Der 1. FC Köln sichert sich mit einem Punkt in Leverkusen ein Finale gegen Mainz 05 – in der eigenen Hand liegt die Qualifikation für Europa allerdings nicht mehr. Muss man deswegen enttäuscht sein? Wohl eher nicht.

Es war zwischenzeitlich Ekstase zu spüren, als der 1. FC Köln im Auswärtsspiel gegen Bayer Leverkusen mit 2:0 in Führung lag. Gerade hatte effzeh-Eigengewächs Lukas Klünter das 2:0 erzielt, die Zeichen standen auf Auswärtssieg – und dann hatte Leonardo Bittencourt die große Chance auf das 3:0. In der 51. schien der Himmel kurzzeitig so nah, denn viele der zahlreichen effzeh-Fans im Stadion hatten den Schuss von Bittencourt bereits im Tor gesehen. Doch Bernd Leno bekam irgendwie noch ein Körperteil an den Ball, der schließlich ganz, ganz knapp vorbeiging. Ob der effzeh auch eine 3:0-Führung an diesem Tag hergegeben hätte, ist natürlich reine Spekulation – Bayer Leverkusen stand zu diesem Zeitpunkt allerdings mehr als mit dem Rücken zur Wand.

[irp posts=“35725″ name=“#B04KOE-Nachspiel: Der Traum lebt weiter – dank Pillen und Horn“]

Ein 2:2 verkleidet als eine Niederlage

Dabei hatten die Gastgeber in beeindruckender Manier gezeigt, dass sie viel zu gut sind für den Tabellenrang, den sie derzeit einnehmen. Timo Horn bezeichnete es im Nachgang als ein „Wunder“, dass seine Mannschaft ohne Gegentor in die Pause ging. Kießling, Chicharito und Konsorten ließen teilweise beste Chancen liegen und der effzeh traf mit einem abgefälschten Schuss – es lief viel, wenn nicht alles für die Mannschaft aus der Domstadt. Dass Leno das 3:0 verhinderte, war in der Nachbetrachtung so etwas wie die spielentscheidende Szene. Kurz darauf verließ der umtriebige und wie immer emsige Bittencourt das Feld, für ihn kam Höger. Zeitgleich brachte Korkut mit Kampl einen Spieler, der in etwas mehr als einer halben Stunde die gesamten letzten Wochen vergessen machen wollte. Die Leverkusener Überlegenheit zahlte sich binnen weniger Minuten aus, die effzeh-Führung war dahin.

Foto: Dean Mouhtaropoulos/Bongarts/Getty Images

Mit etwas Geschick und viel mehr Glück verteidigte der 1. FC Köln dann das Unentschieden. In der Offensive sollte sich nicht mehr viel ereignen: Einzig ein vermeintliches Foul von Anthony Modeste, der schon an seinem Gegenspieler vorbei war, erregte noch einmal die Gemüter. Nach dem Abpfiff wurden dann hektisch alle zur Verfügung stehenden Apps konsultiert, um schnellstmöglich die Endstände auf den anderen Plätzen herauszufinden – Berlin gewann, Freiburg kam nur zu einem Unentschieden gegen Ingolstadt und Bremen verlor. Insgesamt also ein doch mehr als manierlicher Spieltag für den effzeh oder etwa nicht?

Die Mannschaft punktet gegen starke Konkurrenz

Wie sehr die Erwartungshaltung in Köln in den letzten Wochen und Monaten gewachsen ist, zeigte sich einmal mehr im Anschluss an das Spiel. „Noch nicht bereit für Europa“ sahen einige Betrachter den effzeh, „mit einer solchen Leistung fliegt man in der ersten Runde raus“. Davon abgesehen, dass diese Vergleiche mit zukünftigen Spielen komplett hanebüchen sind – seit wann beschwert man sich über einen Punkt in einem Auswärtsspiel bei einer an diesem Tag starken Leverkusener Mannschaft?

Der effzeh hat in den letzten Wochen eindrucksvoll bewiesen, dass er allen Widrigkeiten zum Trotz alles für eine mögliche Qualifikation für den europäischen Wettbewerb unternimmt. Unentschieden gegen aktuelle (Dortmund, Leverkusen) und künftige Champions-League-Teilnehmer (Hoffenheim), dazu das berauschende 4:3 gegen Bremen – die leblosen, lethargischen und indiskutablen Auftritte in Augsburg, Hamburg und zuhause gegen Mönchengladbach sind längst vergessen. Mit Verve, Einsatz und auch etwas Glück hat sich der 1. FC Köln in eine Position manövriert, die einen Spieltag vor Ende eigentlich nicht besser sein könnte.

