Wie eine kölnische Tageszeitung heute berichtete, könnte der effzeh von einer Niederlage am Montag profitieren, da man damit den finanziellen Vorsprung auf den Verein aus der Pfalz ausbauen würde. Genaugenommen geht es da um 600.000€. Weitere Informationen dazu werden seitens der Redaktion verwehrt. Immerhin beinhaltet die Meldung den Kommentar darüber, dass der Verein, zumindest was den Spielbetrieb angeht, einen sportlichen Fokus hat, keinen finanziellen.

Als statistikinteressierter Fan der ich bin, kann ich das nicht einfach so hinnehmen. Also mache ich mich schlau, rechne ein wenig nach und komme – völlig überraschend – zu anderen Ergebnissen als die bezahlten Schreiberlinge. Wieder und wieder gehe ich das Ergebnis durch und kann mich weder mit der genannten Summe abfinden, noch mit den dafür als notwendig genannten Platzierungen der Vereine; Fürth solle demnach Zweiter bleiben und der FCK Dritter werden, damit das funktionierte.

Selbst mit den Informationen, die die DFL dazu seinerzeit veröffentlichte, kann man das einfach nicht nachvollziehen. Hier also für diejenigen, die die Information dazu hinterfragen möchten, eine Rechnung, die vielleicht etwas näher an der Wahrheit ist:

Beginnen wir ganz am Anfang:

  • Laut Kicker im April 2012 stehen in dieser Saison insgesamt 560 Millionen Euro an Vermarktungsprämien zur Verfügung.
  • Laut DFL entfallen davon 20% auf die 2. Bundesliga, also noch 112 Millionen Euro.
  • Der bestbewertete Verein der Liga erhält das 2,25-fache des schlechtestbewerteten.
  • Die Wertung basiert dabei auf den Abschlusstabellen der vergangenen vier Jahre sowie der der aktuellen Saison.

Ich gebe zu, ich habe es mir letztlich recht leicht gemacht und einige Formeln von der Seite fernsehgelder.de übernommen. Zumal mir der Rechenweg und die Erklärung nicht nur plausibel erschienen, bereits in der Vergangenheit haben sich die Berechnungen auf der Seite als zuverlässig erwiesen.

Die einzige Unbekannte, wie auch auf der Seite erwähnt, ist der Faktor, der auf die Ergebnisse der letzten Jahre angewandt wird. Dass die Ergebnisse von fünf Jahren in die Wertung mit einfließen ist allerdings seitens der DFL bestätigt. Dass der FCK für sein Abschneiden in dieser Saison automatisch weniger Geld bekommt, wie eben im o.g. Artikel beschrieben, ist für sich alleine genommen also schon einmal falsch. Völlig.

Auch die 600.000€ Differenz erschließen sich mir ganz und gar nicht. Die Differenz von Platz zu Platz in der Tabelle sind 281.549€, also 563.097€ bei zwei Plätzen Differenz. Zugegeben, die Differenz zu der von der Presse genannten Zahl ist gerade einmal 6,5%, ein wenig Präzision könnte dennoch nicht schaden. Und 560.000€ schreibt sich nicht schwieriger als 600.000€. Oder irgendeine andere Zahl.

Versuchen wir also noch kurz die Platzierungen zu berechnen. Leider mangelt es hier am Bewertungsschlüssel, der Einfachheit halber orientieren wir uns aber an dem, was in der Vergangenheit gilt. Die am längsten zurückliegende Saison wird mit dem Faktor 1 gewertet, die danach mit Faktor 2 und so weiter. Daraus ergäbe sich für den effzeh, bei Saisonabschluss auf Platz 1 in der Tabelle, eine Punktzahl von 284. Für die Spielvereinigung Greuther Fürth reichte es bei Platz 2 am Saisonende zu 253 Punkten. Damit der FCK schlechter abschneidet, also mit 252 Punkten oder weniger, müsste der Club aus der Pfalz die Saison auf Tabellenplatz 9 abschließen. Neun! Alle gelesen? Ja? Gut.

Das wirklich Tolle daran wäre ja, dass der effzeh seinen finanziellen Vorsprung im Jahr darauf noch viel weiter ausbauen könnte, da man als Erstligist automatisch viel mehr Geld bekommt. Da könnte man locker noch ein paar Millionen gutmachen.

Nur falls sich das jemand fragt, wenn man die Tabellenplätze der letzten Jahre ohne einen Faktor durchrechnet, dann müsste der FCK die Saison auf Platz 25 abschließen, damit der effzeh knappe 600.000€ (Mist, jetzt ist es mir auch passiert) Fernsehgelder mehr bekommt.

