Die Gegenwart des 1. FC Köln ist erschütternd traurig. Für eine erfreulichere sportliche Zukunft müssen nun auch auf dem Platz die Weichen gestellt werden. Ein Kommentar.

Sagen wir, wie es ist: Der 1. FC Köln ist am Totensonntag endgültig abgestiegen. Nicht rechnerisch. Aber mental. Die Niederlage gegen Hertha BSC, das 13. Bundesliga-Spiel ohne Sieg, das nahezu chancenlose Auftreten hat der Moral rund um die „Geißböcke“ den entscheidenden Stoß über die Klippe hinweg gegeben. Selbst die größten Optimisten glauben angesichts der Herkulesaufgabe, die vor dieser qualitativ so offensichtlich mangelhaft bestückten Mannschaft liegt, nicht mehr an eine realistische Chance auf den Klassenerhalt.

Dieser Konsequenz ins Auge schauen müssen nun auch endlich die Verantwortlichen am Geißbockheim: Diese Saison ist für uns nach etwas mehr als einem Drittel gestorben – und peinliche Reanimationsversuche sollten, wenn möglich, zwingend unterlassen werden. Bei einem für den Klassenerhalt von nun an benötigten Punkteschnitt von 1,5 bis 1,7 Zähler pro Partie (eine Bilanz, die nicht einmal die vergangene Traumsaison hergibt) sollte beim effzeh davon abgesehen werden, irgendwelche Feuerwehrmänner (oder – frauen) ins Rennen zu schicken oder nochmals eine teure Unsinnsaktion wie die Verpflichtung von Claudio Pizarro, des bestbezahlten Mentaltrainers der gesamten Liga, zu starten.

>>> Tiefpunkt gegen Hertha: 1. FC Köln taumelt dem Abgrund entgegen
COLOGNE, GERMANY - NOVEMBER 26: Sehrou Guirassy of Koeln is seen with Yann Aurel Bisseck after loosing the Bundesliga match between 1. FC Koeln and Hertha BSC at RheinEnergieStadion on November 26, 2017 in Cologne, Germany. (Photo by Lars Baron/Bongarts/Getty Images)

Foto: Lars Baron/Bongarts/Getty Images

Im Gegenteil: Es wird Zeit, klare Kante zu fahren und diese Entscheidungen auch dementsprechend zu kommunizieren. Zuvorderst steht die Frage nach dem Trainer: Geht der effzeh mit Peter Stöger trotz der desaströsen Bilanz auch „durch et Füer“, wie es der SC Freiburg beispielsweise mit Christian Streich vorgemacht hat? Oder ist in Köln angesichts der Talfahrt der verständliche Wunsch nach Veränderung zu groß, um einen Neuanfang mit einem unbelasteten Trainer zu widerstehen? Das ist die Kernfrage, der sich der Verein in den kommenden Tagen und Wochen stellen muss. Den Verbleib in der Bundesliga, das sollten selbst die letzten Träumer begriffen haben, kann sich der effzeh abschminken – nun gilt es möglichst frühzeitig die Weichen für die kommende Saison zu stellen.

Klare Kante für die nähere Zukunft

Und da empfiehlt es sich tatsächlich, in diesem aktuellen Tohuwabohu direkt Tabularasa zu machen. Sprich: Schon jetzt auf diejenigen setzen, die in der kommenden Spielzeit der 2. Bundesliga und darüber hinaus den Stamm bilden werden. Junge, hungrige und entwicklungsfähige Spieler wie Tim Handwerker, Nikolas Nartey oder dem gestern überzeugenden Yann-Aurel Bisseck können ab sofort 21 Bundesliga-Spiele lang lernen, Erfahrungen sammeln und sich auf diesem Niveau mit den Gegnern messen, um 2018/19 ein Stück weiter in der Entwicklung zu sein. Der 1. FC Köln wird es brauchen, nach fünf Jahren mit nahezu unverändertem Kader ist ein Umbruch unvermeidlich, auch wenn er durch die Vertragssituation nicht befördert wird. Ihn dennoch in der Bundesliga bereits jetzt anzugehen, wäre ein mutiger Schachzug – den verdienten Akteuren verbleiben meinetwegen ja noch die zwei Pokalbegegnungen in Belgrad und auf Schalke.

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1 Kommentar

  1. Der FC ist nicht Freiburg. Freiburg ist eine im Vergleich zu Köln ruhige, beschauliche Stadt mit einem Fußballverein, der über ein ruhiges, beschauliches Umfeld verfügt, das nicht erwartet, dass der Klub unbedingt in der ersten Liga spielt. Vom eigenen Selbstverständnis her fühlt Freiburg sich auch in der zweiten Liga zuhause – und freut sich, wenn es denn auch für die Bundesliga reicht. In Köln ist das doch ganz anders. Ein Verein mit einer Riesentradition. In jeder der drei Weltmeister-Mannschaften von 1954, 1974 und 1990 standen ein oder sogar mehrere Spieler des FC im Endspiel. Selbst 2014 war ein zumindest gefühlter Kölner, unser Poldi dabei, wenn auch mehr auf der Ersatzbank. Das ist etwas ganz anderes als Freiburg. Was ein Abstieg hingegen für den FC bedeutet, zeigten die Szenen nach dem letzten, dem fünften Abstieg im Kölner Stadion. Das war über alle Maßen bitter und brachte den FC an den Rand des Abgrunds. Mich wundert, wie manche heute einen erneuten Abstieg, den sechsten, sich in ruhiger Gemütsverfassung vorstellen können. Wenn der FC die nächsten 21 Bundesligaspiele so absolviert wie bisher, also weitgehend verliert, dann steht der Klub am Ende der Saison mit sechs Punkten da. Egal mit welchem Trainer, das wäre verheerend. Dann wäre die Hölle los. Oder glaubt jemand, dass die FC-Dauerkarten-Inhaber, die anderen Zuschauer und die Jungs und Mädels, die auswärts mitfahren, in locker-flockiger Fröhlichkeit es hinnehmen werden, wenn der FC Spiel für Spiel in der Weise auftritt wie bisher: Eine Niederlage nach der anderen! Ein deprimierender Auftritt folgt dem anderen! Jede Woche Berichte in den Medien voll von Mitleid und nachher auch von Spott. Unser Team bewegt sich doch in einem Hochleistungssport und nicht irgendwo auf dem Dorf, wo man sich vielleicht überlegen kann, eine Saison herzuschenken und es im nächsten Jahr besser zu machen. Dass Peter Stöger nach vier Jahren guter Arbeit nun am Ende ist, sieht doch jeder. Und mit ihm die Mannschaft. Deshalb ist es vernünftig, einen neuen Trainer zu holen, der die Mannschaft mental wieder aufrichtet und sportlich wieder Leben einhaucht. Auch wenn mit einem neuen Trainer der sechste Abstieg nicht mehr verhindert werden könnte, es wäre ein ganz anderes Bild, wenn der FC mit einer passablen Rückrunde in die zweite Liga ginge und nicht in der furchtbaren Verfassung, in der er sich jetzt befindet. Denn Köln ist nicht Freiburg.