[irp posts=“35737″ name=“Die besten Fotos von #B04KOE“]

Erst Hausaufgaben machen und dann auf andere hoffen

Foto: Lars Baron/Bongarts/Getty Images

Im Heimspiel gegen den bereits geretteten 1. FSV Mainz 05 hat die Mannschaft von Peter Stöger nun die einmalige Chance, sich mit einem Sieg in eine glänzende Ausgangsposition zu bringen. Auch in der Schule kann man nicht darauf hoffen, einfach durch den Lehrer gute Noten zu bekommen – in erster Linie muss man seine Hausaufgaben selbst machen. Mit der Unterstützung des Stadions drei Punkte gegen Mainz holen, egal wie – und anschließend wird geschaut und gerechnet.

Die Blicke werden sich dann gen Berlin und München richten: In Berlin spielt die Hertha gegen Leverkusen, in München empfangen die Bayern den SC Freiburg. Gewinnen Berlin und Freiburg, verbleibt der effzeh auf Rang sieben und muss auf einen DFB-Pokalsieg des BVB hoffen. Gewinnt zumindest Freiburg nicht in München (jetzt keine total unrealistische Geschichte), springt der 1. FC Köln auf Rang sechs und geht damit der Qualifikation für die Europa League aus dem Weg, sollte der BVB tatsächlich den Pokal gewinnen. Bei einer Niederlage der Berliner wäre sogar Rang fünf noch im Bereich des Möglichen.

Dass man sich in Köln in dieser Saison überhaupt mit solchen Dingen beschäftigen darf, wurde von den Protagonisten mit fortlaufender Zeit immer wieder angepriesen. Es ist für einen Verein wie den 1. FC Köln eben nicht selbstverständlich, auf einer solchen Position in der Tabelle zu stehen. Das forscheste Saisonziel war es dann auch, sich im Mai in eine gute Position zu bringen, um im Rennen um Europa noch ein Ass im Ärmel zu haben. Das hat der effzeh jetzt mit dem Heimspiel gegen Mainz – dort kann tatsächlich etwas ganz Großes geschafft werden. Das Ziel eines europäischen Wettbewerbs, erst als Luftschloss abgetan, ist mittlerweile zu einer tatsächlichen, belegbaren Möglichkeit geworden. Wenn Ereignis A und Ereignis B stattfinden, tritt Ereignis C ein. Wahnsinn!

Foto: Lars Baron/Bongarts/Getty Images

Wie 2008: Stadt, Verein und Fans müssen zur Einheit werden

In der kommenden Wochen werden viele Erinnerungen daran wach werden, wie der 1. FC Köln im Aufstiegskampf der Saison 2007/2008 am 33. Spieltag ein entscheidendes Heimspiel hatte. Zu Gast war der FSV Mainz 05, Verfolger des effzeh und trainiert von Jürgen Klopp. Bei fast tropischen Temperaturen sorgte Roda Antar mit seinem Doppelpack dafür, dass der 1. FC Köln nach zwei Jahren Abstinenz wieder in die Beletage des deutschen Fußballs zurückkehren durfte. Man kann sich noch sehr gut daran erinnern, wie die von Christoph Daum zusammengestellte Mannschaft mit der Stadt zusammenwuchs, die Fans das Müngersdorfer Stadion mit einer elektrisierenden Stimmung versahen und schließlich, als der große Erfolg feststand, eine gigantische Party losbrach.

Es wird also Aufgabe aller effzeh-Fans, egal ob im Stadion, davor, dahinter, in Kneipen, im Garten oder im heimischen Wohnzimmer sein, der Mannschaft Unterstützung zu geben. Die Jungs verdienen es, auch nach einer schlechten Aktion gepusht zu werden, damit man auch beim nächsten Pass wieder mutig ist. Jegliches Murren oder gar Pfiffe wären absolutes Gift. Schreiben wir Geschichte!

Teilen:

Der Kommentarbereich ist geschlossen.