Am Samstag stellte „Sky“ in der Bundesliga unter Beweis, dass die Missachtung journalistischer Grundsätze kein großes Problem ist, wenn es um Trainerentlassungen geht.

Der Fußball beschäftigt sehr viele Menschen. Millionen Fans lesen unter der Woche nach, was mit ihrem Verein passiert und wie die Verfassung der Mannschaft vor dem Wochenende ist, wenn Bundesligaspieltag ist und das nächste Spiel ansteht. Die Bundesliga hat nun seit einigen Jahren eine Partnerschaft mit einem Pay-TV-Sender namens „Sky“, der jede Menge Geld dafür ausgibt, die Spiele übertragen zu dürfen. Dass man, wenn man quasi das Hausrecht hat und die Spiele so übertragen darf, wie man will, sein eigenes Ding durchzieht, ist keine Überraschung. Doch seit einiger Zeit vollzieht sich eine Entwicklung bei diesem Pay-TV-Sender, die wirklich besorgniserregend ist. Sie betrifft den Umgang mit den Leuten, über die berichtet wird.

Die Aufmerksamkeit der Fußball-Konsumenten lässt sich insbesondere dann gut lenken, wenn es um Fußballlehrer geht, die gerade in der Kritik stehen – meistens wird darüber spekuliert, ob und wie eine weitere Zusammenarbeit möglich ist mit dem Verein, der in Zeiten von sportlichen Schwierigkeiten häufig damit reagiert, eine Führungskraft zu entlassen. Ähnliche Entwicklungen vollzogen sich in der abgelaufenen Woche bekanntlich in Dortmund und in Köln – zwei Fußballstandorten also, die aufgrund ihrer großen Fanbasis eine immense Reichweite und damit auch eine hohe Quote mit sich bringen.

Während in Dortmund Peter Bosz langsam aber sicher in Erklärungsnot geriet, was die Leistungen seines BVB betraf, lieferte der Kölner Trainer Peter Stöger durch seine Worte auf der Pressekonferenz am Donnerstag genügend Grundlage, um von einer baldigen Trennung auszugehen. Am Samstag zeigte sich dann, wie die Moderatoren, Reporter und Redakteure des Pay-TV-Senders ihre Arbeit interpretieren.

Ein Trainer mit Vertrag wird nach seinen Nachfolgern befragt

Field-Reporterin Esther Sedlaczek hatte tatsächlich die Traute, den Niederländer nach möglichen Nachfolgern für seinen Posten zu befragen – obwohl das Spiel gegen Leverkusen noch gar nicht gespielt war und später auch die Verantwortlichen des BVB betonten, dass man mit Peter Bosz den „Turnaround“ schaffen wolle. Das Ganze sagte er übrigens auf Nachfrage von Esther Sedlaczek nach der Partie. Sie sprach vorher davon, dass bereits von Nachfolgekandidaten gesprochen werde – ach, sag bloß!

Foto: Dean Mouhtaropoulos/Bongarts/Getty Images

Zwar muss man dazu sagen, dass jeder Fußballtrainer in der Medienarbeit geschult wird und eigentlich wissen muss, was ihn gerade in solchen Phasen für Fragen seitens der Reporter erwarten können, dieser Stilbruch von Esther Sedlaczek war allerdings eine bodenlose Frechheit. Es ist fraglich, was sie mit einer solchen Frage bezwecken wollte – einen Gefallen hat sie weder sich noch ihrem Arbeitgeber damit allerdings wohl eher weniger getan. Einem Arbeitnehmer die Frage zu stellen, wer denn nach seiner Entlassung auf ihn folgen könnte, ist an Respektlosigkeit wohl nicht zu überbieten.

Vor dem Spiel ging es nur um Stögers Zukunft

Ähnlich war die Gemengelage dann am Abend, als sich das Moderations-Quintett des Pay-TV-Senders darauf freute, endlich mit effzeh-Coach Peter Stöger zu sprechen, der sich im Vorfeld der Partie auf Schalke für eine Live-Schalte bereiterklärt hatte. Auch hier muss einschränkend erwähnt werden, dass Stöger durch die Aussagen auf der Pressekonferenz selbst die Diskussionen um seine Person befeuert hatte. Die aufdringliche Art und Weise, mit der die Moderatoren dann allerdings die Fragen stellten, stand der Respektlosigkeit von Esther Sedlaczek in nichts nach. Fast konnte man den Eindruck gewinnen, als würden die Fünf gerne von Peter Stöger hören, dass er stante pede nun sofort zurücktrete, einzig und allein, weil die Fragen so scharf und bohrend waren. Weil Peter Stöger ein sehr höflicher Mensch ist, beantwortete er selbst die insitierendsten Fragen von journalistischen Größen wie Calmund, Metzelder oder Matthäus mit einer bewundernswerten Geduld.

