Der 1. FC Köln steht vor richtungsweisenden Wochen. Das Auswärtsspiel in Mainz ist der richtige Zeitpunkt, um endlich den Schalter umzulegen.

Mitunter müssen sich die Fans des 1. FC Köln wohl kneifen, um zu verstehen, was da passiert ist. Vor knapp einem halben Jahr feierten sich die effzeh-Anhänger nach dem Einzug in den Europapokal die Seele aus dem Leib, freuten sich auf Reise nach Mailand, Teneriffa oder Kopenhagen und ließen ihre Helden noch auf dem Platz hochleben. Das war im Mai 2017 – und im November ist aus der kunterbunten Kölner Welt ein pechschwarzer Albtraum geworden. Noch ohne Sieg in dieser Bundesliga-Saison rangieren die „Geißböcke“ mit lediglich zwei Punkten aus elf Spielen abgeschlagen am Tabellenende.

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Ein halbes Jahr nach dem Schicksalsspiel gegen Mainz, das die erste Europapokal-Teilnahme seit 1992 perfekt machte, steht der effzeh abermals gegen die „Nullfünfer“ vor einer richtungsweisenden Partie. Mit einem Erfolg im von den Medien gerne zum „Karnevalsduell“ hochgejazzten Aufeinandertreffen möchten die Schützlinge von Trainer Peter Stöger im Abstiegskampf neue Hoffnung schöpfen. Die Länderspielpause hat das Team zum Durchatmen genutzt und will nun mit neuem Elan die Trendwende schaffen. „Wir haben uns mental auf die nächsten Wochen und die anstehenden Aufgaben vorbereitet. Die Akkus sind jetzt wieder geladen“, blickt Abwehrchef Dominic Maroh auf die spielfreie Zeit.

Maroh: „Es wird kein großes Abtasten geben“

Die Situation ist so klar wie das Wasser einer abgelegenen Lagune: Der 1. FC Köln braucht dringend drei Punkte, um den Anschluss an das rettende Ufer überhaupt halten zu können. Bereits jetzt hat der effzeh satte sechs Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz. Eine Ausgangslage, die für die Kölner Gefahren birgt: „Die Mainzer wissen, dass wir Letzter sind und wie wichtig dieses Spiel für uns ist. Sie werden auf jeden Fall auf Sieg spielen. Genau wie wir. Es wird kein großes Abtasten geben. Bei uns wird vor allem auch wieder der Kopf gefragt sein. Wir müssen von Anfang an voll da sein. Obwohl wir nur zwei Punkte haben, wollen wir mit breiter Brust in das Spiel gehen“, bleibt Maroh trotz der sportlich prekären Lage optimistisch.

Frankfurt's Finnish goalkeeper Lukas Hradecky (L) and Cologne's Colombian forward Jhon Cordoba vie for the ball during the German first division Bundesliga football match 1 FC Cologne v Eintracht frankfurt in Cologne, western Germany, on September 20, 2017. / AFP PHOTO / PATRIK STOLLARZ (Photo credit should read PATRIK STOLLARZ/AFP/Getty Images)

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Doch woher das Selbstbewusstsein nehmen, angesichts der eigentlich schon recht aussichtslosen Situation? Die Länderspielpause könnte für den effzeh zum richtigen Zeitpunkt gekommen sein, kehren mit Jhon Cordoba und Claudio Pizarro doch zwei zuletzt verletzte Offensivakteure zurück. Zudem konnte in Ruhe und ohne kräftezehrende Dreifachbelastung an den Abläufen gearbeitet werden. Nicht umsonst mahnte Coach Peter Stöger seine Schützlinge zur Ordnung: Das, was die „Geißböcke“ in den vergangenen Jahren so stark gemacht hatte, muss wieder in Fleisch und Blut übergehen und auf den Platz gebracht werden. Bitter jedoch: Dominique Heintz fehlt der Mannschaft bis ins neue Jahr, Leonardo Bittencourt geht, wenn er überhaupt spielen kann, angeschlagen in diese so wichtige Partie.

Der Beginn einer brillanten Aufholjagd

Vielleicht helfen ja tatsächlich die guten Erinnerungen an das letzte Aufeinandertreffen mit den Mainzern: 2:0 hieß es nach 90 Minuten, der effzeh ballerte sich damit ins internationale Geschäft. Die Torschützen damals: Jonas Hector und Yuya Osako. Der erstere muss derzeit verletzt zusehen, wie die „Geißböcke“ einen beispiellosen Absturz hinlegen, der andere läuft seiner Form aus der Vorsaison hinterher. Doch welch eine Ironie wäre es, wenn der sportliche Höhepunkt der letzten 25 Jahre gleichzeitig der Startschuss zum bittersten Niedergang seit langer Zeit gewesen ist. Wir bleiben unverbesserliche Optimisten: Wie der Sieg über die „Nullfünfer“ im vergangenen Mai der Auftakt zur großen Europapokal-Sause wurde, wird nun ein Sieg in Mainz der Beginn einer brillanten Aufholjagd.

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Und eines verspreche ich hier hoch und heilig: Gewinnt der effzeh am Samstag in Mainz, dann schafft er am Ende der Saison auch den Klassenerhalt. Die Feier, die dann losbricht, dürfte zwar nicht ansatzweise so euphorisch werden wie im Mai 2017, dafür wäre die Freude über den Verbleib in der Bundesliga genauso groß wie die beim Erreichen des Europapokals. Also, lieber effzeh: Tu uns den Gefallen und fahr am Samstag den ersten Sieg ein. Es wäre der beste Zeitpunkt, endlich anzuschreiben, wie Peter Stöger es so gern formuliert. Push the button. Wir wiederholen: Push the button!

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