Der effzeh ärgert sich, die SGE hadert: Vor dem „Spiel um Europa“ befinden sich beide Traditionsvereine in einer ähnlichen Situation – und vermissen ihre japanischen Leistungsträger. 

Es ist Wehklagen auf hohem Niveau: Sowohl in Köln als auch in Frankfurt ist man mit dem bisherigen Abschneiden im Kalenderjahr 2017 nicht wirklich zufrieden. Trotzdem stehen beide mit 37 Punkten auf dem Sprung in das internationale Geschäft, nachdem beide in der Hinrunde gehörig überperformt haben. Der effzeh konnte jedoch seit dem Jahreswechsel von den zehn bislang absolvierten Partien nur drei gewinnen, in Frankfurt feierte man bis dato gar erst zwei Erfolge. Zusätzlich ist die Eintracht im DFB-Pokal-Halbfinale, wovon der effzeh in der Neuzeit ja offenbar nur träumen kann.

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Gute Aussichten also insgesamt für beide Traditionsvereine, die in den letzten Jahrzehnten eher durch häufiges Fahrstuhlfahren auf sich aufmerksam machten – mittlerweile sind beide allerdings auf dem besten Wege, sich als ernstzunehmende Bundesligisten zu etablieren. Die Parallelen sind dabei offenkundig, weil beide über einen großen Rückhalt in ihrer jeweiligen Millionen-Stadt verfügen. Die Fanlager sind enorm groß, die Unterstützung ebenfalls. Dass beide Zugpferde der Bundesliga mittlerweile wieder durch sportliche Leistungen auf sich aufmerksam machen, verheißt für das ICE-Derby nur Gutes.

Hasebe und Osako: Zwei japanische Leistungsträger fehlen

Foto: PATRIK STOLLARZ/AFP/Getty Images

Die SGE zeigte zuletzt im Gegensatz zum effzeh beim Duell gegen Gladbach eine ansprechende Leistung, ein Heimsieg sprang allerdings nicht dabei heraus – trotz teilweise drückender Überlegenheit. Die Borussia, zuletzt unter Dieter Hecking wiedererstarkt, war gegen die Eintracht eigentlich in allen Belangen unterlegen. Einzig Yann Sommer war der SGE an diesem Tag gewachsen und parierte mehrfach, unter anderem auch einen Elfmeter von Marco Fabian. Eintracht-Trainer Niko Kovac war mit dem Auftreten seiner Mannschaft zwar zufrieden, die Chancenverwertung allerdings gab ihm Rätsel auf. „Ich könnte heute wirklich heulen“, gab er nach dem Spiel bei Sky zu Protokoll.

Zum Heulen ist auch der Krankenstand in beiden Lagern: Bittencourt, Risse, Osako und Rudnevs – vier wichtige Akteure werden dem FC fehlen, genau wie Eintracht Frankfurt. Besonders schmerzhaft ist für die Hessen das Fehlen von Makoto Hasebe, der in dieser Saison in einer interessanten Hybrid-Rolle aus Libero und defensivem Mittelfeldspieler so etwas wie der Garant für die defensive Stabilität der SGE war. Nach seiner Knie-Operation fällt der Japaner nun bis Saisonende aus. Bei seinem Landsmann Yuya Osako ist die Gemengelage ähnlich: Auch er ist ein elementarer Baustein im System seiner Mannschaft, der Verbindungsspieler war für die Versorgung von Anthony Modeste zuständig. Osako fehlt gegen Frankfurt und sehr wahrscheinlich auch gegen Gladbach, dürfte dem effzeh aber danach wieder zur Verfügung stehen.

Eintracht im Jahr 2017: Seit sieben Spielen ohne Sieg

Knifflig dürfte es für Niko Kovac werden, die Position des Rechtsverteidigers zu besetzen. Während Guillermo Varela noch nicht wieder spielfähig ist, fehlt Timothy Chandler aufgrund einer Gelbsperre. „Dieses Problem zu lösen ist die schwierigste Aufgabe in dieser Saison“, sagte der kroatische Trainer der Eintracht auf der Pressekonferenz. Die Alternativen im Kader sind rar gesät, denkbar ist ein Einsatz von Vallejo, aber auch der variable Gacinovic (Torschütze im Hinspiel) könnte dort auflaufen.

Mit Alexander Meier fällt das effzeh-Schreckgespenst der letzten Jahre am Dienstag aus. Meier hat unter Kovac zwar nicht mehr dieselbe Bedeutung für die Eintracht, stellte aber seine Qualität bei den einzigen beiden Siegen in diesem Jahr unter Beweis. Am 18. Spieltag erzielte er das Siegtor gegen Schalke, beim Derbysieg gegen Darmstadt verzeichnete er einen Assist. Seitdem allerdings gelang außer gegen die beiden Zweitligisten aus Hannover und Bielefeld im Pokal kein weiterer Erfolg in der Bundesliga.

