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Der 1. FC Köln startete mit vier Punkten aus zwei Spielen mehr als ordentlich in die Bundesliga-Rückrunde und steht im Tabellenmittelfeld, wie schon die gesamte Saison über. Eine absolut respektable Leistung. Eigentlich sollte man doch als Fan eines Aufsteigers total zufrieden sein, aber nach dem torlosen Remis gegen den VfB Stuttgart wird wieder einmal Kritik laut über den Spielstil der rot-weißen Götter vor heimischem Publikum.

Ist Kritik überhaupt angebracht? Sollten wir nicht einfach nur zufrieden sein mit dem bisherigen Saisonverlauf? Und woran liegt es, dass das Preis-Leistungsverhältnis bei Heimspielen des Ersten Fußballclubs Köln so mau ist? Die Redakteure von effzeh.com haben sich mal wieder zusammengesetzt und gerudelt. Dabei ist man sich auch hier nicht einig.

© effzeh.com

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David Schmitz: „Was ein Drissspiel!“

Rüdiger Steiger: „Schön war’s nicht, bin aber zufrieden! Gegen den SCP nun drei Punkte und alles ist schick! Schön untergehen darf ruhig der BVB. Ich nehme dann auch einen Punkt im Drisskick!“

David: „Hätte ich im warmen gesessen, fände ich es auch nicht ganz so übel, aber das war teilweise richtig schlecht, von beiden. Lichtblick war Finne, bewegt sich wenigstens mal. Auch wenn Minimum einer von beiden Schüssen aufs Tor muss.“

Rolf Bauer:Nein, Rüdiger, das war nichts! Angst essen Seele auf, das kann noch ein ganz heißer Tanz bis Mai werden.“

Thorsten Neunzig:Das wird definitiv ein heißer Tanz. Hat jemand was Anderes erwartet? Außer Gero (#europapokal)? Im Ernst: Lieber so einen Dreckspunkt mitnehmen, in dieser Situation absolut ausreichend, als eine blöde Nuss von Harnik oder einem anderen Blinden fangen und ganz leer da stehen.“

Rolf: „Dein Wort in Gottes Ohr! Aber nur auf Unentschieden spielen kann auch zum Problem werden, zum Beispiel dann, wenn es auswärts nicht mehr funktioniert.“

Thorsten: „Gegen den VfB haben sie nicht nur auf Unentschieden gespielt. Der Wille war da. Das Können fehlt, gegen eine solch kompakt stehende Mannschaft haben wir keine Mittel. Wenn dann die Offensivkräfte noch allesamt einen schwarzen Tag erwischen, wird es schwer. Aus einzelnen Spiele eine Pauschalprognose abzuleiten fällt mir immer noch schwer. Wir werden zu Hause gewinnen. Irgendwann.“

Rolf: „Schreibst du das auch nach dem Paderbornspiel?“

Thorsten: „Ja! Ich rechne gegen Paderborn mit einem ähnlichen Spiel und bin froh, wenn am Ende hinten wieder die Null steht. Ich halte Paderborn offensiv, umschalttechnisch für besser als Stuttgart.“

Tim Nattermann: „Wenn man etwas Positives erkennen kann dann: a) Was Thorsten gesagt hat – die Null steht, denn in der Hinrunde haben wir die Spiele noch vergeigt. b) Die Einwechslung von Finne – er hatte dreimal die Führung auf dem Fuß, meckert nicht, er hatte wenigstens die Chancen c) Die Stimmung – kein Gemoser, keine Pfiffe, top!