Noch eine kleine Randnotiz: Für das Erreichen des DFB-Pokal-Halbfinals gibt es seitens des DFB 1,75 Millionen. Also etwa das Dreifache der Fernsehgelddifferenz. Und das ist ganz ohne Fernsehgelder gerechnet. Oder Zuschauereinnahmen. Oder Merchandise. Oder der Verpflichtung dem Chefredakteur gegenüber, irgendeinen Schrott zu schreiben, damit die Internetseite der Tageszeitung ein paar Werbebanner verkaufen kann.

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7 Kommentare

  1. statistikinteressierter Leser am

    Mit liegt es la sehr fern, diese sogenannte Zeitung zu rechtfertigen, und die dort aufgestellte Rechnung scheint mir auch nicht korrekt zu sein. Aber Deine Gegenrechnung geht noch weiter daneben.

    Interessant für Deinen FC ist ja nicht, ob der FCK in der Fernsehgeldtabelle hinter Fürth landet. Das Geld, das der FC bekommt bliebe gleich. Entscheidend ist die Platzierung des FCK in der Abschlusstabelle der aktuellen 2.-Liga-Tabelle im Verhältnis zu Eurer Platzierung. Und wenn man da die Daten von fernsehgelder.de zu Grunde legt, käme der FCK bei Platz 2 in der Liga auf 284 Punkte in der Fernsehgeldtabelle. Also auf genauso viel, wie der FCKö, wenn er Erster wird.

    Da wir erstens nicht wissen, ob die Faktorisierung korrekt ist, und, falls sie es ist, was bei Gleichstand passiert, ist es durchaus gut möglich, dass Ihr davon profitiert, wenn Lautern hinter Fürth einläuft. Wobei es dabei nur um einen Platz geht, also um ca. 280.000€.

    • Dominik Hardt am

      Danke für den absolut korrekten Einwurf. Ich habe mich hier beinahe ausschließlich auf die 600.000€ konzentriert und dabei bewusst ausgelassen, dass der FCK bei Erreichen des zweiten Platzes in der Abschlusstabelle punktgleich mit dem effzeh wäre, in der gemutmaßten Tabelle über die Verteilung der Gelder. Der Unterstellung folgend, dass bei Gleichstand die 280.000€ geteilt würden, ist der Unterschied für den effzeh denkbar gering. Bezieht man noch eventuelle Siegprämien für die Spieler mit ein, andererseits auch gemutmaßte Prämien der Sponsoren, könnte sich hier ein völlig anderes Bild ergeben.
      Letztlich ist die Ausgangsfrage für mich jedoch schon so widersinnig und albern gewesen, dass ich auf dem offensichtlichsten der Fehler ein wenig herumreiten wollte. Ich hoffe, dass Sie als statistikinteressierter Leser mir da nachsehen können.

      • statistikinteressierter Leser am

        Keine Frage, Nachsicht ist vorhanden. Und wie gesagt, mein Anliegen war nicht, den Exzess im Allgemeinen oder den albernen Artikel im besonderen zu verteidigen. Wenn es am Ende der Saison für einen selbst um nix mehr geht, halte ich das für möglich, dass solche Rechnereien eine Rolle spielen könnten, aber nicht bei dieser Konstellation zu diesem Zeitpunkt. Das traue ich nicht mal Euch Kölnern zu…

        Ich hab das nur aus reiner Lust an der Zahlenspielerei mal nachvollzogen, und wollt ein bischen klugscheißen. Habe ja weder mit dem FC noch mit Fürth oder Lautern was am Hut, und bin nur durch FokusFußball hier gelandet.

  2. Pingback: #Link11 – Gescheiterte Träume | Fokus Fussball

    • Leider hat die von ihnen nicht namentlich genannte Zeitung Recht. Zitat; „Wenn der 1 FC Kaiserslautern zwei Plätze hinter der Stöger-Truppe landet, kassiert der FC nämlich 600.000 Euro mehr Fernsehgeld.“ Das ist der entscheidende Satz, es geht hier nicht um Fürth jeder andere Verein würde hier das gleiche Ergebnis liefern. Da aber Fürth bereits zweiter ist wären die 3 Punkte für den Abstand auf Lautern wichtig.

      • Dominik Hardt am

        Um auf die genannten 600.000€ zu kommen, müsste in der Tabelle über die Verteilung der Fernsehgelder allerdings ein Verein an Kaiserslautern vorbeiziehen und das ist bei Fürth noch die realistischste Variante.