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Jahresabschluss auf Schalke: Auf dem Weg zum Überwintern im DFB-Pokal wartet auf den 1. FC Köln ein harter Brocken. Wir sprechen mit S04-Blogger Karsten Jahn über die Partie.

Der Pokal hat seine eigenen Gesetze? In diesem Fall wohl nicht. Zwei Wochen nach dem Ligaduell tritt der 1. FC Köln auch im DFB-Pokal als klarer Außenseiter bei Schalke 04 an. Ein Remis wie vor 14 Tagen wird es diesmal nicht geben, dafür gibt es aber genug Gesprächsstoff über die Partie. Wir sprechen mit Schalke-Blogger Karsten Jahn, dessen Analysen zu S04 auf halbfeldflanke.de und im Podcast „Blauer Salon“ zu finden sind, über andere Voraussetzungen vor dem Westschlager, die Stärke von Domenico Tedesco und die Chance für den effzeh, ihm ein Arschgeweih zu ruinieren.

Zwei Wochen nach dem letzten Duell treffen Schalke und der 1. FC Köln abermals aufeinander – allerdings sind die Vorzeichen für uns gänzlich anders. Glaubst du, dass uns das vielleicht in die Hände spielen könnte?

Ich glaube, dass Mannschaften wenige Wochen nach einem Trainerwechsel sehr schwer auszurechnen sind. Allein das macht es zu einer völlig offenen Partie. Domenico Tedesco ist dafür bekannt, einen Gegner genau zu analysieren und einen Ansatz maßzuschneidern, um die Schwächen zu bespielen. Das ist natürlich schwer jetzt. Dazu kommt noch die Kölner Mentalität: Mit einem Sieg im Rücken spielt es sich bestimmt anders als mit nur zwei Punkten, die der FC damals hatte.

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Zum Abschluss des ersten anstrengenden Halbjahrs wollen die Teams nochmals alles in die Waagschale schmeißen. Was für eine Begegnung erwartest du in diesem Pokalkracher?

Ich glaube, dass es hitzig wird. Wenn ich das richtig mitbekommen habe, setzt der FC jetzt noch mehr auf hohe Geschwindigkeit vorne. Zwar hat Schalke eine stabile Endverteidigung, doch falls du sie schlagen möchtest, dann mit Geschwindigkeit. Wenn der FC dann noch stärker die Zweikämpfe sucht als vor zwei Wochen, dann kann es ein sehr offenes Spiel werden. Insgesamt geht’s natürlich um viel auf beiden Seiten. Die einen wollen eine verkorkste Saison retten, die andere eine gute Halbserie krönen. Garniert mit emotionalen Fanlagern… ich freu mich drauf.

GELSENKIRCHEN, GERMANY - DECEMBER 02: Amine Harit of Schalke (top) jumps past goalkeeper Timo Horn of Koeln during the Bundesliga match between FC Schalke 04 and 1. FC Koeln at Veltins-Arena on December 2, 2017 in Gelsenkirchen, Germany. (Photo by Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)

Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images

In der Liga ging es in einer turbulenten Partie, die die letzten 90 Minuten von Peter Stöger beim effzeh darstellte, 2:2 aus. War das für dich eine gefühlte Niederlage?

Schon ein bisschen. Vor allem, weil von Köln da überhaupt nix kam. Tiefes passives Pressing, kaum Gegenwehr und sehr lahme Angriffe. Schalke hat sich einlullen lassen und Punkte verschenkt. Königsblau hat die Geschwindigkeit und Bewegungstrieb nicht auf den Rasen bekommen, die es zuletzt ausgemacht hat. Das hat der FC clever gemacht. Oder Schalke dämlich. Je nach dem.

Selbstverständlich sehe ich Schalke als klaren Favoriten. Pauschal. Aber ich glaube, wir sind uns alle einig, dass der FC jetzt keine typisch letztplatzierte Mannschaft der Bundesliga ist.

Von all dem Gerede des Pokals, der seine eigene Gesetze hat: Siehst du S04 als klaren Favoriten, wie es die Bundesliga-Tabelle darstellt?

Selbstverständlich sehe ich Schalke als klaren Favoriten. Pauschal. Aber ich glaube, wir sind uns alle einig, dass der FC jetzt keine typisch letztplatzierte Mannschaft der Bundesliga ist.

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Ihr seid überraschend Zweiter, seit dem sechsten Spieltag ohne Niederlage. Man darf davon ausgehen, dass der Himmel über Gelsenkirchen derzeit königsblau ist, oder?

Der Himmel über Schalke ist ja immer königsblau. Selbst bei Gewitter. Insgesamt bleiben die Leute aber ruhig. Schalke ist ja von je her sehr Bodenständig. Übertreiben liegt uns nicht. Und direkt durchdrehen sowieso nicht. Das passt auch einfach nicht ins Ruhrgebiet. Klar sind einige etwas positiver als andere, aber auch eine Vizeherbstmeisterschaft wird unter Schalkern eigentlich ganz rational eingeschätzt. Nimm mich zum Beispiel. Es sind nur noch 17 Spiele und ich weiß noch immer nicht, welche Schuhe ich zur Schalker Meisterfeier im Mai anziehe. Aber das macht mir nichts, da bleib ich ganz entspannt.

