ANZEIGE

Der 1. FC Köln startet nach dem Abstieg als Favorit in die Zweitliga-Saison. Doch ob Mannschaft und Umfeld dieser Rolle gewachsen sind, muss sich erst noch zeigen. Ein Kommentar.

Die Botschaft beim Trainingsauftakt des 1. FC Köln war klar und deutlich: Die verkorkste Vorsaison ist Geschichte, jetzt geht es mit Vollgas daran, den überflüssigsten Abstieg der Vereinshistorie wieder auszubügeln und die direkte Rückkehr in die Bundesliga in Angriff zu nehmen. Knapp 1.000 Fans hatten den Weg ans Geißbockheim gefunden – und waren größtenteils ebenfalls bester Laune. Von Euphorie war zwar wenig zu spüren, doch nach einem schweren Jahr fürs sonnige kölsche Gemüt war wieder Optimismus beim effzeh zu spüren. Das Motto: Volle Kraft voraus, kein Blick zurück!

Doch so ganz wollte sich der Schatten der Vergangenheit nicht lösen vom Geschehen im Hier und Jetzt: Einen stärkeren Kader als in der Vorsaison hätten die „Geißböcke“ zur Verfügung, attestierte sich Armin Veh selbst ein positives Zeugnis vor dem Saisonstart. Dass allerdings die Fehler aus den Vorjahren weiterhin um das Geißbockheim präsent sind, hat auch mit dem neuen starken Mann beim effzeh zu tun. Hatte Veh noch vor einigen Wochen davon gesprochen, für die linke offensive Seite einen Neuzugang präsentieren zu wollen, der „die Rolle sofort übernehmen kann“, ist davon mittlerweile in Köln keine Rede mehr. Nach dem vergeblichen Werben um Joseph Paintsil, bei dem die Kölner je nach Lesart aus dem Poker freiwillig ausgestiegen oder aber angesichts der Konkurrenz schlichtweg chancenlos waren, ruht der Decksteiner Weiher im Grüngürtel still, was potenzielle Neuzugänge anbetrifft.

>>> Trainingsauftakt beim 1. FC Köln: Optimistisch in die Mission Wiederaufstieg

Doch kein Neuzugang auf der offensiven Außenbahn?

Das könnte, mit Blick auf die jüngere Vergangenheit des ehemaligen Europa-League-Teilnehmers, zur Wiederholung eines fatalen Fehlers werden. Bereits in den Vorjahren hatte der effzeh Baustellen im Kader unbearbeitet gelassen und ging auf diversen Positionen nur ungenügend besetzt in die Spielzeiten. Auf das erfolglose Tauziehen um Salif Sané folgte bis heute keine Verpflichtung eines körperlich robusten und kopfballstarken Sechsers, auf der rechten Abwehrseite wurde (bis auf ein unerwartetes Zwischenhoch von Lukas Klünter) zwei Jahre lang erfolglos improvisiert und auf den offensiven Außenbahnen verließen sich die Verantwortlichen in den Planungen nahezu ausschließlich auf die verletzungsanfälligen Stammkräfte Marcel Risse und Leonardo Bittencourt. Die Baustelle hinten rechts wurde bearbeitet, aber eine Reihe davor bleibt es problematisch: Bis auf Risse steht weiterhin kein klassischer Flügelspieler von Format zur Verfügung – für die Ansprüche rund um den effzeh ein dürftiger Zwischenstand zum Vorbereitungsstart.

💪🏻 Zurück bei der Arbeit: Trainingsauftakt der #effzeh-Profis

Ein Beitrag geteilt von 1. FC Köln (@fckoeln) am

Allen Beteuerungen, dass sich bis zum Ende des Transferfensters am 31. August noch einiges tun könnte, zum Trotz: Der Kölner Kader ist bis auf kleine Korrekturen bereits komplett – die Planungssicherheit, die eigentlich seit Anfang Dezember herrscht, konnte Armin Veh größtenteils nutzen. Es sei nun sein Kader, an dem er sich messen lassen müsse. Dennoch sind die Verfehlungen der Vergangenheit noch längst nicht passé, die Zusammenstellung der Mannschaft wirkt weiterhin recht unausgegoren. Markus Anfang bekräftigte noch einmal, dass er an seinen Vorstellungen, was Trainingsarbeit und System anbetrifft, auch in Köln festhalte wolle. Zweifel, ob allerdings der Kader zu seiner aus Kiel bekannten Grundordnung mit zwei Viererketten und einem Sechser dazwischen sowie einem Mittelstürmer davor passt, sind mit Blick auf die vorhandenen Spielertypen beim effzeh durchaus angebracht.

Keine Torgefahr aus der hinteren Reihe?

Als Mann vor der Abwehr steht allein der erfahrene Marco Höger zur Verfügung, ein gänzlich anderer Vertreter als Kiels Kinsombi, der dort mit Athletik und körperlicher Präsenz punktete. Im Angriff dagegen tummeln sich gleich vier Kandidaten für einen Platz: Während Simon Terodde bereits in der 2. Bundesliga sein Können als einzige Sturmspitze nachgewiesen hat, gelten sowohl Sehrou Guirassy als auch Jhon Cordoba und Simon Zoller als Angreifer, die eher in einem Zweiersturm ihre Qualitäten ausspielen können. In der Viererreihe dahinter bleibt die Frage nach der Torgefahr: In Kiel konnte Anfang darauf bauen, dass auch die Offensivkräfte im Mittelfeld entsprechend liefern. Kingsley Schindler und Dominick Drexler zeichneten jeweils für zwölf Treffer verantwortlich, dazu kam Steven Lewerenz noch auf acht Tore. Quoten, die kaum ein Mittelfeldakteur beim effzeh aktuell erwarten lässt.

COLOGNE, GERMANY - NOVEMBER 23: Timo Horn of FC Koeln celebrates after the UEFA Europa League group H match between 1. FC Koeln and Arsenal FC at RheinEnergieStadion on November 23, 2017 in Cologne, Germany. (Photo by Dean Mouhtaropoulos/Getty Images)

Foto: Dean Mouhtaropoulos/Getty Images

Viele Fragezeichen zum Vorbereitungsstart, die es zu Ausrufezeichen umzuwandeln gilt, wollen die „Geißböcke“ ihrer durchaus berechtigten Favoritenrolle in der kommenden Saison gerecht werden. Es werde in der 2. Bundesliga kein Selbstläufer, betonte auch Timo Horn noch einmal – und schien dabei auch die Erwartungshaltung der Fans im Fokus zu haben. Der Aufstieg gilt bei vielen Anhängern bereits als ausgemachte Sache, Transfers werden schon mit Blick auf ihre Erstligatauglichkeit bewertet. Das könnte, wie so oft in Köln, der zweite Schritt vor dem ersten sein. Nicht nur deshalb dürfte Geduld ein wichtiger Faktor in dieser Saison werden – auf und neben dem Platz. Denn ob das Gemüt des kölschen Publikums noch so sonnig wie zum Trainingsauftakt sein wird, wenn sich das Team gegen tiefstehende Gegner aus Aue, Heidenheim oder Sandhausen schwer tut, wird sich erst noch zeigen müssen.

>>> Timo Horn über den Start: „Froh, dass es wieder losgeht“

Teilen:

Der Kommentarbereich ist geschlossen.

ANZEIGE