Gero Dieckmann: „Kurzer Einschub: Sehen Sie hier die Highlights der Partie 1. FC Köln gegen VfB Stuttgart:
Danke für Ihre Aufmerksamkeit.“

Rolf: „Ich sehe… nichts?“

Gero: „Richtig!“

Martin Gödderz:Mein Gott, vor drei, vier Tagen war halt noch alles Friede, Freude, Eierkuchen. Könnt ihr euch nicht mehr an den Effzeh der Hinrunde erinnern? Immer wenn man mal einen tollen Sieg gefeiert hat und gegen die direkte Konkurrenz Big Points holen konnte (siehe Freiburg oder Berlin in der Hinrunde), wurde das so ein scheiß Gewürge. Also nix Neues. Solche Leistungen bei gefühlt -10 Grad Celsius lassen einen dann aber doch darüber nachdenken, warum man jetzt nicht auf dem warmen, heimischen Sofa sitzt. Dafür schlagen wir dann halt wieder die kriselnden Bayern in der Allianz Arena.“

Rolf: „Fällt euch eigentlich auf, dass der Effzeh grundsätzlich verkackt, wenn er die Chance hat ins obere Mittelfeld, also in die sichere Zone zu kommen? Ich denke da liegt ein tieferes Problem und zwar in der mentalen Vorbereitung und Ausrichtung des Teams.“

Foto: DIrk Unschuld

Foto: DIrk Unschuld

Gero: „Interessante Frage. Die geht aber auch anders: Ist es taktisches Konzept, dass der Effzeh gezielt nicht die Punkte mitnimmt, die einen Platz in der oberen Tabellenhälfte bedeuten würden?“

Rolf: „Auch nicht schlecht, aber das wäre aus meiner Sicht der Ritt auf der Rasierklinge. Außerdem hätten wir dann ja Solbakken/Finke missverstanden und die nur Pech gehabt.“

David: „Naja, ich geh da jedenfalls nicht mehr hin, bis a) der Effzeh zuhause gewinnt oder b) die Temperatur über 15 Grad liegt. Punkt.“

Rolf: „Weichei. FC bedeutet Leiden, ich weiß, wovon ich schreibe – since 1973.“

David: „Als ob man auf der Couch nicht leiden würde. Aber solang die Heimtaktik aus „Gegentore verhindern“ besteht, statt aus „Tore schießen“, glänze ich mit Abwesenheit. Momentan kostet 1 Heimtor mehr als 100 Euro Eintritt. Sehe ich nicht ein, sorry.“

Gero: „Ich geh da nicht mehr hin – bis zum kommenden Samstag!“

David: „Meine Heimspielsperre kann ja JEDERZEIT vom Effzeh beendet werden. Vielleichtt schon am kommenden Samstag…“

Rüdiger: „Drama, Baby! Wasn los hier? 23 Punkte in 19 Spielen – Alles im Lack und ihr kackt hier rum, wie schlimm dieser Fußballverein ist. Gewinnen sie gegen Paderborn locker mit 5:0, ist wieder Party. Typisches Kölner Fanverhalten. Realistisch gesehen: Jeder Punkt ist wichtig bis man so circa die 37-Punkte-Marke erreicht hat. Und da der effzeh mit jeder Mannschaft mithalten kann, wird das auch so ab dem 30. Spieltag der Fall sein. Ob in schön oder schmutzig, ist mir im ersten Jahr Bundesliga so ziemlich egal. Spätestens nach dem Auswärtssieg auf der Alm am Niederrhein ist eh Karneval! Pah! COME ON EFFZEH!“

David: „Hast du diesen Heimspiel-Müll diese Saison einmal vor Ort ertragen müssen? Nein, oder? Merkt man. Das hat nix mit typischem Kölner Fanverhalten zu tun. Sich einen 5:0-Heimsieg überhaupt vorzustellen, ist ja schon fast blasphemisch angesichts der Darbietungen. Ganz ehrlich, das darf und muss man aussprechen und kritisieren dürfen. Wir sind hier ja nicht im Vatikan. Die Realität ist: Brechen wir auswärts ein, haben wir GAR KEINEN Trumpf im Abstiegskampf. Ich sehe das einfach komplett anders. Ich komme besser mit einer 3:4 Niederlage klar als mit dem 17. torlosen Unentschieden. Ich komme auch mit einem 3:3 klar. Aber die Spielweise zuhause ist langsam wirklich als Frechheit zu bezeichnen. Dafür kann man kein Geld verlangen. Punkt.“

