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Fangen wir mit der Pressekonferenz an. Dort sagte Ruthenbeck, dass man nicht gut ins Spiel gekommen sei, weil der Gegner sehr viel Stress bei den eigenen Spielern hervorgerufen habe, weshalb die Ruhe fehlte und Ballverluste hervorgerufen wurden. Die eigene Mannschaft sei nicht spritzig genug gewesen, weshalb Hoffenheim in allen Belangen überlegen war. Ruthenbeck beschrieb, dass das Spiel sich nach etwa 30 Minuten ein wenig veränderte und der effzeh dann durch Standardsituationen zu Chancen kam. Man hätte es allerdings „nicht hingekriegt, das Spiel zum Kippen zu bringen“.

In der Halbzeit seien dann ein paar Dinge angesprochen worden, die anders gemacht werden sollten. Nach wenigen Minuten fiel dann allerdings das 0:2, woraufhin seine Mannschaft dann nicht mehr daran geglaubt hatte. Dann startete Ruthenbeck eher in den analytischen Teil seiner Ausführung: Der Gegner aus Hoffenheim habe unheimlich gut die Tiefe bespielt, seine Mannschaft habe Probleme gehabt, den „Speed“ des Gegners entsprechend zu verteidigen, weswegen es defensiv von seiner Mannschaft „ganz, ganz schlecht“ gewesen sei. Man müsse sich steigern, in allen Bereichen verbessern, um die Klasse halten zu können.

„Dreck fressen und Abstiegskampf leben“: Fehlte es wirklich daran?

Danach schloss er mit einem Rückgriff auf das Spiel gegen Leverkusen, wo seine Mannschaft davon profitierte, in Überzahl gewesen zu sein. Für die Zukunft müsse es seine Mannschaft wieder hinbekommen, „mehr Dreck zu fressen und Abstiegskampf zu leben“, denn nur Fußballspielen reiche nicht. Weiterhin sagte Ruthenbeck nach der Partie gegenüber dem Fachmagazin „kicker“, dass er aus folgendem Grund in der Halbzeit nicht umgestellt habe: „Wir sind mit 0:1 in die Halbzeit gegangen. Ich wollte denen, die für den Derbysieg gesorgt haben, in der zweiten Hälfte nochmal die Chance geben, sich zu zeigen.“

SINSHEIM, GERMANY - MARCH 31: Timo Horn of Koeln looks dejected after the sixth goal of Hoffenheim during the Bundesliga match between TSG 1899 Hoffenheim and 1. FC Koeln at Wirsol Rhein-Neckar-Arena on March 31, 2018 in Sinsheim, Germany.

Foto: Christof Koepsel/Bongarts/GettyImages

Halten wir also fest, dass Ruthenbeck in erster Linie darauf einging, dass seiner Mannschaft die Spritzigkeit und Aggressivität fehlte, um Hoffenheim an diesem Tag beizukommen. Das ist insofern erstaunlich, als dass eigentlich von Beginn an klar war, dass bei der TSG Hoffenheim Spieler in der Startelf stehen würden, die sich gut in Halbräumen bewegen und dann, sofern möglich, ins Tempodribbling gehen – Serge Gnabry hätte man an dem Tag auch nicht in den Griff bekommen, wenn man spritziger und aggressiver gewesen wäre. Deshalb muss man schon die Frage stellen, ob Stefan Ruthenbeck mit seinem 4-4-2 und der Besetzung Koziello/Höger im defensiven Mittelfeld die richtige Wahl wählte.

In-Game-Coaching fehlte komplett

Und selbst wenn er daneben lag: Während des Spiels hätten genügend Möglichkeiten bestanden, um das Ganze zu korrigieren, denn nach 25 Minuten war bereits augenscheinlich, dass der 1. FC Köln gegen das hohe und intensive Pressing der Gastgeber keine Chance haben würde. Der effzeh spielte zielsicher immer wieder die Hoffenheimer Pressingfallen an, woraus dann jede Menge Ballverluste auch in gefährlichen Zonen resultierten. Und da auch das Verarbeiten langer Bälle nicht gelang (Simon Zoller hatte gegen den ehemaligen Kollegen Kevin Vogt nicht den Hauch einer Chance), wäre dort auch eine Stellschraube gewesen, an der man hätte drehen können – vielleicht mit Terodde von Beginn an. Durch den Fokus auf die Spieleröffnung durch den langen Ball wäre man dem Hoffenheimer Pressing etwas mehr aus dem Weg gegangen und hätte den Kampf um die zweiten Bälle intensiviert. Mit dieser Auf- und Einstellung rannte der effzeh sehenden Auges in ein Debakel, woran auch die Einwechslungen von Cordoba und Pizarro nichts ändern konnten.

Den größten Vorwurf kann man Ruthenbeck dann aber in seiner öffentlichen Analyse des Spiels machen: Es reicht nicht aus, im Abstiegskampf nur „Dreck zu fressen“ und „aggressiv zu sein“. Die Bereitschaft, Zweikämpfe zu führen und diese dann auch zu gewinnen, sollte Grundvoraussetzung sein. Vielmehr fehlte es an diesem Tag an der richtigen taktischen Ausrichtung und den dafür nötigen Spielertypen, um Hoffenheim einzubremsen – obwohl es die Mannschaft gegen Leverkusen natürlich ganz gut löste, das kann aber kein Freibrief für die kommenden Spiele sein. Man kann dem Team vielleicht auch absprechen, dass es nicht wollte, aber es braucht vom Trainerteam auch die notwendigen Hilfestellungen, um am Spieltag gut auszusehen. Das fehlte am Samstag komplett – die Fehler wurden also schon in der Spielvorbereitung gemacht.