DORTMUND, GERMANY - NOVEMBER 25: Head coach Domenico Tedesco of Schalke celebrates the 4-4 draw of the Bundesliga match between Borussia Dortmund and FC Schalke 04 at Signal Iduna Park on November 25, 2017 in Dortmund, Germany. (Photo by Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)

Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images

Großen Anteil an dieser Entwicklung hat der neue Trainer Domenico Tedesco. Du als Taktikexperte: Was macht sein Schalke derzeit so gut?

Tedesco ist ein Pragmatiker. Der Fußball ist nicht sonderlich komplex, sondern entwickelt sich Schritt für Schritt. Zunächst wurde gekontert, dann gab’s Ballbesitz mit einerm festen Mittelfeld, inzwischen mehr und mehr Bewegungen. Jedes Spiel zeigt eine neue Facette, die vorher nicht da war. Dabei wurde eigentlich kein Gegner so richtig an die Wand gespielt (außer vielleicht Hoffenheim, bei der 0:2-Niederlage). Der Fußball ist auch selten mitreißend, dafür aber effektiv. Tedescos große Stärke ist die Schwäche beim Gegner zu bespielen. Dabei freut mich als Taktik-Nerd natürlich die Flexibilität, die sich Schalke nach und nach erarbeitet hat. Dreier- oder Viererkette, Ballbesitz oder Kontern, Doppelspitze oder einzelner Stürmer. Doppel-6 oder Doppel-8, alles ist möglich. Und auch während des Spiels kann jederzeit umgeschwenkt werden. Das finde ich grandios.

Wichtiger Dreh- und Angelpunkt für das Schalker Spiel ist definitiv Leon Goretzka, um den sich ständig Wechselgerüchte ranken. Wie groß ist die Chance auf einen Verbleib eures Stars aus deiner Sicht?

Weiß ich nicht. Man liest so viel. Ich hoffe das beste und erwarte das schlimmste. Wir werden sehen. Aber der ist schon der Hammer, für ewig wird der nicht zu halten sein.

Max Meyer halte ich für ein Genie am Ball. Als kreativer Ballverteiler hatte er auf Schalke nur immer einen schweren Stand, weil es die Rolle unter den letzten Trainern eigentlich nie gab.

Auch Max Meyer macht eine erstaunliche Entwicklung durch und überzeugt als defensiver Mittelfeldspieler. Hättest du diese Transformation für möglich gehalten?

Hätte ich für möglich gehalten, dass er im defensiven Mittelfeld überzeugen kann? Absolut. Der kann alles. Wäre ich drauf gekommen ihn als 6er einzusetzen? Nie im Leben. Aber ich bin schwer begeistert. Max Meyer halte ich für ein Genie am Ball. Als kreativer Ballverteiler hatte er auf Schalke nur immer einen schweren Stand, weil es die Rolle unter den letzten Trainern eigentlich nie gab. Für den DFB sah das da ganz anders aus und er machte mächtig wirbel. Bei Olympia und bei der U21-EM im vergangenen Sommer. Als ich vor der Saison das Schalker Mittelfeld als das vielleicht beste der Liga bezeichnet habe, wurde ich weitreichend ausgelacht. Jetzt spielt halt Harit statt Bentaleb. Gemeinsam mit Goretzka und Meyer wird da aber schon mächtig gerockt. Finde ich zumindest.

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Eine Qualität des Teams scheint auch die Moral zu sein. Im Revierderby nach einem 0:4 noch zum Remis gekommen, auch in Frankfurt holte das Team ein 0:2 auf. Braucht die Mannschaft etwa manchmal so einen Hallo-Wach-Effekt?

Ich glaube, dass es noch ein Team in Entwicklung ist. Tedesco ist ja jetzt noch keine Ewigkeiten da. Das merkt man in solchen Spielen. Fehler passieren, daraus wird gelernt. Interessant ist aber zu sehen, wie sehr er der Mannschaft dabei hilft zu fokussieren. In Rückstand zu liegen kann ja leicht zur Resignation führen. Das passiert aber nicht, sondern Schalke schafft es immer wieder soetwas auszublenden und sich auf den eigenen Fußball zu konzentrieren. Das sehe ich als große Stärke. In meinen Augen gab es in den letzten Monaten übrigens eine Ausnahme dazu. Beim Köln-Spiel war das Derby noch sehr präsent in den Köpfen. Alle ließen sich noch ein wenig feiern, statt sich auf den eigenen Fußball zu fokussieren. Hoffentlich denken bei der anstehenden Partie nicht auch wieder alle, dass Naldo in der Nachspielzeit schon seine Hütte machen und alles rausreißen wird.

Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images

Wir dagegen haben am Wochenende endlich unseren ersten Erfolg eingefahren. Hattest du einen solchen Absturz, wie wir ihn in dieser Saison hingelegt, erwartet?

Voll nicht. Ich glaube, Köln hat in der letzten Saison ein bisschen über die eigenen Verhältnisse gespielt. Aber das, was da jetzt passiert ist, finde ich schon schräg. Daran merkt man, dass Glück, oder aber eben Pech, im Fußball eine mächtige Rolle spielt. Schalke ist die letzte Saison mit fünf Niederlagen gestartet, da wunderst Du Dich schon, was da jetzt gerade abgeht. Ist bestimmt nicht schön für die Fans gerade. Ich wünsche alles Gute.

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Zum Abschluss: Königsblau oder rut-wieß – wer überwintert im DFB-Pokal?

Königsblau. Muss ja. Schließlich hab ich mir schon das Arschgeweih stechen lassen: Schalke 04 – Double Winner 2017/2018

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