Der DFB möchte in einer Gesprächsrunde mit Fans über die China-Testspiele keine Medienvertreter zulassen – ein weiteres Beispiel für mangelnde Transparenz.

Am Samstag um 14 Uhr wird in Mainz-Gonsenheim ein etwas eigentümliches Kapitel Fußballgeschichte geschrieben. Im Otto-Schott-Sportzentrum des TSV Schott Mainz, wo ansonsten um das sportliche Überleben in der Regionalliga Südwest gekämpft wird, empfängt der heimische Aufsteiger die chinesische U20-Nationalmannschaft. Klingt komisch, ist aber so.

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Eigentlich wäre der Tabellenvorletzte aus Mainz zu Beginn der Rückrunde spielfrei, verhindert wurde dies allerdings durch den DFB und seine Kooperation mit dem chinesischen Fußballverband. Chinas Staatspräsident Jinping hofft ja bekanntlich, in den kommenden Jahrzehnten aus seinem Land eine fußballerische Großmacht zu machen – die Testspiele gegen deutsche Südwest-Regionalligisten sollen dabei nur der Anfang sein. Die 16 anstehenden Partien finden dabei außer Konkurrenz statt und betreffen den jeweils spielfreien Klub an den Wochenenden.

Landauf, landab: Kritik am China-Projekt des DFB

Man kann es den jungen Olympioniken aus China ja eigentlich nicht zum Vorwurf machen, dass die Gastspiele ihrer Mannschaft in Deutschland so kritisch beäugt und, soviel kann man wohl schon vorwegnehmen, auch von Protesten begleitet werden. Ob das jetzt am Samstag bereits der Fall sein wird, bleibt abzuwarten. Die Spiele des TSV Schott Mainz werden im Durchschnitt von knapp 800 Zuschauern besucht und es ist fraglich, ob am Samstag chinesische Allesfahrer dabei sein werden.

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Auch dem TSV Schott Mainz ist als Amateurverein dabei kein großer Vorwurf zu machen, schließlich zahlt der DFB 15.000 Euro und damit eine stattliche Summe für die Austragung des Spiels. Anstatt also den Vereinen langfristige Planungssicherheit zu ermöglichen und vielleicht auch mal dafür zu sorgen, dass die Regionalliga-Meister aufsteigen, werden diese also mit Geld zugeschüttet, damit ein umstrittenes Projekt in die Praxis umgesetzt werden kann. Zwar sind die Tests aus sportlicher Perspektive vielleicht tatsächlich reizvoll für die jungen Chinesen, in Fußball-Deutschland regiert ansonsten allerdings die Skepsis, bisweilen sogar unverhohlene Ablehnung.

Stuttgart, Mannheim, Koblenz: Traditionsvereine contra Testspiele

Und das, obwohl DFB-Präsident Reinhard Grindel, in seiner Position eigentlich mindestens genauso mächtig wie Xi Jinping, davon sprach, dass „das Thema mit der chinesischen U20“ ja eigentlich „eine prima Sache“ sei. Puh, Reinhard, darüber lässt sich mit Sicherheit streiten. Die von der deutschen Bundespolitik eingeleitete Kooperation betraf ja unlängst auch den 1. FC Köln, der eine Verbindung mit dem chinesischen Verein Liaoning FC eingegangen war. Auch hier war die einhellige Meinung nicht wirklich positiv.

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Eine eindeutige Entscheidung haben in diesem Zusammenhang auch die drei Traditionsvereine Waldhof Mannheim, Stuttgarter Kickers und TuS Koblenz getroffen, die an den Spielen gegen Chinas U20 nicht teilnehmen werden. Niels Wichmann, Präsidiumsmitglied in Koblenz, sagte dazu Folgendes: „Wir hatten das Gefühl, dass wir vor vollendete Tatsachen gestellt werden.“ Der DFB hingegen betont, man habe alles sauber kommuniziert und würde an den Spielen selbst auch gar nichts verdienen.

BERLIN, GERMANY - JULY 05: Peng Liyuan, Chinese President Xi Jinping, President of the German Football Association (DFB) Reinhard Grindel, President of the German Football League (DFL) Reinhard Rauball and German Chancellor Angela Merkel (CDU) (L-R) attend the Chinese German football summer camp at Stadion am Wurfplatz on July 5, 2017 in Berlin, Germany. (Photo by Matthias Kern/Bongarts/Getty Images)

Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images

Doch warum dann gerade China? Warum gerade in der Regionalliga Südwest? Dietmar Hopp, SAP- und Hoffenheim-Mogul, sagte kürzlich gegenüber der FAZ: „SAP hat in China vielversprechende Aufträge im Sport.“ Die Spielorte im Südwesten der Republik liegen also nahe, dies habe „auch mit den Standorten der TSG und SAP zu tun.“ Keine weiteren Fragen. Doch die die Kritik wächst – und wird auch von Seiten des DFB durch unkluges Handeln immer weiter befeuert.

