Hitzlsperger erklärt’s

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Nein, Thomas Hitzlsperger spielte (leider) nie für den 1. FC Köln, aber die Worte, die der ehemalige Nationalspieler kürzlich bei einer FIFA-Veranstaltung an Clarence Seedorf richtete, gehen uns alle etwas an.

Die holländische Fußballegende hatte Hitzlsperger im Rahmen einer Podiumsdiskussion gefragt, warum es für homosexuelle Fußballer eigentlich so wichtig ist, über ihre Sexualität zu sprechen und sich zu outen. Heterosexuelle Spieler würden das ja schließlich auch nicht tun, fragte Seedorf den ehemaligen Stuttgarter, der sich kurz nach seinem Karriereende zu seiner Sexualität bekannt hatte. Und Hitzlsperger wusste die passende Antwort… und konnte damit nicht nur Seedorf mehr als überzeugen.

Wir haben mitgeschrieben und den Dialog der beiden Fußballgrößen ins Deutsche übersetzt – inklusive der Antwort von Seedorf. Die fehlt nämlich leider im englischsprachigen Video, das ihr euch oben anschauen könnt. Einen ausführlichen Mitschnitt der Veranstaltung gibt es außerdem hier.

  • Thomas Hitzlsperger:
    „Ich denke, dass es wirklich wichtig ist, weil Fußballer Vorbilder sind und viele Leute Probleme mit ihrer eigenen Sexualität haben. Und gerade weil Fußballer Vorbilder sind, verändern sie etwas, wenn sie darüber sprechen. Jedes Mal wenn ich von einem Spieler lese, der seine Frau betrogen hat – sorry, aber es passiert -, wird über seine Sexualität gesprochen. Jedes Mal wenn ich ins Büro gehe, sehe ich meine Kollegen mit ihren Bilder von ihnen und ihren Partnern und ich sehe direkt, dass sie hetero sind. Warum können heterosexuelle Leute mir erzählen, dass sie hetero sind, wenn ich selbst aber nicht über meine Sexualität reden soll? Ich weiß, es ist auf einer anderen Ebene. Es geht um „Coming Outs“ und die Medien interessieren sich dafür. Ich wusste nicht, wie groß das Interesse sein würde. Aber die Medien haben entschieden, dass es große Neuigkeiten sind. Nicht ich habe das entschieden. Ich habe darüber gesprochen und plötzlich war es ein Riesenthema. Natürlich sagen da viele, dass es das nicht sein sollte. Ich wünschte es wäre kein großes Thema, aber unglücklicherweise ist es das. Und solange das so ist, müssen die Leute sich engagieren und auch andere ermutigen und sagen, dass sie schwul sind. Hoffentlich wird es dann eines Tages kein Thema mehr sein. Darum machen wir das. Nicht um jemanden auf die Nerven zu gehen. Aber da draußen gibt es immer noch so viele Leute, die immer noch nicht verstehen, dass es nicht einfach ist als schwules Kind aufzuwachsen und nicht die Möglichkeit zu haben, mit seiner Familie darüber sprechen zu können. Darum glaube ich, dass wir darüber immer noch reden müssen.“

    Clarence Seedorf:
    „Ich habe eine Menge schwuler Freunde, es geht also nicht darum, dass es mich stört, verstehe mich da nicht falsch. Ich denke, dass das eine bewundernswerte Sache ist. Und es ist das erste Mal, dass ich eine Erklärung wie diese bekomme. Du redest über das große Ganze. Und ich wünsche mir wirklich, dass auch andere eine ähnliche Erklärung geben würden, denn das würde auch das Verständnis der Empfänger verändern. Mein Kompliment, wirklich.“

Da können wir von effzeh.com uns nur anschließen. Denn auch wenn Philipp Lahm gelegentlich noch Spielern meint davon abraten zu müssen, zu ihrer Sexualität zu stehen, hat Hitz‘ hat vollkommen Recht!

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