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Doch am Tag nach der Niederlage stellte der Kölner Coach unter Beweis, dass er die Schuld für das Debakel nicht alleine bei den Spielern sucht. Gegenüber dem „kicker“ sagte er: „Wir haben als Trainerteam auch Fehler gemacht, ob bei Personalentscheidungen oder im taktischen Bereich.“ Zumindest in der Analyse der Analyse scheint man im Trainerteam wohl erkannt zu haben, dass gestern nicht alles auf mangelnde Aggressivität zurückzuführen war. Für das Mainz-Spiel erhoffe er sich eine Mannschaft, die ein ganz anderes Gesicht zeigen wird – „wir müssen die Wut ummünzen in positive Aggressivität“, wie Ruthenbeck es ausdrückt. Ob das ausreichen wird?

>>>Das 0:6-Debakel des 1. FC Köln bei der TSG Hoffenheim: Keine Eier an Ostern

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2 Kommentare

  1. Das ist die nötige Portion konstruktive Kritik, welche ich mir auch von diesem Portal bereits in (und nicht erst nachträglich wie in diesem Kommentar vorhanden) der Ära Stöger gewünscht hätte.

  2. Wenn man sich die Zusammenfassungen des Spiels, die im Internet einstehen, ansieht, dann wird klar, dass die Torschützen von Hoffenheim sehr viel Platz hatten, dass der oder die nächsten FC-Spieler meist einige Meter entfernt waren oder nicht richtig in die Zweikämpfe kamen. Gnabry ist ein prima Fußballer, aber so frei und unbedrängt wie gegen den FC wird er so bald nicht mehr zu seinen Driblings und zu seinen Abschlüssen kommen. Und das gilt auch für die anderen Torschützen Hoffenheims. Dass unsere FC-Jungs nicht richtig auf dem Platz waren, zeigte auch die Tatsache, dass Hoffenhein bereits von der ersten Minute an dem FC einige Dinger hätten reintun können. Dass die Jungs in den ersten und letzten Minuten der jeweiligen Halbzeiten noch nicht oder nicht mehr ganz bei der Sache sind, ist nicht nur ein Phänomen der laufenden Saison, sondern zeigte sich auch schon in den Spielzeiten vorher. Diese temporäre Verschlafenheit ist vielmehr ein Kennzeichen unserer Mannschaft seit längerem schon und hat sicherlich weniger mit den Trainern Stöger und Ruthenbeck, oder deren gewählter Taktik, sondern mit der Mentalität unserer Mannschaft zu tun. Diese Verschlafenheit zeigte sich im Hoffenheim-Spiel auch in der Art des körperlosen Spiels unserer Jungs: keine einzige gelbe Karte! Im Gegenteil: Hoffenheims Spieler zeigten sich auch körperlich den Unsrigen deutlich überlegen. Man muss kein Freund von Klopper-Fußball sein, um sich darüber zu ärgern. Aber unseren Jungs fehlt es immer wieder an dem nötigen Biss. Bis sie nach dem Anpfiff richtig wach sind, braucht es oft seine Zeit. Manchmal – wie in den Spielen gegen Frankfurt und Hoffenheim – kommen sie gar nicht auf Temperatur.
    Deshalb will ich aber nicht Stefan Ruthenbeck von allem freisprechen. Die Aufstellung gegen Frankfurt war sicherlich durch Angst vor dem Gegener motiviert. Ruthenbeck hat sich dafür nachher selber kritisiert. Was das Hoffenheim-Spiel angeht, mag er auch dieses oder jenes nicht ganz richtig gemacht haben. Ganz grundsätzlich hatte ich mir beim Dienstantritt von Ruthenbeck gewünscht, die Mannschaft würde wieder etwas defensiver spielen, denn das Abwehrverhalten ist oft zu schwach, so dass die Offensive gar nicht mehr mit dem Toreschießen hinterher kommt. Gut, Ruthenbeck hat sich für eine offensivere Lösung entschieden, und ich bin kein Trainer und nicht der Fußballfachmann.
    Die krassen Rückschläge wie gegen Frankfurt und nun Hoffenheim haben meiner Meinung nach nicht mit Ruthenbeck, sondern mehr mit dem mangelnden Biss des Teams zu tun. Von einer Mannschaft, wie sie am Samstag in Hoffenheim auf dem Platz stand, darf man erwarten, dass sie während des Spiels auch selbst erkennt, wo sie sich umstellen muss und die Führungsspieler das noch auf dem Feld auf den Weg bringen. Stattdessen: Wenn der Gegenwind zu stark wird, geht der Kopf runter! Das ist schade.
    Aber ich glaube immer noch an die Möglichkeit, dass unsere Mannschaft noch in dieser Spielzeit den Reifeschritt vollzieht und mit ihrer zeitweiligen Verschlafenheit und Tranigkeit aufräumt.