Offener Brief der Fans an den DFB: Gesprächsrunde war anberaumt

In einem offenen Brief wandten sich die Fanszenen der Offenbacher Kickers, des SV Waldhof Mannheim, 1. FSV Mainz 05, 1. FC Saarbrücken, SSV Ulm, der TuS Koblenz, Wormatia Worms, des FSV Frankfurt, von Hessen Kassel und den Stuttgarter Kickers am 07.07.2017 geschlossen an DFB-Vizepräsidenten und Regionalliga-Südwest-Boss Ronny Zimmermann, um dem Unmut über die geplanten Testspiele Ausdruck zu verleihen. Übergeordnetes Leitmotiv war die Kritik an der Kommerzialisierung des Fußballs, den DFB und DFL aufgrund der nachweisbaren Versuche, sich auf dem asiatischen Markt zu positionieren, nicht von der Hand weisen können. Weiterhin wurde danach gefragt, wie es der DFB denn verantworten könne, mit einem Land zusammenzuarbeiten, in dem unter anderem Presse- und Meinungsfreiheit eingeschränkt sind und die Todesstrafe beliebtes Mittel ist.

Nachdem der DFB den Fanszenen die Möglichkeit zum gemeinsamen Austausch der Standpunkte gegeben hatte, wurde das Gesprächsangebot durch die Fanvertreter angenommen – allerdings unter einer Bedingung: die Fanszenen forderten, dass der Gesprächskreis um Medienvertretern erweitert werden sollte, um eine transparente Berichterstattung der Öffentlichkeit gegenüber zu garantieren. Der DFB ist bekanntlich nicht gerade Hort von einer großartigen Kommunikationskultur und lehnte wenig überraschend ab.

Chinesische Methoden? DFB lehnt Dialog mit Pressevertretern ab

In einer Pressemitteilung der Fans heißt es dazu: „Leider stimmte der DFB dieser Bedingung nicht zu und schlug im Gegenzug vor, den Medienvertretern lediglich im Nachgang die Möglichkeit zu geben, Fragen zu stellen. Da dies nicht im Sinne der Kritiker war und sie der Verantwortung gegenüber den betroffenen und hier unterzeichnenden Fanszenen im Sinne einer transparenten Berichterstattung und Dokumentation bestmöglich Rechnung tragen wollten, betonten sie mehrmals, die aus ihrer Sicht bestehende Notwendigkeit der journalistischen Begleitung und unterstrichen nachdrücklich, dass der Kreis der Berichterstatter gerne von Seiten des DFB ergänzt werden könne.“

Für den DFB war eine Gesprächsrunde unter Einbeziehung der Öffentlichkeit nicht vorstellbar. Die Fans müssen daher Folgendes konstatieren: „Leider muss so festgestellt werden, dass der DFB auch weiterhin nicht an einer offenen Kommunikation interessiert zu sein scheint und die vorgetragenen Kritikpunkte diesbezüglich berechtigt sind. Die unterzeichnenden Fans sahen sich daher dazu gezwungen, das angedachte Gespräch abzusagen. Natürlich besteht das Interesse an einem transparenten und konstruktiven Dialog in der geforderten Runde weiterhin. Die hierfür nötigen Bedingungen werden aber aktuell als nicht gegeben erachtet.“

Es scheint fraglich, inwieweit dem DFB wirklich an einem Dialog mit den Fanvertretern gelegen ist. Zwar wurde bei einem Treffen zwischen Ultra-Vertretern aus der Bundesliga und der DFB-Spitze die Thematik China ebenfalls erörtert, wirklicher Handlungsbedarf wurde von Seiten des DFB allerdings nicht kommuniziert. Offenbar ist die Hoffnung, dass man den Protest der Traditionsvereine totschweigen kann – immerhin sind ja auch 16 Vereine zumindest nicht dagegen, Partien gegen Chinas U20 auszutragen. Falls das Projekt erstmal läuft (und das wird es ab Samstag ja), wird die Kritik wohl sowieso abnehmen, scheint man sich beim DFB zu denken.

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