Franz Kremer ist wohl der bekannteste Präsident des 1. FC Köln – sein Name steht stellvertretend für die erfolgreichste Zeit des Vereins. Immer noch wird er von vielen Anhängern verehrt und wenn sein Name fällt, schwingen vor allem Ehrfurcht und Stolz mit. Auch viele Jahre später noch sieht man zu dem Kaufmann hoch, den Weggefährten damals schlicht „Boss“ nannten. Heute jährt sich der Todestag von Franz Kremer zum 50. Mal.

Wir blicken zurück auf sein Lebenswerk, das nicht vom 1. FC Köln zu trennen ist. Jedoch steht der Name Franz Kremer für mehr als den Verein, der ihm so sehr am Herzen lag. Schon früh interessiert sich der am 30. Juli 1905 geborene Franz Kremer für Fußball: 1919 tritt er in den Kölner Ballspiel-Club 01 (KBC) ein, er wird dem Verein bis zur Fusion, die er maßgeblich vorantrieb, die Treue halten. Aber dazu später mehr. Nach dem Zweiten Weltkrieg engagiert sich Kremer im KBC und übernimmt wichtig Aufgaben bei der Wiederorganisation des Vereins.

Im übrigen besteht sein Lebenslauf seit nunmehr fast zwei Jahrzehnten aus Fußball, Fußball und noch einmal Fußball.

Kremer ist ein Arbeitstier: Auch beim 1. FC Köln gilt Franz Kremer als der erste Manager im deutschen Fußball. Er arbeitet – im Gegensatz zu den Managern heute – unentgeltlich. Er widmet sein Leben komplett dem runden Leder. Im Jahr 1966 porträtiert ihn ein Journalist der „Zeit“ – ein besonderes Zeitzeugnis. Kremer sei „von morgens bis abends für seinen Club da“, er lese selten – unterwegs höchstens mal einen Kriminalroman –, er gehe kaum aus. „Er legt jeden Abend vor dem Schlafengehen seine Patience, ißt gern französisch, raucht unablässig schwere Importe, und im übrigen besteht sein Lebenslauf seit nunmehr fast zwei Jahrzehnten aus Fußball, Fußball und noch einmal Fußball.“

Seine andere große Liebe ist seine Ehefrau Lieselotte, die er 1942 in Paris trifft und zwei Jahre später ehelicht. „Ich habe das große Glück gehabt, meine Frau zu heiraten“, sagt er später dem Zeit-Journalisten. Obwohl sie in Bremen geboren wurde, wird sie 1946 Mitglied beim KBC und später zur „Grande Dame“ des 1. FC Köln. Sie hält dem Verein bis zu ihrem Tod im Jahr 2004 die Treue.

Franz Kremer verfolgt seine Vision eines erfolgreichen Kölner Großvereins

1947 läuft der Fußballbetrieb in Deutschland nach dem Krieg wieder an. Die Domstadt ist in der obersten Spielklasse – der Oberliga West – mit zwei Clubs vertreten: nach einer Spielzeit müssen der VfR Köln und Preußen Dellbrück jedoch den Weg in die Bezirksliga antreten. Hier setzt Kremer mit seiner Vision eines erfolgreichen Großvereins an: Er will einen Kölner Verein im Oberhaus etablieren, der nicht nur innerhalb der Stadtgrenzen den Ton angibt, sondern auch um die Meisterschaft mitspielen kann.

Wollt ihr mit mir Deutscher Meister werden?

Dass  „sein“ KBC – Kremer war am 8. Februar 1947 zum Präsidenten gewählt worden – da nicht mithalten kann, war dem gelernten Kaufmann klar. So bemüht er sich um einen weiteren Club, doch der von ihm präferierte SV Union Köln lehnt eine Fusion ab. Der benachbarte Traditionsverein Sülz 07 soll es schließlich werden. Für sein ambitioniertes Vorhaben wirbt Kremer mit der heute noch bekannten Frage: „Wollt ihr mit mir Deutscher Meister werden?“ Und sie wollten. Verbindet die beiden Nachbarvereine bis dahin gesunde Rivalität, so wird am 12. Februar 1948 in der Kneipe „Roggendorf“ die Liebeshochzeit gefeiert. Das Kind: der 1. Fußballclub Köln. Der Präsident heißt Franz Kremer. Bis zu seinem Tod 1967 bleibt er erster Vorsitzender.

Die ersten Erfolge des neugegründeten 1. FC Köln

Man könnte salopp sagen: Der Rest ist Geschichte. Als FC-Fan weiß man jedoch, dass eine solche (Erfolgs-)Geschichte nicht selbstverständlich ist und so wollen wir den kometenhaften Aufstieg der Geißböcke, die damals noch gar keine Geißböcke waren, verfolgen. Der neugegründete 1. FC Köln übernimmt im ersten Jahr den Startplatz von Sülz 07 in der Rheinbezirksliga und schafft nur zwei Jahre nach der Gründung den Aufstieg in die Oberliga West. Beste Spieler und heutige Vereinsikonen sind der kürzlich verstorbene Hans Schäfer und Josef „Jupp“ Röhrig. 1954 wird der 1. FC Köln erstmals Meister in der Oberliga und zieht ins DFB-Pokalfinale ein, was man gegen den VfB Stuttgart verliert.