Aufdringlich und unangenehm: „Sky“ blamiert sich in der Gesprächsführung

Führen wir uns noch einmal vor Augen: Das Ganze vollzog sich vor der Partie auf Schalke. Es schien fast, als würde die Tischrunde enttäuscht, wenn Stöger ihnen nicht haarklein darlegen würde, dass er aus verschiedenen Gründen jetzt sofort sein Amt niederlege – der Pay-TV-Sender hätte es immerhin live im Bild gehabt, man stelle sich das mal vor! Leider muss man aber genauso festhalten, dass alle journalistische Sorgfalt über Bord geworfen wird, wenn man weiß, dass man mit seinen Geldern das Produkt „Bundesliga“ quasi als Monopol vermarkten darf. Erst seit dieser Saison ist ein anderer Mitbewerber unterwegs, der in den vergangenen Wochen viel aufgeholt hat, gerade in der Art und Weise der Gesprächsführung und im Fokus auf das Wesentliche: Dem Fußball. Bei dem anderen Pay-TV-Sender, der ja quasi Platzhirsch ist, scheint man so weit noch nicht zu sein und hofft weiterhin darauf, mit offenbar investigativem Journalismus (haha) und abgehalfterten Ex-Profis und –Sportdirektoren für guten Inhalt zu sorgen.

„War es das Finale von Peter Stöger? Ich kann Ihnen auf jeden Fall sagen, dass wir ein Staffelfinale für Sie haben: Babylon Berlin, jetzt auf Sky 1 HD.“

Bloß: Es gelingt nicht, ganz im Gegenteil. Das offensichtliche Ziel, Inhalte so aufzubereiten, dass sie in irgendeiner Form skandalisiert werden können („EILMELDUNG: Bosz tritt vor laufenden Kameras zurück!“), sorgt dafür, dass Konsumentinnen und Konsumenten, die einigermaßen bei Sinnen sind, das Vertrauen in die neutrale Berichterstattung verlieren. Wenn man selber die ganze Zeit überall Feuer schürt und dann den Betroffenen spielt, verliert man an Glaubwürdigkeit: Nach der Partie auf Schalke tat Rainer Calmund so, als würde ihm es sehr nahe gehen, dass Peter Stöger bald vielleicht nicht mehr Trainer des effzeh sein würde. 90 Minuten zuvor hatte er aber durch seine Art der Fragestellungen das Gegenteil unter Beweis gestellt. Dementsprechend: Wer sein Sky-Abo kündigt und derzeit lieber Eurosport schaut, begeht keinen Fehler.

>>>Das unwürdige Ende einer Ausnahmeerscheinung: Peter der Große

Teilen:

2 Kommentare

  1. Sicher sollte der Umgang immer respektvoll sein und sind die Fragen oft unerträglich, aber gefragt werden kann auch nur derjenige der sich den Fragen stellt. Peter Stöger hat beim Effzeh großes geleistet, aber muss er unbedingt vor so einem wichtigen Spiel vor die Kameras rennen? Gibt es da nichts wichtigeres? Darüber hinaus wusste er sicher schon, dass dies sein letztes Spiel auf der Kölner Bank ist, also noch unerklärlicher warum er da vor dem Spiel ans Mikrofon rennt.
    Warum Esther Sedlaczek Field-Reporterin ist dürfte jedem klar sein und von Ihr Respekt und Fußballverstand zu verlangen, bzw. zu erwarten ist ungefähr so als wenn man von Uli Hoeneß Einsicht für seine Steuersünden erwartet oder eben glaubt das Rauchen gesund ist. Esther Sedlaczek ist für eine gute Quote zuständig und das schafft sie. Ob man ihr das vorwerfen kann muss jeder für sich beantworten. Jedoch wenn man nach Werten sucht sollte es Menschen geben die einem diese zeigen, vorleben und da sind wir wieder beim Geschäft Fußball, die Werte sind Geld verdienen, Macht ausüben und Punkte holen und genau das macht Esther Sedlaczek und Sky, auch wenn ich mir, wir uns vieles anders wünschen würden.

  2. Der Kommentar von Arne Steinberg vom 4. 12.17 trifft nach meiner Meinung absolut zu.Ich kenne keine journalistischen Grundsätze usw .Ich Urteile nach Grundsätzen im Umgang mit Menschen,deren Achtung und Ehre.Schon seit Längerem mißfällt mir die Art und Weise der Gesprächsführungen vom Studio aus oder im Studio.Menschen werden durch aggressive Fragestellungen verletzt,in die Enge getrieben.Ich habe für mich beschlossen,den Sender erst unmittelbar mit dem Anstoß einzuschalten.Leider kann ich nur selten auf einen erträglichen Sender ausweichen.Vielleicht bringt die Zukunft bessere Lösungen.Es gibt ja noch neue Bezahlsender.

Sag uns deine Meinung