Hat der 1. FC Köln überhaupt noch eine Chance auf den Klassenerhalt? Vor dem Start in die Rückrunde diskutieren wir in unserer Rudelbildung über das (un)mögliche effzeh-Wunder.

Aff jeiht die wilde Fahrt: Mit nur sechs Punkten auf dem Konto startet der 1. FC Köln in die Rückrunde der Bundesliga-Saison 2017/18. Man muss kein Fußball-Experte sein, um zu erkennen: Der Klassenerhalt käme in dieser Spielzeit einem Wunder gleich. Zu groß ist der Abstand auf das rettende Ufer, zu schwach die bisherigen Leistungen. Doch wie heißt es so schön? Die Hoffnung stirbt zuletzt – vielleicht könnte ja ein Sieg im Derby gegen Borussia Mönchengladbach den notwendigen Schwung für die 17 bis 19 Endspiele bringen?

Auch an uns geht der Start in die eventuell trostloseste Rückrunde der Vereinsgeschichte nicht spurlos vorbei. Geht da noch was in Sachen Bundesliga-Verbleib oder ist das Thema endgültig gegessen? Wir diskutieren in unserer losen Reihe namens Rudelbildung über die Chancen auf das (un?)mögliche effzeh-Wunder – und stellen dabei fest: Unsere Redaktion ist sich nicht einig. Wo bei einigen die Flamme der Hoffnung noch etwas brennt, haben die anderen die Flinte bereits ins Korn geworfen.

Thomas: Selbst das Derby zum Start bringt kein Prickeln mehr in die Rückrunde. Wir sind zu 1948 Prozent abgestiegen, das habe ich bereits akzeptiert. Ein bisschen wie in Verdamp lang her: Nit resigniert, nur reichlich desillusioniert. Jetzt gilt es aus meiner Sicht nur noch, sich anständig aus der Bundesliga zu verabschieden. Oder seht Ihr das anders?

Arne: Verabschieden ist das richtige Wort. Mir fehlt sogar mittlerweile der Glaube daran, dass für die Saison in der zweiten Liga ein solides Fundament gelegt werden kann, weil einerseits nicht klar ist, wer ab Sommer Trainer sein wird und andererseits viele wichtige Stützen (Horn, Hector, Heintz, …) den Verein verlassen werden – das Vakuum muss natürlich gefüllt werden, das Ganze kann aber erst ab Sommer passieren. Von daher erwarte ich 17 Spiele, in denen man eigentlich nur darauf hofft, dass es schnell vorüber geht. Gegen aufkeimende Hoffnung nach einem zwischenzeitlichen Sieg bin ich zwar nicht immun, ich denke aber, wir sollten realistisch bleiben.

Cologne's Slovenian defender Dominic Maroh reacts after the German first division Bundesliga football match FC Cologne vs 1899 Hoffenheim in Cologne, western Germany, on November 5, 2017. / AFP PHOTO / PATRIK STOLLARZ / RESTRICTIONS: DURING MATCH TIME: DFL RULES TO LIMIT THE ONLINE USAGE TO 15 PICTURES PER MATCH AND FORBID IMAGE SEQUENCES TO SIMULATE VIDEO. == RESTRICTED TO EDITORIAL USE == FOR FURTHER QUERIES PLEASE CONTACT DFL DIRECTLY AT + 49 69 650050 (Photo credit should read PATRIK STOLLARZ/AFP/Getty Images)

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Marvin: Kann mich den anderen nur anschließen. Realistisch gesehen, ist der Effzeh abgestiegen. Allerdings wären es nicht die Kölner Fans, wenn ein Funken Hoffnung doch noch vorhanden wäre, auch bei mir persönlich. Allerdings sehe ich den Verein zumindest sportlich gut aufgestellt. Klar werden einige Stützen den Verein verlassen im Abstiegsfall, aber wenn die Talente (Özcan, Jannes Horn, Jorge Mere etc.) gehalten werden können und erfahrene Spieler wie Simon Terodde und Marcel Risse ihre Leistung in der 2. Bundesliga abrufen, sehe ich den Effzeh als Aufstiegskandidat Nummer eins und habe keine Angst vor der Zukunft.

Severin: Ich scheine dann wohl der Einzige zu sein, der noch Hoffnung hat. Neun Punkte Abstand sind machbar, wenngleich es natürlich schwierig wird. Aus meiner Sicht hängt alles daran, wie wir aus den Startblöcken kommen: Punkten wie gegen Mönchengladbach, in Hamburg und zuhause gegen Augsburg ordentlich, dann sind wir vermutlich wieder in Schlagdistanz. Dann will ich sehen, dass ihr alle hier weiterhin ruhig und gelassen sitzt, weil der Abstieg ja so klar ist!

