Beim Werben um Horst Heldt zieht der 1. FC Köln die Reißleine – und steht öffentlich ziemlich angeschlagen da. Auch neben dem Platz präsentieren sich die „Geißböcke“ nicht bundesliga-tauglich.

Um kurz nach 16 Uhr hatte die Posse endgültig ein Ende: „Der 1. FC Köln beendet die Gespräche mit Horst Heldt“, ließ das Bundesliga-Schlusslicht, das in den letzten zwei Wochen vehement um die Dienste des Sportdirektors von Hannover 96 gebuhlt hatte, verlauten. Am Donnerstagmorgen hatten die „Geißböcke“ dem ehemaligen Kölner mitgeteilt, dass er für die zur Rückrunde zu besetzende Position des Sportgeschäftsführers keine Option mehr sei. Da eine Freigabe bei den Niedersachsen offensichtlich nicht infrage kam, wurden die Gespräche mit Heldt gestoppt. „Aus Respekt vor Hannover 96“, wie der effzeh in der Pressemitteilung noch betonte.

Damit steht der 1. FC Köln über einen Monat nach der überraschenden Demission von Jörg Schmadtke weiterhin ohne neuen Frontmann da. Angesichts der desaströsen sportlichen Bilanz und der harschen Worte, die Peter Stöger auf der vor dem Bekanntwerden des Gesprächsabbruchs mit Horst Heldt durchgeführten Pressekonferenz fand, ist das ein weiterer Baustein der Kölner Krise. Nicht nur, dass der Verein den offensichtlichen Wunschkandidat für die Schmadtke-Nachfolge nicht abbekommen hat, er bekam stattdessen ordentlich Kratzer ab im bereits befleckten Erscheinungsbild in diesen Tagen. Das frühzeitige Bekanntwerden des Interesses, das fremdschämige Interview mit Toni Schumacher, die öffentliche Absage an Horst Heldt, die nach dessen Nicht-Entscheidung für den effzeh eher wie schlechtes Verlieren wirkte: All das passt nicht zum 1. FC Köln der letzten fünf Jahre.

Öffentlich am Nasenring durch die Manege gezogen

So wirkt der Klub derzeit auf und neben dem Platz völlig planlos – wie ein billiger Abklatsch der jüngsten Vergangenheit. Statt die Geschäfte in aller Ruhe nicht-öffentlich durchzuführen ließ sich der effzeh auf der Suche nach der bestmöglichen Besetzung des Postens am Nasenring durch die Manege ziehen. Clever nutzte Heldt die Ausgangssituation zu seinen Gunsten aus: Anstelle des Postens beim Bald-Absteiger in Köln ist der ehemalige Sportchef des VfB Stuttgart und von Schalke 04 nun in gestärkter Position in Hannover unterwegs. Heldt hat offensichtlich hoch gepokert – und bei 96 den Jackpot abgeräumt. Umso heuchlerischer wirkt daher sein konfuser Auftritt in den letzten Tagen: Das Interesse seines „Heimatvereins“, der für ihn aus mehreren Gründen eine besondere emotionale Bedeutung“ habe, schien für ihn mehr Mittel zum Zweck denn realistische Alternative.

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Der große Verlierer bei dieser Farce ist letztlich der 1. FC Köln, der sich – nicht aus eigenen Stücken – in der Öffentlichkeit zum Werben bekennen und dennoch die nächste bittere Niederlage einstecken musste. Das Auftreten der „Geißböcke“ in dieser Seifenoper war – analog zu den Leistungen auf dem Rasen – allerdings auch alles andere als bundesliga-tauglich und hat die weitergehende Suche nach einem möglichen Frontmann im sportlichen Bereich sicher nicht einfacher gemacht. Auch an anderen Kandidaten auf diesen Posten dürften die Geschehnisse der letzten Tage nicht spurlos vorbeigegangen sein. Ausgedribbelt beim Eiertanz: Das muss auch ein kommender Zweitligist in der größten sportlichen Krise seit Ewigkeiten erst einmal hinbekommen.

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