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Ein Erfolg wäre für den effzeh auch schon ein Punkt in Hamburg gewesen – zumindest gemessen an der Leistung des vergangenen Samstags. Ein Auswärtspunkt wäre das solide Fundament einer Englischen Woche, doch Lewis Holtby hatte etwas dagegen. Gegen eine leicht indisponierte effzeh-Mannschaft konnte es nur durch ein derartiges Tor zur Niederlage kommen, in der sich Horn und Olkowski nicht wirklich glücklich anstellten.

Europa? „Darüber brauchen wir nicht reden!“

Zufriedene Gesichter fand man daher auch im Kölner Lager nur wenige: Peter Stöger machte seit Samstag in diversen Pressegesprächen einen für seine Verhältnisse griesgrämigen Eindruck. Und auch in der Mannschaft schien die unnötige und vermeidbare Niederlage in Hamburg ihre Spuren hinterlassen zu haben. Wir zitieren Konstantin Rausch und seine treffende Aussage gegenüber der BILD: „Wir reden zu viel über Europa. Wenn wir jede zweite Hälfte so spielen wie in Hamburg, brauchen wir über gar nichts mehr zu reden.“

HAMBURG, GERMANY - APRIL 01: Konstantin Rausch and Anthony Modeste of Cologne look dejected during the Bundesliga match between Hamburger SV and 1. FC Koeln at Volksparkstadion on April 1, 2017 in Hamburg, Germany.

Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images

Lehmann wieder dabei, Guirassy wieder raus

Nach den zuletzt doch deutlich ausbaufähigen Auftritten des effzeh bei Auswärtsspielen kann man schon froh sein, dass jetzt mit der Eintracht und dem Derby gegen Gladbach zwei Heimspiele folgen. Die 40-Punkte-Marke zu überschreiten wäre also für diese Woche eine wünschenswerte Zielvorstellung.

Dass das Hamburg-Spiel in der Vorbereitung auf den Dienstagabend noch eine große Rolle spielte, war Peter Stöger auf der Pressekonferenz am Montag noch anzumerken. „Das ist High-Level-Profisport, da muss man mit Rückschlägen umgehen können. Jeder muss selbst damit fertig werden“, gab er die Richtung für seine Spieler aus, die nach dem Last-Minute-Gegentor durch Holtby eine bittere Niederlage einstecken mussten. Mit der Eintracht sieht Stöger einen Gegner auf den effzeh zukommen, der „zuletzt die Kompaktheit wiedergefunden“ hat und insgesamt eine „außergewöhnliche Saison spielen“ würde. Gerade zuhause sei man mit der Unterstützung der Fans schwierig zu besiegen, wie der Österreicher unterstrich – schließlich hat man in den letzten zwölf Monaten nur einmal zuhause verloren.

Kadertechnisch gibt es wie immer mehr schlechte als gute Neuigkeiten: Sehrou Guirassys berühmte muskuläre Probleme sind wieder aufgebrochen, der Franzose wird nicht im Kader stehen. Dafür ist (Gott sei Dank!) Skipper Matthias Lehmann wieder dabei, der hoffentlich wieder dafür sorgen wird, dass der effzeh defensive Kompaktheit erlangen wird. Auch die Besetzung der Innenverteidigung dürfte interessant werden: Dominic Maroh konnte sich in Hamburg nicht wirklich empfehlen, dafür drängen Dominique Heintz und Frederik Sörensen wieder in die Startelf. Auch Christian Clemens scheint nach Problemen mit seinem Fuß nicht komplett spielfit zu sein. Wie zuletzt immer darf sich Stöger also Gedanken um die Aufstellung machen – so wird es zumindest nicht langweilig.

Aber diese Probleme sind ja auch bei Eintracht-Kollege Niko Kovac bekannt – man erkennt, dass die Parallelen zwischen den beiden Schlachtschiffen der Bundesliga momentan nicht größer sein könnten, was Saisonverlauf, Personal und Unterstützung angeht.

Die Bilanz
Es ist das 102. Aufeinandertreffen der beiden Traditionsvereine in der Bundesliga. 38 Siegen des effzeh stehen 28 Unentschieden und 35 Niederlagen gegenüber. Die Heimbilanz ist mit 22/17/10 ebenfalls positiv.
Der Schiedsrichter
Wolfgang Stark wird der Unparteiische sein. Der Ergoldinger pfiff den effzeh in dieser Saison bereits beim Unentschieden in Bremen.
Die Bundeskanzlerin
Angela Merkel wird bekanntlich ebenfalls da sein. Und hoffentlich Glück bringen.
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