Keine Niederlage, doch erneut ein frustrierender Nachmittag: auch im „emotionalen“ Endspiel gegen Bremen kann der effzeh trotz guter Möglichkeiten nicht gewinnen.

Es wurde viel geschrieben und gesprochen über den 1. FC Köln in letzter Zeit. Der schlechteste Saisonstart einer Bundesliga-Mannschaft der Geschichte, die Diskussionen über die Kaderplanung und dann am vergangenen Donnerstag auch noch die ersten Risse zwischen Mannschaft und Fans. Zugegeben, das Engagement kann man der Mannschaft nicht absprechen, auch nicht im Spiel gegen Bremen.

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Aber es wird auch erlaubt sein, wenn tausende effzeh-Fans, die sich finanziell teilweise in erhebliche Turbulenzen begeben, ihre Kritik äußern – das müssen die Profis dann eben auch mal abkönnen. Wer weit reist, der Mannschaft nach zehn Niederlagen immer noch Unterstützung zukommen lässt, wird auch mal kritische Gesänge anstimmen dürfen – ganz unabhängig davon, ob die Mannschaft nun kämpft oder nicht. Auch wegen dieser Misstöne rief Peter Stöger die Partie gegen den Tabellenvorletzten aus Bremen zu einem „emotionalen“ Endspiel aus.

Mannschaft schwört sich gemeinsam mit den Fans auf das Spiel ein

Und emotional sollte es werden. Zuerst begab sich die Mannschaft vor dem Spiel in die Kurve, um sich gemeinsam mit Vertretern verschiedener Fangruppen auf die Partie einzustimmen – und Geschlossenheit zu demonstrieren. Trotz der schwierigen Vorzeichen funktionierte die Einheit aus Mannschaft und Fans wieder ein wenig besser: Die Spieler versuchten, durch intensiven Einsatz, Grätschen an der Seitenlinie und großen Willen, die Zuschauer wieder auf ihre Seite zu ziehen. Diese gaben durch lautstarke Unterstützung auch etwas zurück.

Bereits vorher hatte die Südkurve mit einem motivierenden Banner versucht, die verunsicherten Spieler aufzubauen. Die Mannschaft hatte nach dem Aufwärmen auch noch einen weiteren Rückschlag zu verzeichnen: Das groß angekündigte Duell zwischen Pizarro und seinem ehemaligen Verein kam nicht zustande, weil sich der 39-Jährige während des Warmlaufens am Oberschenkel verletzte. Für ihn rückte Guirassy in die Startelf.

Eines vorweg: Es ist sehr schwierig für einen Ersatzspieler, wenn er eine Viertelstunde vor dem Spiel erfährt, dass er doch zum Einsatz kommt. Zuvor hatte sich Guirassy ganz normal mit den anderen Ersatzspielern aufgewärmt, als Pizarro dann in Rücksprache mit den Mannschaftsärzten entschied, dass es zu einem Einsatz nicht reicht. Guirassy musste also in kurzer Zeit eine hohe psychologische Anspannung aufbauen, um bereit zu sein für das Spiel – normalerweise hat man ja dafür ein wenig mehr Zeit. Dementsprechend muss man Guirassy dafür loben, dass er so schnell auf Betriebstemperatur war. Der junge Franzose verzeichnete in der Anfangsphase der Partie gleich drei Abschlüsse, war gefährlichster Kölner Stürmer und machte immer wieder die Bälle gut fest. Mit seiner Physis und seinen Stärken in der Ballbehándlung war Guirassy eigentlich der bessere Pizarro – auch wenn nicht alles klappen sollte.

Guirassy: Gutes Spiel, doch Pech im Abschluss

Nach den drei vernünftigen Abschlüssen in der Anfangsphase hatte Guirassy nämlich nach der 80. Minute drei weitere Torchancen, die eigentlich dafür hätten sorgen müssen, dass der 1. FC Köln dieses Spiel gewinnt. In der 80. Minute zögerte Guirassy zu lange, nachdem er vorher vom starken Dominique Heintz eingesetzt worden war. Fünf Minuten vor dem Ende schließlich hatte Tim Handwerker von der linken Seite eine scharfe Hereingabe gespielt, die der Franzose aus kürzester Distanz am Tor vorbeibugsierte. Guirassy stand nicht ideal zum Ball und bekam das Spielgerät eher gegen das Standbein – nichtsdestotrotz hätte das die Führung sein müssen. Doch wenn man unten drin steht…