Der „Boss“ arbeitet akribisch weiter an seiner großen Version

Der als Perfektionist geltende Franz Kremer lässt sich von kurzzeitigen Rückschlägen wenig beeindrucken und arbeitet in den folgenden Jahren systematisch an Mannschaft und Vereinsstrukturen. Seine Akribie dabei gilt schon damals als ungewöhnlich. Kremer ist der unangefochtene erste Mann in Verein, ein strenger Patriarch, der immer eine Meinung hat – und damit nicht hinter dem Berg hält. Kremer gilt als Freund offener Worte und scheut sich nicht, Kritik zu äußern. Spieler und andere Weggefährten nennen ihn den „Boss“, auch weil er sich um seine Spieler kümmert. Für Spieler wie den kürzlich verstorbenen Hans Schäfer ist Kremer ein väterlicher Freund. Er stattet die Spieler nicht nur mit für die Zeit schicken Anzügen aus und schafft ihnen beste Trainingsbedingungen, auch langfristig sorgt der Kaufmann für seine Leute vor: Er kümmert er sich unter anderem um ihre wirtschaftliche Absicherung nach der Fußballkarriere.

>>>Zum Abschied von Hans Schäfer: Ene kölsche Jung vom FC!

Auch in die Infrastruktur investierte der weitsichtige Kremer. Der Vereinspräsident lässt eine hochmoderne Trainingsanlage in den Grüngürtel nahe der Berrenrather Straße bauen. Herzstück des Komplexes ist das Clubhaus, das Geißbockheim, bis heute die Heimat des Vereins. Damals gilt der Komplex als modernste Trainingsanlage, die in ganz Deutschland ihresgleichen sucht. Mit dem Grad der Professionalität ist der 1. FC Köln zukunftsweisend und ein Vorbild für andere Vereine – angesichts der heutigen Situation und den Ausbauplänen des Vereins, die durch Gerichtsverfahren momentan auf Eis liegen, kaum vorstellbar. Befürworter des Ausbaus sagen heute scherzhaft, dass das Duschgel von Franz Kremer noch immer in den heute veralteten Duschen stehen würde. Spuren hinterlassen hat Kremer mit seinem Namen für das kleine Stadion im Grüngürtel, das nach ihm benannt wurde, also in jedem Fall.

Nächste Meisterschaft unter Trainer Zlatko „Tschik“ Čajkovski

1962 erfüllt sich Kremers großer Traum: Unter Trainer Zlatko „Tschik“ Čajkovski wurde der 1. Fußballclub Köln erstmalig gesamtdeutscher Meister, im Endspiel wird der Gegner aus Nürnberg mit 4:0 abgefertigt. Im „Kicker“ heißt es damals: „Der 1. FC Köln erkämpfte, erspielte seine erste Deutsche Meisterschaft mit den Waffen des modernen Fußballs.“ Mehr als 20.000 Menschen feiern die Mannschaft bei ihrer Rückkehr. In der folgenden Saison soll der FC zum ersten Mal das europäische Paket betreten, was in einer 1:8-Klatsche gegen den schottischen Vertreter aus Dundee endet. Auch davon lässt sich der Manager Kremer nicht entmutigen. Er arbeitet bereits an der nächsten Meisterschaft.

In Erinnerung an den ersten großen effzeh-Präsidenten | Foto: Mika Volkmann/Bongarts/Getty Images

Kremer setzt sich für Gründung der Bundesliga ein

Diese wird zum ersten Mal in einer bundesweiten, eingleisigen Runde ausgespielt: Die Fußball-Bundesliga. Mit ihrer Gründung ging einer der größten Träume von Franz Kremer in Erfüllung. Der 1. FC Köln dominiert die Liga von Beginn an und gewinnt mit sechs Punkten Vorsprung souverän den zweiten Meisterschaftstitel. Kremer gilt als einer der „Väter der Bundesliga“, setzt er sich doch maßgeblich für ihre Gründung ein. Auf europäischer Ebene spielt der FC in der Folgesaison erfolgreicher als beim ersten Versuch und schafft es bis ins Viertelfinale, wo man sich nach drei packenden Duellen mit dem FC Liverpool erst nach Münzwurfentscheidung geschlagen geben muss.

11.11.1967: Der Präsident Franz Kremer tritt für immer ab

Am 11. November 1967 reist der FC zum Meisterschaftsspiel nach Frankfurt, einer ist jedoch nicht dabei: Franz Kremer ist schon seit einiger Zeit gesundheitlich angeschlagen und verfolgt die Auswärtsspiele seiner Elf nicht mehr Stadion. Die Nachricht seines Todes trifft die Verantwortlichen, Spieler und Fans nach dem Spiel dennoch hart. Der damals 62-Jährige erliegt während der Live-Übertragung im Radio einem plötzlichen Herztod. Köln und ganz Fußballdeutschland trauern.

Der Vereinspatriarch tritt ab, doch das Andenken an seine Leidenschaft, seinen Einsatz und sein Wirken bleiben heute noch und prägen den Verein, wie wir ihn heute kennen. Ohne Kremers Engagement, ohne seine Weitsicht würde es diesen Verein, den wir alle lieben, wohl nicht geben. Auch die Bundesliga würde in dieser Form nicht existieren. Dass das klubeigene Amateurstadion wie auch die Zufahrtstraße, die das Geißbockheim mit der Berrenrather Straße verbindet, Kremers Namen tragen, sind in Anbetracht seines Vermächtnisses nur kleine, wenn auch schöne, Randnotizen.

Heute vor 50 Jahren starb Franz Kremer, der erste Vereinspräsident des 1. Fußballclub Köln. Ruhe in Frieden.

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1 Kommentar

  1. Schöner Artikel – kleine Korrektur: die Ausbaupläne liegen nicht wegen eines Gerichtsverfahren auf Eis – aktuell erststellt die Stadtverwaltung die Planungsvorgaben für den Ratsbeschluss…

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