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Maach et joot, Bundesliga: Der Schlussakkord einer beschissenen Saison erklingt für den 1. FC Köln beim VfL Wolfsburg. Für den effzeh geht es um nichts mehr, für die „Wölfe“ umso mehr.

Schluss jetzt, es gibt nichts mehr. Das sind die Worte, die wohl kein geübter Trinker in seiner Stammkneipe hören will. Wenn die Standardantwort „Wat sull dä Quatsch?“ nicht zieht, bleibt nur hartnäckiges Betteln – inklusive Gegenangeboten, man will ja schließlich nicht unverschämt auftreten. Komm, einen kriege ich noch, dann bin ich aber auch endgültig durch die Tür. Gebettelt hat der 1. FC Köln in dieser Saison auch lange genug, eher darum gehen zu müssen denn bleiben zu dürfen, aber auch für die „Geißböcke“ ist nun langsam Schluss. Am abschließenden Spieltag einer wirklich beschissen gelaufenen Saison hat der effzeh die Ehre, beim VfL Wolfsburg gastieren zu dürfen.

Während in Köln der Abstieg schon besiegelt ist, die Planungen auf die 2. Bundesliga ausgerichtet sind und selbst der größte Träumer akzeptiert hat, in der kommenden Spielzeit nach Magdeburg statt nach München zu reisen, geht es für die „Wölfe“ noch um alles. Sowohl der direkte Abstieg als auch der Klassenerhalt ist für den Tabellen-16. noch im Bereich des Möglichen. In der eigenen Hand hat der VfL den Verbleib in der Bundesliga nur noch über den Umweg der Relegation.

Ein Zähler reicht dem VfL Wolfsburg – zur Relegation

Verliert der effzeh in der Autostadt, dann müssen die Niedersachsen nach Freiburg schauen, wo der Sport-Club den FC Augsburg begrüßt und den entscheidenden Punkt holen möchte, um letztlich am rettenden Ufer zu bleiben. Von hinten versucht sich bekanntermaßen der Hamburger SV am nächsten Wunder, ist dabei aber auf Schützenhilfe des 1. FC Köln angewiesen: Nur bei einem effzeh-Sieg in Wolfsburg hat der HSV überhaupt noch eine realistische Möglichkeit.

Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images

Knifflige Situation – und der glorreiche 1. FC Köln diesmal emotional unbeteiligt: Nach dem euphorischen Europapokal-Einzug im Mai 2017 zog es der effzeh in diesem Jahr vor, schon frühzeitig klar Schiff zu machen. Doch austrudeln lassen möchten die Schützlinge von Trainer Ruthenbeck die Spielzeit auch am letzten Spieltag nicht. „Wir haben mit unserer Leistung beim Abstiegskampf mitzureden, aber jeder ist für sich selbst verantwortlich, was an diesem Spieltag passiert. Wir möchten vor allem für unsere Fans, die uns die ganze Zeit treu geblieben sind, versuchen, ein gutes Spiel abzuliefern und wir möchten zeigen, dass in der Liga mehr möglich war“, betonte der effzeh-Coach in seiner letzten Pressekonferenz als Cheftrainer der „Geißböcke“.

FC-Torwart Timo Horn: „Wir stehen auf keiner Seite“

Auch Timo Horn unterstreicht den Aspekt, die Anhänger für ihre großartige Unterstützung zu belohnen: „Wir wollen für unsere Fans ein gutes Spiel machen“, sagt der effzeh-Keeper, der am Spieltag seinen 25. Geburtstag feiert. Die Ausgangslage der Wolfsburger spielt dabei keine Rolle: „Das wird nicht in unseren Köpfen schweben. Wir stehen auf keiner Seite.“

Wir wollen für unsere Fans ein gutes Spiel machen. Die Wolfsburger Situation wird nicht in unseren Köpfen schweben. Wir stehen auf keiner Seite.

Mehr als ein besseres Schaulaufen unter Wettbewerbsbedingungen wird es für die Kölner Fraktion (verzichtet werden muss auf die verletzten Matthias Lehmann, Sehrou Guirassy und Jhon Cordoba) auf dem Platz allerdings nicht werden, wenngleich der effzeh einen Minusrekord abwenden könnte: Weniger als 23 Punkte (Saison 2003/04) holte der glorreiche 1. FC Köln noch in keiner Bundesliga-Saison. Um diese Marke zu erreichen, würde ein Remis reichen, auch wenn das Torverhältnis dann immer noch für die schlechteste effzeh-Spielzeit der Geschichte spräche.

Verunsicherung pur beim VfL Wolfsburg

Ob das die bessere Voraussetzungen sind gegenüber einer total verunsicherten Wolfsburger Mannschaft, werden vermutlich schon die ersten Minuten in der niedersächsischen Ödnis zeigen. Beim VfL zeigt die Formkurve dramatisch nach unten: Trotz des Trainerwechsels von Martin Schmidt zu Bruno Labbadia konnten sich die „Wölfe“ nicht aus dem Abstiegskampf befreien – es droht nach drei deutlichen Niederlagen in Serie der erste Bundesliga-Abstieg der Vereinsgeschichte.

COLOGNE, GERMANY - DECEMBER 16: Jeffrey Bruma of Wolfsburg gets past the tackle from Tim Handwerker and Marco Hoger of FC Koeln during the Bundesliga match between 1. FC Koeln and VfL Wolfsburg at RheinEnergieStadion on December 16, 2017 in Cologne, Germany. (Photo by Dean Mouhtaropoulos/Bongarts/Getty Images)

Foto: Dean Mouhtaropoulos/Bongarts/Getty Images

Der Druck ist groß beim Werksclub, der seit 1997 erstklassig spielt: Schon in der vergangenen Spielzeit konnten sich die Wolfsburger erst über den Umweg der Relegation retten, auch diesmal könnte es zu einem Duell mit dem Dritten der 2. Bundesliga kommen. In der Autostadt liegen die spärlichen Hoffnungen auf dem angeschlagenen Daniel Didavi – und Coach Bruno Labbadia, der auf seine Erfahrungen aus Hamburger Zeiten baut.

Maach et joot, Bundesliga!

„Ich kenne solche Situationen, wie wir sie gerade haben. Ich konnte diese schon des Öfteren meistern und habe einen Plan, wie wir an das Spiel herangehen. Wir sind gefordert. Wir wissen, was zu tun ist. Beim 1. FC Köln bewerte ich nicht die Tabellensituation, sondern die letzten Spiele und sie haben die letzten Wochen sehr gut gespielt. Aber letztlich muss es uns egal sein, wer der Gegner ist. Wir müssen die Situation annehmen“, erklärte der ehemalige Kölner Profi vor dem Duell gegen seinen Ex-Verein, den er im Herbst beinahe übernommen hätte.

Während es also für Wolfsburg darum geht, zumindest die Verlängerung der eigenen Saison abzusichern, bestellt der effzeh definitiv die letzte Bundesliga-Runde – zumindest für ein komplettes Jahr, vielleicht allerdings auch mehr. Aus der Stammkneipe wird dann der Sehnsuchtsort, an dem Verein und Fans endlich wieder hinwollen. An die Theke, an der das wahre Leben spielt. Köbes, schenk noch einmal ein. Es war nicht immer schön, aber es war immer interessant. Wir haben gezittert, wir haben gejubelt, wir haben gelacht, wir haben geweint, wir haben geflucht und wir haben gesungen. Jetzt ist Schluss – für eine gewisse Zeit: Maach et joot, Bundesliga!

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