Rüdi: „Gladbach, 0:0! Wurde abgefeiert wie ein 4:0 sieg! Ob vor der Glotze oder im Stadion ist mir relativ egal. Aus Solidarität zu euch Hardcorefans setze ich mich auch gerne 90 Minuten in den Garten, um mit zu frieren. Bewerten wir hier den Effzeh oder das Wetter?“

David: „Es wurde abgefeiert? Also nicht von mir. Das war eher ein ‚Puh, endlich nicht gegen die Bauern verkackt‘-Gefühl“

Thorsten: „Naja, Leistung ist und war ja da – außer gegen Freiburg. Ansonsten ist der Wille erkennbar. Die können nicht besser. Die können keine kompakte Abwehr knacken. Auch mit Risse und Halfar in Normalform wäre das schwer geworden. Und ob Finne sich von Beginn an genau so leicht getan hätte? Glaub ich nicht. Da konnten die Stuttgarter auch noch mehr rennen.“

David:Ist mir egal, was die können. Schießen sollte jeder Profi können. Aber nein, statt zu schießen lieber ein Rückpass ins Niemandsland. Es sind immer die gleichen kleinen Entscheidungen gegen ein Minimal-Risiko und pro ‚Lieber hinten rum‘. Wir haben einen starken Torhüter und eine super Abwehr, aber wir gehen null Risiko in einem Heimspiel ein. Tut mir leid, ich akzeptiere diese Spielweise nicht mehr. Ich weiß nicht, ob es Stögers Ansagen sind oder mangelnde Leidenschaft. Wenn man spielerisch nicht durchkommt, muss man eben die Brechstange nehmen. Aber selbst die nehmen wir nicht. Es gibt keine Gewaltschüsse, es gibt keine Trotzaktionen. Stattdessen: Zurück zu Wimmer, zurück zu Horn, zurück zu Hector, zu Lehmann, zu Wimmer zu Horn. 90 Minuten lang. Da krieg ich langsam einen Hals.“

Gero: „Ich werde mir dahingehend immer sicherer, dass ich das Spiel nicht einmal als Horrorfilm sehen möchte. Brrrr….“

Foto: Dirk Unschuld

Foto: Dirk Unschuld

Rüdiger: „Ihr wisst schon, dass da eine der besseren Auswärtsmannschaften in Müngersdorf verweilte, oder? Außerdem ein Gegner, der in Köln seit gefühlt 1948 immer gewann. Klar kann man enttäuscht sein, dass man zu abwartend spielte und dem VfB so wenig Chancen gab das Spiel durch Kontertore zu gewinnen. Ich sitze manchmal auch da und frag mich schon nach sieben Minuten, warum man nicht einfach Attacke nach vorne spielt in der ersten Viertelstunde. Aber hey: im Gegensatz zu Sky-Reportern weiß ich, wo der Effzeh in den letzten zwei Jahren war. Und so neu ist die Thematik der Heimspiele ja nicht. In Liga 2 waren es halt schwächere Gegner. Man tat sich dennoch schwer. Ist auch egal, es kann auch gut passieren, dass Paderborn 1:0 am Samstag gewinnt. Glaub ich zwar nicht, da das nicht mehr das Paderborn der Hinrunde ist, aber ich warne schon mal vor!“

Gero: „Ich war in Paderborn – war auch doof.“

David: „Grundsätzlich sehe ich das ja wie du Rüdi, aber wenn man den Müll da sieht, wünscht sich manchmal einfach lieber ne spektakuläre 3:4 Niederlage als wieder 0:0.“

Thorsten:Ich sehe das mal so: Mannschaften, die wir hinter uns lassen müssen sind der HSV, Paderborn, Freiburg, Stuttgart und Hertha. Gegen zwei dieser Mannschaften haben wir aus zwei Spielen 4 Punkte geholt. Gegen Paderborn ist das möglich. Und selbst wenn wir gegen alle drei nur einen Punkt holen, reicht das auch. Wir dürfen einfach nicht wie in den Hinspielen dem direkten Konkurrenten die Punkte schenken. Dann lieber dreckig 0:0. Die Kür sind andere Spiele.“

