Griechen noch etwas warten, aber jetzt ist Limnios endgültig ein Kölner. Nach dem Ausfall von Flügelspieler Florian Kainz, der sich in den vergangenen Monaten zu einem wichtigen Baustein in der Kölner Offensive entwickelt hatte, bestand auf den offensiven Außenbahnen definitiv Handlungsbedarf. Mit Tim Lemperle, Jan Thielmann und Marvin Obuz verfügt Markus Gisdol zwar neben Platzhirsch Ismail Jakobs über drei Optionen, die allesamt talentiert, aber eben auch erst 18 Jahre alt sind. Etwas erfahrener ist Christian Clemens, der allerdings nach seiner langen Verletzungszeit gerade erst wieder seine Form aufbaut. Dominick Drexler ist zwar auch auf den Außen einsetzbar, ihm fehlt allerdings das Tempo für Gisdols Umschaltfußball. Mit Limnios ergänzt nun ein junger, aber gleichwohl erprobter Spieler den Kader – trotz seiner erst 22 Jahre hat er bereits 160 Spiele als Profifußballer bestritten.

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Über Athen nach Thessaloniki und zum Double 2019

Geboren wurde Dimitris Limnios als Sohn eines Griechen und einer Brasilianerin im Jahr 1998 in der Hafenstadt Volos, die ziemlich genau auf halber Strecke zwischen Thessaloniki im Norden und Athen im Süden liegt. Beide Städte spielen für den heute 1,78 Meter großen Limnios eine große Rolle in seiner Biographie: Als 14-Jähriger wechselte er im Jahr 2012 zu Atromitos nach Athen, wo er nur zwei Jahre später als 16-Jähriger sein Profidebüt feiern durfte. Bis heute ist er der drittjüngste Fußballer, der jemals in der Super League eingesetzt wurde. Im Sommer 2017 wechselte er nach 33 Erstliga-Spielen und einem Treffer zu PAOK in den Norden. Für den damals 19 Jahre alten griechischen U-Nationalspieler bezahlte der mittlerweile dreifache griechische Meister 900.000 Euro an Ablöse. Offenbar eine durchaus berechtigte Summe, denn im Jahr 2015 führte ihn die englische Zeitung Guardian als einen der 50 besten Spieler des Jahrgangs 1998. Drei Jahre später listete ihn wiederum die italienische Zeitung Tuttosport als einen der Kandidaten für den „Golden Boy“ – hier gehörte Limnios zu den besten 100 Spielern unter 21 Jahren. Die Auszeichnung erhielt dann niemand Geringeres als der spätere französische Weltmeister Kylian Mbappé.

Dimitris Limnios im Duell mit einem Gegenspieler von AEK Athen | Foto: SAKIS MITROLIDIS/AFP via Getty Images)

Bei PAOK sammelte er in den darauffolgenden beiden Saisons jeweils mehr als 20 Erstliga-Spiele, wenngleich seine Bilanz an Treffern und Vorlagen (1/1) einigermaßen überschaubar blieb. Am Ende der Saison 2018/2019 feierte er aber als wichtiges Kadermitglied das Double aus Meisterschaft und Pokal in Griechenland, in der Liga blieb sein Team gar ungeschlagen. „Ich bin von zuhause weggegangen, als ich jung war und habe meinen Traum verfolgt. Die Tatsache, dass ich mit 20 das Double mit PAOK gewinnen kann, ist etwas sehr Wichtiges für mich“, sagte er damals. „Ich mag wohl davon geträumt haben, das alles bei PAOK zu erleben, aber ich habe sicherlich nicht damit gerechnet, es so früh zu erreichen. Ich fühle mich reich gesegnet von dem, was mir passiert“, ergänzte der griechische Nationalspieler, der bereits 2018 sein Debüt in der „Ethniki“ gegeben hatte. Ab Oktober 2019 war er nach einigen Einsätzen bei der griechischen U21 dann dauerhaft in der höchsten Fußballauswahl der Hellenen dabei.

Beraten wird Limnios von der Lian Sports Group, an der der einflussreiche Spielervermittler Fali Ramadani beteiligt ist. Ramadani ist es bereits mehrfach gelungen, Spieler aus eher nachrangigen europäischen Ligen in den großen europäischen Ligen zu platzieren. Im derzeitigen Kölner Kader berät die Lian Sports Group zusätzlich noch Mittelfeldspieler Ellyes Skhiri.

