Die Winterpause ist vorbei, das Pflichtspieljahr 2017 beginnt in Mainz. Die Rheinhessen liegen fünf Punkte hinter dem effzeh auf Rang zehn der Bundesliga. Wir haben mit Georg Holzner gesprochen, der für den Kicker die Mainzer in dieser Saison intensiv begleitet.

Zu den Spielen unseres geliebten und glorifizierten ersten Fußballclubs Köln werden wir auch in dieser Saison einem Fan der gegnerischen Mannschaft ein paar Fragen stellen. Und weil Gegner ja immer irgendwie “auswärts” sind, egal ob der effzeh zu Hause oder auf fremdem Platz antritt, und weil die Sichtweise von “auswärts” kommt, heißt die Kategorie folgerichtig “Auswärtsspiel”. Wir sind nicht nur gespannt, wieviel effzeh in den Anhängern der anderen Bundesligisten steckt, sondern erwarten auch eine Einschätzung zur Situation der eigenen Mannschaft.

Es geht wieder los! Endlich ist die Winterzeit vorbei und es geht wieder um Tore und Punkte. Für den effzeh, nach 16 Spielen auf Rang sieben, geht es im Spiel gegen Mainz auch um die Hackordnung in der Bundesliga. Bleibt die Mannschaft oben dran, startet sie sogar den Großangriff auf die Europapokalplätze? Oder rutschen Stöger und Co ins Mittelfeld ab, gesellen sich zum Beispiel zum Gegner an diesem Wochenende, dem FSV Mainz 05? Über diese Fragen haben wir uns mit Kicker-Redakteur Georg Holzner (Twitter: @georg_holzner) unterhalten.

Sonntagnachmittag dürfte es richtig kalt werden in Mainz. Menschlich aber nicht: ich meine mich zu erinnern, dass Mainz das einzige Bundesliga-Stadion ist, in dem bei der Aufstellung nicht „Arschloch“ gerufen wird. Wird in Mainz nicht sogar die Hymne des effzeh eingespielt? Sind die Mainzer also überragende Gastgeber?

Mainz ist vielleicht nicht das einzige Bundesliga-Stadion, in dem das nicht gerufen wird. Ich glaube, in Ingolstadt und Hoffenheim hält sich das Rufen dieses einheitlichen Nachnamens der gegnerischen Spieler auch noch stark in Grenzen. Aber das Mainzer Publikum ist äußerst fair und wirklich sehr gastfreundlich; der Stadionsprecher stellt die gegnerische Mannschaft vor und gibt den Auswärtsfans die Möglichkeit, den Nachnamen des jeweiligen Spielers zu rufen. Ehemalige Spieler werden mit Applaus und nicht mit Pfiffen empfangen. In Mainz ticken die Uhren – im positiven Sinne – grundsätzlich ein wenig anders.

Mainz ohne Malli und das Ende des Booms

Auf dem Platz zeigt Mainz dann ja vermutlich ein anderes Gesicht: Wie stürmisch und aggressiv erwartest du die 05er?

Die Mannschaft spielt einen ordentlichen Offensivfußball und kann jedes Bundesligateam ärgern. Den Mainzern fehlt aktuell aber ein bisschen die Balance. Du hast schon recht, Mainz wird offensiv Gas geben; in der Defensive aber ist das Team anfällig.

Wie spielt Mainz 05, auf was achtet Trainer Martin Schmidt besonders?

Martin Schmidt legt enormen Wert auf das Läuferische und auf eine aggressive Zweikampfführung, auf Balleroberung im Mittelfeld, woraus sich schnelle Konter ergeben sollen. Mit zwei flinken Flügeln und vor allem mit Yunus Malli hat das gut funktioniert. Doch jetzt ist Malli weg und bislang noch kein adäquater Ersatz gefunden. Ich bin gespannt, wie Mainz ohne seinem „Umschalt-Zehner“, so hat ihn Schmidt immer bezeichnet, in der zweiten Saisonhälfte klarkommt.

Jetzt ist Malli weg und bislang noch kein adäquater Ersatz gefunden. Ich bin gespannt, wie Mainz ohne seinem „Umschalt-Zehner“, so hat ihn Schmidt immer bezeichnet, in der zweiten Saisonhälfte klarkommt.

Wie ist denn überhaupt die Stimmung in Mainz? Reicht den Fans Platz zehn oder sind die Ansprüche nicht eigentlich in den vergangenen Jahren gewachsen?

Man könnte glauben, dass durch das Erreichen der Europa League die Ansprüche gestiegen seien. Das ist aber nicht der Fall. Rouven Schröder, der Heidel-Nachfolger, weiß, wo Mainz hingehört und was die Mainzer Kragenweite ist. Steht Mainz zwischen Platz neun und 13, ärgert sich niemand. Ein Platz unter den Top acht würde heißen, dass es eine überragende Saison war.

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Wenige Tage vor dem Spiel gab es noch Tickets, sogar im Fanblock der Heimmannschaft: Ist das normal? Wie hoch ist die Fußballbegeisterung in der Hauptstadt von Rheinland-Pfalz?

Ich habe das Gefühl, dass die Stadt schon einmal fußballbegeisterter war. Keines der drei Europa-League-Heimspiele war ausverkauft. Was ich ehrlich gesagt nicht nur schade, sondern enttäuschend finde, nachdem die Nullfünfer immer wieder scheiterten und es nun zum ersten Mal geschafft hatten. Zudem hat Mainz einen kleinen Rückgang an Mitgliedern, was irgendwie auch nicht so recht zum derzeitigen Trend bzw. zu diesem Fußballboom passt. Diese Euphorie, die nach dem Aufstieg und den ersten Erfolgen herrschte, die hat sich zu einer gewissen Selbstverständlichkeit, zu einer Normalität entwickelt. Schade für den Klub.

Auf der nächsten Seite: Rouven Schröder, Wiener Schmäh und eine harte Nuss.

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