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Moritz: Als unverbesserlicher Optimist sehe ich das Ganze nicht so düster. Klar, realitisch gesehen habt ihr Recht. Aber nehmen wir mal an Ruthenbeck und Legende McKenna haben genau das den Jungs klargemacht: eigentlich sind wir weg. Dann gibt es mir Hoffnung, dass man freier aufspielt, dass man sich einfach mal etwas traut. Auch mit ein bisschen Trotz im Bauch. Alle wollen doch zeigen, dass sie es besser können als in dieser schauderhaften Hinrunde. Im Sturm ist plötzlich ein Überangebot, jeder will beweisen, dass er auf den Platz gehört. Und dann sind tatsächlich diese ersten vier Spiele eine Chance. Gegen Gladbach und Hamburg gewinnen und dann gegen Stöger gut aussehen. Und schon brennt die Hoffnung wieder! Mir ist das zu depri hier. Effzeh sein lebt doch von der Hoffnung auf bessere Zeiten – endlich alles wieder wie immer!

Thomas: Ich mache mir da ehrlich gesagt auch aus Selbstschutz keine große Hoffnungen mehr. Wie oft hat dieser Verein einen in solchen Situationen enttäuscht? Daher: Ball flachhalten, ’ne anständige Rückrunde spielen und dann einen Neuanfang starten. Für mehr reicht in meinen Augen die Qualitäten im Team nicht aus!

COLOGNE, GERMANY - NOVEMBER 02: Milos Jojic of FC Koeln celebrates after scoring his sides fith goal during the UEFA Europa League group H match between 1. FC Koeln and BATE Borisov at RheinEnergieStadion on November 2, 2017 in Cologne, Germany. (Photo by Maja Hitij/Bongarts/Getty Images)

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Moritz: Auf keinen Fall verabschieden!! Was fürn Scheiß soll das sein. Es hat noch nie irgendjemanden interessiert, ob man „mit Anstand“ abgestiegen ist. Eine Saison hat 34 Spiele. Dann wird abgerechnet.

Sarah: Wow, nach Moritz‘ Brandrede habe ich fast schon wieder Bock auf die Rückrunde. Also fast. Ja, wir leben von der Hoffnung auf besser Zeiten, aber momentan tut es immer noch sehr weh, dass diese tatsächlich geschaffenen besseren Zeiten so leichtfertig verspielt wurden. Außerdem fürchte ich, dass der Fußball, den wir in den kommenden Spielen vorgesetzt bekommen, nur in kleinen Stücken schöner wird – wenn überhaupt. Wenn sich dann personelle Stützen der letzten Jahre verabschieden, hat das einen Touch von Leichenfledderei, vor der ich mich jetzt schon fürchte. Aber Thomas, du fragtest nach unserer Einschätzung, ob der Klassenerhalt realistisch ist. Weißt du, was ich denke? Ich bin mir sicher. wir spielen eine bessere Rückrunde und fahren dementsprechend Punkte ein. Bis zum letzten Spieltag ist zumindest in der Theorie alles wieder offen und durch einen unnötigen Kack-Gegentreffer (der vielleicht nicht mal regulär sein wird) steigen wir am letzten Spieltag in Golf-Town ab. Ja, das empfinde ich als durchaus realistisches Szenario.

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Thomas: Ha, so ähnlich hatte ich mir das auch gedacht. Allerdings eher so, dass der effzeh nochmals locker ranschnuppert, uns allen irgendwie die Hoffnung zurück gibt und dann krachend versagt. DAS wäre der 1. FC Köln, den ich kennen- und hasslieben gelernt habe. Aber der Klassenerhalt? Never, das ist weiter ganz weit weg für mich!

Arne: Klar, wenn man sicher weiß, dass man absteigt, spielt man vielleicht befreiter, aber das bedeutet nicht, dass man auf einmal mehr Spiele gewinnt. Dazu waren die Probleme in der Hinrunde zu groß und die Vorbereitungszeit zu kurz. Ich glaube, da wird sich nur partiell etwas getan haben – die eklatanten Fehlerquellen werden hoffentlich abgestellt, sodass der effzeh endlich wieder ein wenig stabiler ist. Dann wird es schon zu 15 bis 18 Punkten vielleicht reichen, zu mehr dann aber auch nicht.

