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Beim Wintercup in Bielefeld schöpft der 1. FC Köln Selbstvertrauen für die anstehende Rückrunde. Der solide Auftritt beim Kurzturnier brachte einige Erkenntnisse für den effzeh.

Strahlende Gesichter – das war man beim 1. FC Köln lange nicht mehr gewohnt. Beim Wintercup in Bielefeld durften die „Geißböcke“ jedoch zum Start ins neue Fußball-Jahr ein erstes Erfolgserlebnis feiern: Nach Erfolgen gegen Hertha BSC (4:1 nach Elfmeterschießen) und Gastgeber Arminia Bielefeld (1:0) schnappte sich der effzeh den Sieg beim Wintercup des ostwestfälischen Zweitligisten. „Wir freuen uns, dass wir das Turnier gewonnen haben. Jedes positive Erlebnis tut uns gut. Wir haben kein Gegentor aus dem Spiel heraus bekommen und Dinge gesehen, die gut und welche die weniger gut waren. Wir sind aber auf einem guten Weg“, konstatierte effzeh-Coach Stefan Ruthenbeck nach dem Auftritt beim Kurzturnier zufrieden.

Die Eindrücke, die solche Duelle über 2×30 Minuten in der Vorbereitung liefern, sind zwar durchaus begrenzt, da sowohl die „Geißböcke“ als auch die Gegner mit teilweise wild zusammengewürfelten Aufstellung agierten, dennoch brachte die Reise nach Ostwestfalen einige Erkenntnisse, die den effzeh in der Rückrunde sicherlich weiterhelfen werden. Ruthenbeck setzte bei beiden Duellen auf unterschiedliche Formationen, 26 Profis kamen eine Woche vor dem Bundesliga-Auftakt gegen Borussia Mönchengladbach zu begrenzter Spielpraxis. Simon Terodde kam erstmals nach seiner Rückkehr zum effzeh zum Einsatz, Jonas Hector, Simon Zoller, Claudio Pizarro und Yuya Osako feierten ihr Comeback nach gesundheitlicher Abstinenz.

Auf Augenhöhe mit Berlin

Mit besonderem Interesse dürfte die Partie gegen Hertha BSC betrachtet worden sein, gegen den Ligakontrahenten ging es im Halbfinale größtenteils auf Augenhöhe zur Sache. Der effzeh zog sich zunächst weit zurück und überließ den Berlinern viel Ballbesitz. Punktuell konnte das Ruthenbeck-Team durch frühe und engagiertes Anlaufen den Gegner in die Bredouille bringen, doch eigene Offensivaktionen waren Mangelware. Terodde in vorderster Front wurde immer wieder als Anspielstation gesucht, war aber noch nicht gut in das Angriffsspiel der „Geißböcke“ eingebunden.

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Mit zunehmender Spieldauer kam der effzeh jedoch deutlich besser in die Partie – und zeigte auch, dass er gegen einen Gegner aus der Bundesliga in der Lage ist, eigene Akzente zu setzen. Insbesondere mit der Hereinnahme des auffälligen Tim Handwerker war die linke Seite der Kölner um Nationalspieler Jonas Hector ein stetiger Aktivposten. Die Konsequenz: Gut herausgespielte Chancen für Simon Terodde und Filip Kusic, die allerdings ungenutzt blieben, konnte der effzeh verzeichnen. Dennoch machte der Auftritt, den das Ruthenbeck-Team durch ein starkes Elfmeterschießen und den Einzug ins Finale beim Bielefelder Wintercup krönte, Mut für die Aufgaben in der Rückrunde.

Neue Flexibilität dank Rückkehrer

Das lag vor allem daran, dass mit Jonas Hector ein spielbestimmender Faktor bei den „Geißböcken“ zurück ist. Allein durch sein Comeback erhöht sich die Qualität im Kader ebenso immens wie die taktischen Varianten, die dem effzeh zur Verfügung stehen. Das wurde im Duell gegen die Berliner deutlich: Hector agierte nominell als Linksverteidiger, war aber sowohl offensiv als auch in zentraler Rolle zu finden. In einer Szene attackierte Hector sogar am gegnerischen Strafraum den Berliner Keeper Jarstein und holte damit einen Einwurf auf der rechten Kölner Seite heraus. Solche Rochaden können in der Rückrunde zu einem wichtigen Mittel im effzeh-Repertoire, dazu wird die spielerische Qualität Hectors besser eingebunden.

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Doch nicht nur die Rückkehr des deutschen Nationalspielers beim Wintercup sorgt für ein besseres Gefühl bei Trainer Ruthenbeck und Co.: Den nach überstandener Oberschenkelblessur wieder einsatzfähige Simon Zoller sieht der neue effzeh-Coach mehr im Zentrum, auch Claudio Pizarro kann und soll seine spielerischen Fähigkeiten in der Rückrunde mehr einbringen. Inklusive der von Ruthenbeck zu den Profis beförderten Akteure wie Filip Kusic, der gegen Hertha einen starken Auftritt hinlegte, oder Chris Führich können die „Geißböcke“ mit einem deutlich besser gefüllten Kader an den Start gehen und verschiedenste Formationen auf den Platz bringen.