Häufig ist es ja so, dass man in einer Negativspirale oftmals mit sich und dem Schicksal hadert, wenn der Ball eben einfach nicht rein will. Man sagt sich dann, dass man viele Chance habe, aber eben einfach kein Tor schieße. Weil die Einschätzungen über Fußball eben auch sehr subjektiv geprägt sein können, bietet sich der xG-Wert (expected goals) an, um einigermaßen treffsicher bestimmen zu können, wie groß die statistische Wahrscheinlichkeit eines Schusses war, um zum Torerfolg zu kommen. Die chronische Abschlussschwäche des 1. FC Köln setzte sich also auch in diesem Spiel fort, personifiziert wurde sie eben heute von Sehrou Guirassy. Peter Stöger lobte seinen Schützling trotzdem – er habe „alles unternommen, um der Mannschaft zu helfen“.

Fans mit gutem Zeichen – trotz Nullnummer

Und so musste der 1. FC Köln sich am Ende glücklich schätzen, dass die Bremer den Lucky Punch in Form des Kopfballs von Thomas Delaney eben nicht setzten: Konstantin Rausch verhinderte mit einer akrobatischen Rettungsaktion das 0:1. Am Ende blieb es beim 0:0, was beiden Mannschaften natürlich nicht viel weiterhilft. Dem 1. FC Köln sogar noch weniger als den Bremern.

Wir haben uns die Bälle selbst von der Linie geschossen. In einer normalen Phase geht so ein Ball einfach rein.

Das vorher angekündigte „emotionale“ Endspiel fand dann seinen Abschluss darin, dass die Mannschaft in die Kurve ging, dort trotz des enttäuschenden Ergebnisses „extrem positiv gepusht“ (Dominic Maroh bei „Eurosport“) wurde – und die Spieler schließlich auch ihre Trikots an die Fans weitergaben. Der komplette Bruch mit der Anhängerschaft fand trotz großer Befürchtungen also nicht statt – aber auch die Geduld der Fans ist eben nicht unendlich, und so wird es in naher Zukunft irgendwann das Erfolgserlebnis brauchen, um die Negativspirale zu durchbrechen. Und auch die Diskussionen um die Zukunft von Peter Stöger zu beenden.

Mit dieser Aktion rettete Rausch dem effzeh das 0:0 | Foto: Dean Mouhtaropoulos/Bongarts/Getty Images

Heintz‘ Plädoyer für Stöger: „Wollen noch lange mit ihm arbeiten“

Innenverteidiger Dominique Heintz sagte nach der Partie gegenüber der „Sportschau“, dass er keine Sorge habe, dass es das letzte Spiel von Trainer Stöger gewesen sein könnte. „Wir stehen alle zum Trainer. Er stellt uns super ein. Wir wollen noch lange mit ihm zusammen arbeiten.“ Zum Spielverlauf sagte der gebürtige Pfälzer: „Wir hätten mehr verdient gehabt heute, wenn man die Chancen ansieht. Ich glaube, momentan läuft es vorne einfach nicht. Wir haben uns die Bälle selbst von der Linie geschossen. In einer normalen Phase geht so ein Ball einfach rein. Wir müssen den Punkt mitnehmen, aber es ist sehr schade, wenn man so einen Aufwand betreibt und sich so viele Chancen herausarbeitet.“ Sein Trainer pflichtete ihm bei und sagte nach dem Spiel auf der Pressekonferenz: „Wenn ich unsere Möglichkeiten sehe und wenn die die Tore machen, dann können wir da unten wieder rauskommen. Und da wäre ich gerne dabei.“

In der Mannschaft stellt man sich dann eben auch die Frage, was man denn „verbrochen“ habe. Nun gut, verbrochen sicherlich nichts – aber die fehlende Qualität in manchen Bereichen des Spiels ist eben auch offenkundig. Nach neun Spielen steht der 1. FC Köln jetzt mit einem Torverhältnis von -14 und zwei mageren Punkten auf Rang 18. Bereits Ende Oktober sind die Chancen auf den Klassenerhalt gering. Doch es hilft nichts: Es muss weitergehen.

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