Severin: Ich sehe schon deutliche Veränderungen. Jonas Hector ist beispielsweise zurück, der Kader komplettiert sich zusehendst, mit Terodde wurde ein Stoßstürmer, der diesen Namen auch verdient, geholt. Bleiben alle Leistungsträger fit, ist das aus meiner Sicht schon ein Team, das mit einem Lauf im Rücken das Rennen um den Klassenerhalt nochmals spannend gestalten kann.

COLOGNE, GERMANY - AUGUST 25: Jonas Hector of Koeln looks disappointed during the Bundesliga match between 1. FC Koeln and Hamburger SV at RheinEnergieStadion on August 25, 2017 in Cologne, Germany. (Photo by Lukas Schulze/Bongarts/Getty Images)

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Thomas: Ach leeven Jung, du hast doch selbst ausgerechnet, wie viele Punkte dazu nötig sein werden. Glaubst du wirklich, wir gewinnen in der Rückrunde acht bis zehn Spiele und spielen eine Rückrunde im Champions-League-Modus? Das ist doch – selbst bei aller Euphorie – unrealistisch.

Severin: Wir sprechen uns nach dem Derbysieg am Sonntag nochmals, Freunde!

David: Ach Sev, selbst ein überaus unwahrscheinlicher Derbysieg hilft uns doch erst einmal kaum von der Stelle. Selbst wenn wir die Klepper mit 10:0 aus Müngersdorf bolzen, ist das nichts wert, wenn du dann in Hamburg keine Punkte holst. Ich verstehe zwar, dass man die Gunst der Stunde nutzt, um vermutlich zum letzten Mal in dieser Saison ein bisschen Euphorie zu entfachen, doch das Derby allein bedeutet gar nichts. Abgesehen davon verlieren wir das natürlich ohnehin und dann ist dieses laue Hoffnungslüftchen, auf das sich manche stürzen, auch schon wieder wegeblasen.

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Thomas: Das Derby ist auf jeden Fall seltenst geeignet gewesen, Hoffnungen beim effzeh am Leben zu erhalten. Wir stehen definitiv vom ersten Spiel an mächtig unter Druck. Ich glaube nicht, dass die Mannschaft selbst nach einem Derby-Sieg das über einen längeren Zeitraum halten kann. Das Kind ist in den Brunnen gefallen, so leid mir das tut.

Moritz: Ja man, ich ärgere mich auch. Diese vielleicht einmalige Chance, die dieser Club vergeigt hat. Aber dennoch sind wir noch nicht so tief gefallen, wie wir schon mal waren. Aber zurück zum Realismus, und da hat Arne schon Recht. Nur wenn es überhaupt gelingt diese haarsträubenden Fehler abzustellen, ist an Punkte zu denken. Und die Bauern werden der ganz schwere Start. Arsch aufreißen ohne Ende. Es muss richtig weh tun. Das sind zwar Plattitüden, aber nur darauf kommts jetzt an. Basics.

Severin: Möchtest du nicht die Ansprache vor dem Spiel übernehmen, Moritz? Die Basics sind bei dir jedenfalls vorhanden. Come on, FC!

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1 Kommentar

  1. Kopf hoch, Jungs und Mädels! Dass Ihr nach dem Weggang des von Euch verehrten Heiligen Peters die Ohren hängen lasst und kein Land mehr seht, ist menschlich verständlich. Ein alter FC-Fan, der mehr als doppelt so alt ist als wohl die meisten von Euch, sagt: Es gibt auch noch ein FC-Leben nach dem Weggang des Menschenfängers. Vielleicht ist es sogar gut, dass die Apha-Tiere Jörg Schmadtke und Peter Stöger nicht mehr da sind, und stattdessen beim FC normale Menschen mit Fleisch und Blut die sportliche Verantwortung übernommen haben. Natürlich hat es uns geschmeichelt, mit Jörg Schmadtke den Manager des Jahres und mit Peter Stöger den Sportjournalisten-Liebling schlechthin in unseren Reihen zu haben. An diesem unrealistischen Bild haben wir als Fans und Ihr als Medien-Leute kräftig mitgestrickt. Lasst Euren Heiligen Peter in Dortmund glücklich werden und widmet Euch ganz unserem FC.
    Unsere Mannschaft ist übrigens stärker, als Ihr glaubt. Peter Stöger hat der Mannschaft aber nicht das Nötige an die Hand geben können, das auf den Platz zu bringen. Seine ihm eigene väterlich-mütterliche Sozialkompetenz hat seine Schwächen im sportlichen Bereich nicht ausgleichen können. Vielleicht war er als Fußball-Lehrer nur guter Durchschnitt.
    Unterstützt jetzt Stefan Ruthenbeck! Ich glaube, er hat mehr Biss als sein Vorgänger.

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