Jugend forsch beim 1. FC Köln

Gerade die jungen Spieler nutzten ihre Bewährungschance bei der Generalprobe in Bielefeld: Tim Handwerker kam für die zweite Halbzeit gegen Berlin in die Partie und wirbelte auf der linken Seite zusammen mit Hector die Hertha mächtig durch. Auch Kusic, wie oben geschrieben, nutzte als Rechtsverteidiger in einem eher defensiv orientiertem 4-1-4-1-System den Auftritt beim Bielefelder Wintercup zur Werbung in eigener Sache. In der Abwehrarbeit noch mit kleineren Wacklern schaltete sich der 21-Jährige immer wieder in die Offensive ein und hätte um ein Haar fast in der regulären Spielzeit den entscheidenden Treffer gesetzt.

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Auch wenn beispielsweise Chris Führich gegen Berlin unter seinen Möglichkeiten blieb oder Yann-Aurel Bisseck im Finale gegen die Arminia so seine liebe Mühe und Not mit dem abgezockten Fabian Klos hatte, zeigt sich für Stefan Ruthenbeck: Wenn er auf die Youngster setzt, dann zahlen sie ihm das Vertrauen mit Leistung zurück. Salih Özcan, der gegen Berlin Verantwortung übernahm, ist nach seinen soliden Auftritten in der Liga als auch jetzt in der Vorbereitung aus der ersten Elf nicht mehr wegzudenken. In der Woche vor dem Derby gegen Mönchengladbach scheint es zunehmend darum zu gehen, wer im zentralen Mittelfeld den Platz neben dem Kölner Eigengewächs bekleiden darf.

Anderer Spielstil, gleiche Sorgen

Taktische Flexibilität und überraschende Umstellungen: Das konnte der 1. FC Köln auch unter Peter Stöger bereits. Doch unter seinem Nachfolger Stefan Ruthenbeck kommt ein anderes Element hinzu, dass der Österreicher nicht im effzeh-Spiel verankert hat: Die Mannschaft greift situativ früher und energischer an und versucht den Spielaufbau des Gegners bereits weit in dessen Hälfte zu stören. Das ist kraftraubend und fehleranfällig, sofern noch nicht optimal einstudiert. Den dafür notwendigen Mut zum Risiko beweisen die „Geißböcke“ aber bereits seit der Amtsübernahme des ehemaligen U19-Trainers.

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Doch so sehr sich die Herangehensweisen unterscheiden, die Sorgen dürften unter Ruthenbeck ähnliche wie unter Stöger sein. Die Spielauslösung beim effzeh leidet außerordentlich unter der mangelnden Qualität im Passspiel, dazu bekommt die Mannschaft unter Druck große Probleme bei der Bewältigung der gestellten Aufgaben. Immer wieder gewinnen die „Geißböcke“ zwar durch hohe Intensität und große Leidenschaft den Ball, geben ihn aber durch Ungenauigkeiten und Hektik schnell auch wieder her. Das sorgt insbesondere gegen Gegner auf Augenhöhe wie Berlin für Probleme in der Defensive, wo der effzeh in beiden Parteien einige Schwächen bei Zuteilung, Abstimmung und Raumaufteilung zeigte.

Chancenverwertung bleibt ein Thema

Doch auch im Angriffsspiel offenbarte der Auftritt beim Wintercup in Bielefeld noch einiges an Steigerungspotenzial: Das leidvolle Lied von der Chancenverwertung, das den effzeh die gesamte Saison über begleiten, ist wenig überraschend noch immer ein Thema bei den „Geißböcken“. Ob Simon Terodde, Christian Clemens oder Yuya Osako: Vor dem Tor hat der 1. FC Köln auch vor dem Start in der Rückrunde noch nicht zu einer Selbstverständlichkeit gefunden, die den Traum vom Klassenerhalt befeuern könnte. Auch aus der Distanz und via Standards blieb das Ruthenbeck-Team wenig gefährlich, so dass von einer offensiven Offenbarung noch nicht die Rede sein kann.

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Dennoch: Durch den gefühlvollen Heber von Milos Jojic konnte der effzeh immerhin den ersten Treffer im neuen Jahr und kurz darauf auch den Triumph beim Wintercup in Bielefeld bejubeln. Es könnte ein erster Schritt gewesen sein, doch es zeigte auch auf, dass noch viel Arbeit vor Stefan Ruthenbeck und seinen Schützlingen liegt. Das darf allerdings bei einem Tabellenletzten der Bundesliga vor dem Start in die Rückrunde kaum verwundern. Der neue Konkurrenzkampf, der nach der Rückkehr der zahlreichen Rekonvaleszenten im Kölner Kader herrscht, kann da wenige Tage vor dem richtungsweisenden Derby gegen Borussia Mönchengladbach nur von Vorteil sein.

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