Ein Flügelspieler mit Tricks und Tempo

Die vergangene Saison war bisher Limnios‘ beste: in 26 Erstliga-Spielen sammelte er zehn Scorerpunkte (vier Tore und sechs Assists), PAOK landete auf Rang zwei. Nach der kurzen Sommerpause war Limnios bereits in der CL-Quali gegen Besiktas (3:1) im Einsatz, für die griechische Nationalmannschaft spielte er jeweils 90 Minuten gegen Slowenien und den Kosovo. Beim 2:1-Auswärtssieg in Priština traf der Offensivallrounder früh im Spiel per Rechtsschuss zum 1:0, wurde am Folgetag wurde jedoch positiv auf Covid-19 getestet, wodurch sich seine Reise zum neuen Klub nach Köln verzögerte. Die erhoffte Soforthilfe für die „Abteilung Attacke“ des 1. FC Köln wird daher erst einige Tage später als geplant ins Mannschaftstraining mit den neuen Kollegen einsteigen werden.

Diese können sich auf einen rechtsfüßigen Außenbahnspieler freuen, der in gewisser Weise an Cristiano Ronaldo erinnert: Vielleicht nicht ganz vom Potenzial her, aber zumindest von den Anlegen und der Abenteuerlust auf dem Feld. Als Limnios in Volos aufwuchs und das Fußballspielen erlernte, spielte Cristiano bereits bei Manchester United und war damals ein anderer Spielertyp als heute. In jedem Fall gab es damals bereits jede Menge Highlight-Clips im Internet, auf dem die spektakulärsten Aktionen des heutigen mehrfachen Weltfußballers zu bewundern waren. Auf dem Flügel suchte Ronaldo schnell die Eins-gegen-Eins-Duelle  und wandte dort, durchaus mutig, auch den ein oder anderen Trick an. Der Kölner Neuzugang dürfte sich dabei schon an diesem Vorbild orientiert haben – das fällt auf, wenn man sich Spielszenen von ihm anschaut.

Leistungsdaten und Konstanz sind durchaus ausbaufähig

Als Flügelspieler, der bisher am häufigsten auf der rechten Seite eingesetzt wurde, gehören Tempo und Dribbling wahrscheinlich zu Limnios‘ größten Stärken. Bei seinen Auftritten im PAOK-Trikot fiel auf, dass er mit Ball am Fuß sofort den Weg Richtung Tor (für den Abschluss) oder Grundlinie (für eine Hereingabe) suchte. Aufgrund seiner Beschleunigung schafft er es meistens durch einfache Körpertäuschungen, am Gegenspieler vorbeizukommen, um dann eine Anschlussaktion zu initiieren. Zu seinem Repertoire gehören aber auch anspruchsvollere Tricks und Finten (Übersteiger, Tunnel, Hackentricks), die er sich vielleicht von Cristiano Ronaldo abgeschaut hat. Bei PAOK profitierte er unter anderem davon, dass Léo Matos als offensiv ausgerichteter Rechtsverteidiger ebenfalls sehr unternehmungslustig im Angriff war – das Absichern der entstehenden Räume gehörte für Limnios daher auch zu den Aufgaben.

Auffallend: Der Rechtsfuß versucht, vor seinen Hereingaben (ob flach in den Rückraum oder Flanke) auch unter Gegnerdruck den Kopf zu heben, um die Optionen in der Mitte auszuloten und einen planlosen Ball zu vermeiden. Eigene Tore erzielt er meistens durch gutes Timing am zweiten Pfosten per Fuß oder Kopf – auch wenn die absoluten Zahlen noch ausbaufähig erscheinen. „Ich glaube, in dieser Saison (Anm.d. Verf.: 2019/2020) war ich allgemein besser als in der letzten. Meine Zahlen sind besser. Ich habe definitiv Raum für Verbesserungen. Ich muss Stabilität in meiner Leistung schaffen“, bilanzierte Limnios im Sommer. Fortan wird er in Köln an den eigenen Fähigkeiten arbeiten, seine erste Station im Ausland stellt ihn daher vor mehrere Herausforderungen. In einer Mannschaft, die sich augenscheinlich sowieso noch finden muss, dürfte Limnios bereits einen Großteil der Aufgaben im Offensivspiel schultern.

Wenn es ihm gelingt, sich schnell in Deutschland einzuleben, könnte er mit seinen Fähigkeiten dazu beitragen, dass der 1. FC Köln schnellen Umschaltfußball nach vorne spielt. Sebastian Andersson als gesetzter Stürmer könnte daher wahrscheinlich die rechte Seite als Versorgungsweg hinzubekommen, wenn Limnios sich gegen die Konkurrenz durchsetzt. Blendet man die für den FC hohe Ablösesumme und die coronabedingt herausfordernden ersten Tage nach dem Wechsel aus, könnte sein Engagement in der Domstadt möglicherweise aber ganz spannend werden. Denn mit der kreativen und temporeichen Spielweise des Griechen bekommt der Kölner Kader auf jeden Fall ein wenig mehr Flair.

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