Das nimmermüde Nichtderby zwischen Bayern Leverkusen und dem 1. FC Köln geht in eine neue Runde. Die Werkself spuckt brisante Töne, der effzeh nimmt diese wohl eher als Motivationsspritze.

Julian Brandt ist einer dieser prototypischen Spieler der Internatsgeneration. Ein genialer Fußballer, zweifellos – mit viel Spielwitz, Kreativität und einer herausragenden Technik ausgestattet, gehört er zur deutschen Zukunft auf den offensiven Flügelpositionen.

Ansonsten lässt sich nicht viel über den Blondschopf sagen, außer dass er der Werbefigur des gleichnamigen Zwieback-Giganten doch ziemlich ähnlich sieht. Wie Bieber, Timberlake oder DiCaprio aber beweisen, hat der typische Jungstar mit Bubigesicht irgendwann genug vom Image des lieben Jungen von nebenan.

Brandt: „Wir müssen weiter drauf treten“

Brandt dachte sich also wohl, dass er mal ein wenig zur eigenen Profilierung tun müsse und gab sich daher vor dem Spiel gegen den 1. FC Köln, was für die Werkself noch immer am nächsten an ein Derby herankommt, großspurig. „Es klingt hart, aber wenn Köln schon am Boden liegt, müssen wir weiter drauf treten“, tönte der 21-Jährige vor dem Nachbarschaftsduell am Samstag.

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Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images

Zwar betonte der deutsche Nationalspieler noch, dass er sich damit nicht respektlos gegenüber dem kommenden Gegner zeigen wolle, aber diese bloße Feststellung macht die vorherige Aussage nicht weniger suspekt. Während sich in den letzten Wochen immer wieder gegnerische Spieler positiv gegenüber dem Tabellenletzten äußerten – man denke nur an die mitleidsvollen Aussagen Holger Badstubers nach Stuttgarts höchst glücklichem Last-Minute-Sieg – ist Leverkusens Credo vor dem brisanten Duell also offensichtlich.

Bourani und Brandt mit Motivationsspritze

Dem effzeh wird Brandt vor dem Duell am Samstag um 15:30 Uhr (welch unwirkliche Zeit für effzeh-Fans) eher einen Gefallen mit seiner Aussage getan haben. Peter Stöger dürfte seinem Team mit Sicherheit zumindest beiläufig mitgeteilt haben, was man auf der anderen Rheinseite vom Tabellenletzten hält. Eine willkommene Motivationsspritze. Ein Klassiker der Sportpsychologie.

Und weil es ja in Fußballerkreisen mittlerweile Mode geworden ist, sich den Deutschpop-Brei von Bourani zu geben, läuft vielleicht auch in der kölschen Kabine (wir hoffen, dass es nicht so ist!) nun dessen mit Sido erdachte Komposition „Ich heb‘ ab! Nichts hält mich am Boden.“

Der Pokal und seine eigenen Gesetze

Vom Boden abheben. Genau darum geht es für den großen Ersten Fußballclub Köln trotzdem – jetzt auch in der Bundesliga. Während es im DFB-Pokal unter der Woche bestens lief und der effzeh mit dem 3:1 bei Hertha BSC Berlin seinen gefühlt ersten Pflichtspielerfolg (den Erstrundensieg gegen den hilflosen Leher TS blenden wir mal aus) der Saison feiern konnte, stehen in der Liga noch immer nur kümmerliche zwei Zähler nach neun Spieltagen zu Buche.

In Berlin schoss die Elf von Peter Stöger zudem genauso viele Tore wie in allen bisherigen Ligaspielen diese Saison zusammen. Ein reiner Blick auf die Statistik könnte also die Vermutung nahelegen, dass der effzeh schon scheintot am Boden liegt und jeder weitere Tritt sowieso schon nichts mehr bewirken würde.

Setzt Berlin neue Kräfte frei?

Fernab der nüchternen Zahlen steckt allerdings noch immer verdammt viel Leben im Bodensatz der Tabelle – das zeigten die letzten Partien mehr als deutlich. Als der Bann in Berlin nach dem verunglückten Bittencourt-Schuss, der starken Kopfball-Ablage von Guirassy und dem cleveren Zoller-Volley endlich gebrochen war, platzte ein Knoten. Nicht nur jubelte die Mannschaft demonstrativ mit ihrem Coach, der im Team noch immer extrem gut anzukommen scheint, vielmehr agierte sie in Berlin plötzlich mit dem verloren gegangenen Selbstvertrauen.

BERLIN, GERMANY - OCTOBER 25: Simon Zoller (C) of Koeln jubilates with team mates and head coach Peter Stoeger (R) after scoring the first goal during the DFB Cup match between Hertha BSC and 1. FC Koeln at Olympiastadion on October 25, 2017 in Berlin, Germany. (Photo by Matthias Kern/Bongarts/Getty Images)

Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images

Für die Liga bringt das Pokal-Resultat zunächst einmal rein gar nichts. In psychologischer Hinsicht dürfte dieser Sieg gegen einen Bundesligakonkurrenten allerdings Balsam für die Seele gewesen sein. Die Geißböcke können noch Fußball spielen, Tore schießen, Spiele gewinnen – sie sind kein Opfer, das getreten werden kann. Das macht Lust auf mehr.

Pokalspiele in der Bundesliga

Im Pokal gaben Mannschaft und Trainer die richtige Antwort auf alle medialen Unkenrufe, wonach Köln nach dem Schmadtke-Abgang wieder in Chaos versinken würde. In der Liga warten schließlich bis zur Winterpause erst einmal nur noch „Pokalspiele“, das heißt Duelle, in denen es um alles geht.

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Die Partie gegen Leverkusen ist eines dieser K.O.-Spiele. Eine Niederlage nach dem emotionalen Triumph in Berlin wäre Gift, ein Sieg Gold wert. Mit drei Punkten im Gepäck könnte man den Rückstand zum rettenden Ufer zumindest erst einmal verringern. Dass es in der Chemiestadt nicht leicht wird, dürfte allerdings offensichtlich sein. Die Werkself ist nicht nur qualitativ weitaus hochwertiger besetzt und ist mit zuletzt sechs Spielen in Folge ohne Pflichtspielniederlage viel besser in Form, sondern hat in Kerlen wie Badass Brandt auch noch eindeutig die härteren Jungs in den eigenen Reihen.

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Der effzeh geht außerdem personell weiter auf dem Zahnfleisch. Stöger hatte auch in Europa oder im DFB-Pokal nur wenige Chancen, Spieler zu schonen. Immerhin könnten zumindest Konstantin Rausch, Matthias Lehmann und Marco Höger noch fit werden für die Partie auf der anderen Rheinseite. Bei Claudio Pizarro wird es hingegen nicht zu einem Einsatz reichen.

Erster Sieg mit wiedergenesenem Rausch?

Als Ausreden haben das die Verantwortlichen in Köln aber noch nie gelten lassen. Irgendwann müssen eben Siege her, egal wie. Und wie rappt Sido passend zur Kölner Situation an Bouranis Seite? „Die Stimme der Vernunft ist längst verstummt, wir hör’n sie nicht mehr, denn manchmal haben wir das Gefühl, wir gehör’n hier nicht her. Es gibt kein Vor und kein Zurück mehr, nur noch unten und oben.“ Na dann, viel Spaß, Julian Brandt.

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