Wieder einmal gut dagegen gehalten, wieder einmal nichts Zählbares dabei herausgesprungen: Der 1. FC Köln offenbart bei der Niederlage in Leverkusen abermals die zwei Gesichter seiner Krise.

Kurz vor Schluss erwachte er noch einmal, der unbedingte Kampfeswillen des 1. FC Köln. Gerade hatte Schiedsrichter Manuel Gräfe dem vermeintlich entscheidenden dritten Treffer der Leverkusener mit Unterstützung des Videoassistenten die Gültigkeit verwehrt und somit den frühzeitigen Knockout der „Geißböcke“ in der Schlussphase zumindest verschoben. Mit dem Mute der Verzweiflung warf der effzeh nochmals alles nach vorne, schlug einen langen Ball nach dem anderen in die Hälfte der Gastgeber und musste nach eher hilflosen Angriffswellen einmal mehr die Waffen strecken.

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Es war der sportliche Schlussakkord eines eigentümlich anmutenden Nachmittags. Nach dem Abpfiff holten sich die Spieler einmal mehr aufmunternden Applaus aus dem Gästeblock ab und schlichen abermals frustriert vom Feld. Doch viel hatten sich die Schützlinge von Trainer Peter Stöger nicht vorzuwerfen, hatten sie doch gegen die 100%ig werbetreibende Tochter eines Chemiekonzerns so ziemlich alles an verfügbaren Mitteln in die Waagschale geworfen. Am Ende jedoch sollte es erneut nicht reichen – nicht für den ersehnten ersten Bundesliga-Sieg, noch nicht einmal für einen mickrigen Zähler, der im Abstiegskampf wichtig werden könnte.

Ausgerechnet Guirassy? Pustekuchen!

Insbesondere in der ersten Hälfte hatte der effzeh einen starken Auftritt gezeigt und die hochkarätig besetzte Offensive der Leverkusener in Schach gehalten. Die konzentrierte Abwehrleistung krönten die kämpferisch dagegenhaltenden „Geißböcke“ mit der überraschenden Führung: Ein langer Einwurf und eine Körpertäuschung von Sehrou Guirassy ließen die Innenverteidigung der Gastgeber aussehen wie Schuljungen. Die Geschichte des Spiels schien schon geschrieben zu sein: „Ausgerechnet“ Guirassy, der gegen Bremen das 1:0 auf dem Fuß hatte und die Chance zum Sieg kläglichst vergab, beendet die Sieglosserie des glorreichen 1. FC Köln.

LEVERKUSEN, GERMANY - OCTOBER 28: Kevin Volland of Bayer Leverkusen (r) and Jannes Horn of Koeln fight for the ball during the Bundesliga match between Bayer 04 Leverkusen and 1. FC Koeln at BayArena on October 28, 2017 in Leverkusen, Germany. (Photo by Maja Hitij/Bongarts/Getty Images)

Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images

Doch Pustekuchen, diese Träume entpuppten sich als Schäume. Das lag an zwei Faktoren: Zum einen legte die Millionentruppe vom Autobahnkreuz nach dem Seitenwechsel den Vorwärtsgang ein, zum anderen konnte der effzeh nicht an die überzeugenden ersten 45 Minuten anknüpfen. Wieder einmal schaffte es das Team nicht, das Niveau über die komplette Spielzeit oben zu halten. Zu passiv gegen den Ball, zu schlampig im eigenen Ballbesitz: Die Dominanz der Werkself nahm beunruhigende Züge an – und die „Geißböcke“ wurden erneut für eine Vielzahl an Fehler bestraft. Dass Gegentore angesichts der stetig rollenden Leverkusener Angriffswellen nur eine Frage der Zeit waren, sah auch der ungeübteste Laie.

Marohs Ausfall ein Wirkungstreffer

Daran hatten auch erzwungene und freiwillige Veränderungen ihren Anteil: Vor allem der Ausfall von Dominic Maroh, der sich in der ersten Halbzeit abermals für eine zeitige Vertragsverlängerung bewarb, war nach der Pause ein Wirkungstreffer. Frederik Sörensen, zuvor ein solider Rechtsverteidiger, rückte nach innen, Lukas Klünter verteidigte nun außen – beide hatten in den zweiten 45 Minuten einen schweren Stand. Das galt mit zunehmender Spielzeit auch für zwei Rückkehrer: Yuya Osako, beim Pokalsieg gegen Berlin noch auf der Bank, pendelte zwischen rechter Außenbahn und Sturmspitze und wirkte angesichts dieser Rochade recht verloren.

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Kapitän Matthias Lehmann dagegen war die Pause nach der Verletzung, die er sich beim Warmmachen zum Europa-League-Auswärtsspiel in Baryssau zugezogen hatte, zunächst nicht anzumerken. Doch mit fortschreitender Spieldauer verlor der Organisator im effzeh-Spiel immer mehr die Herrschaft über das Mittelfeldzentrum. Konnte Lehmann die Lücken in den Kölner Reihen vor dem Seitenwechsel noch zuverlässig schließen, verließen ihn in der zweiten Hälfte offensichtlich die Kräfte, um sich dem hohen Tempo der Leverkusener entgegenzustellen. Sinnbildlich stand die Leistung des Routiniers für die zwei Gesichter des 1. FC Köln, die sich auch an diesem Samstag wieder zeigten.

Couragierter Fight als Mutmacher

Mit ihren limitierten spielerischen Mitteln, mit ihrer fragilen Ordnung im Defensivverbund und ihrem angeknacksten Selbstbewusstsein lieferte die Mannschaft einen couragierten Fight, der abermals Mut macht. Zwischen Trainer und Team passt offensichtlich kein Blatt Papier, das Verhältnis zu den Fans hat die leichte Beziehungskrise in Baryssau schadlos überstanden. Doch all das bringt herzlich wenig, wenn am Ende nichts Zählbares dabei herauskommt. Dafür muss es der effzeh demnächst schaffen, nicht nur 30, 45 oder 60 Minuten auf der Höhe des Geschehens zu agieren. Es wird höchste Zeit, das zweite Gesicht in der Kabine zu lassen.

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