Rüdiger:Ich sehe das mal so: Mannschaften, die wir hinter uns lassen müssen sind der HSV, Paderborn, Freiburg, Stuttgart, Hertha, BVB, Mainz, Werder, Hannover, Hoffenheim und Frankfurt!!! Nein! ich bin nicht bekloppt!“

Martin:Hm,  für mich ist das so eine Herz-Kopf-Sache. Vom Kopf her ist das absolut legitim, dass der Effzeh vernünftig spielt, nicht viel riskiert in seinem ersten Jahr, und so weiter. Aber es wird eben für das Herz eines Fußballfans immer schwerer erträglich, weil man merkt, dass da ganz klar die Ansage vorherrscht: Nicht zu viel Risiko. Im Taktikartikel zum Spiel wird uns das ja auch nochmal erklärt. Der Effzeh spielt halt 0,0 Prozent Risiko zuhause. Ich finde das zwar ein Stück weit auch vernünftig, aber hin und wieder dürfte man sich dann schon mal etwas weiter hinten raus trauen. Die Sache ist halt die: Bislang funktioniert Stögers Konzept ja wunderbar. Wir stehen zumindest auf einem Tabellenplatz, den wir vor der Saison mit Kusshand genommen hätten. Wir dürfen also eigentlich gar nicht meckern, auch wenn es nach solchen Grottenkicks schwer fällt“

David: „Dennoch finde ich, zumindest wenn es Samstag gegen Paderborn geht, darf die Ansage nicht lauten „0 Risiko, Jungs“. Das ist Paderborn, wir haben Heimspiel. Ich will die Ansage ‚Heimsieg! Immer eins mehr machen, als wir kassieren!‘ Wenigstens gegen Paderborn sollte man sich doch mal was zutrauen jetzt!“

Martin: „Vor allen Dingen gegen ein Paderborn, das sich vom offensivschwächsten Team der Liga drei Dinger einfängt. Aber auch gegen die muss mal ein kreativer Moment kommen. Mal schauen, ich geh vom schlimmsten aus.“

Rüdiger: „Laut eigener Aussage hat Stöger wörtlich in der Kabine in Hamburg zur Halbzeit gesagt: ‚Jetzt gehen wir auf drei punkte‘. Ich glaube, das hat er auch gegen den VfB gesagt und mit den Einwechselungen auch nochmal ein Zeichen gesetzt. die Jungs haben es leider nur mäßig umgesetzt.“

David: „Das scheint aber seine übliche Taktik zu sein. Erste Halbzeit überleben, dann gegebenenfalls mal angreifen. Ich fände mal eine Ansage vor dem Spiel ‚Jetzt gehen wir auf drei Punkte‘ zwischendurch sehr erfrischend.“

Thorsten: „Das ist wie ein Boxkampf von Arthur Abraham. Die ersten neun Runden Doppeldeckung und schauen, wo man zuschlagen könnte. Und dann drei Runden versuchen die vermeintliche Schwäche auszunutzen. Führt halt meist zum KO-Sieg oder zur Punktniederlage. Zum Glück gibt’s im Fußball keine Punkte oder B-Note.“

Rüdiger: „So jetzt noch einmal ganz einfach zum Mitschreiben: 23 / 19 * 34 = circa 41 Punkte = Klassenerhalt! So!“

Thorsten: „Und hinzu kommt, dass wir die leichteren Gegner auswärts haben = Europapokal!

Rüdiger: „Bayern, Dortmund, Gladbach, Augsburg …. hast Recht.“

Gero: „Wisst ihr was? Schmadtke hat Recht.“

Thorsten: „In Köln gibt es immer einen Grund zu meckern. Das weiß der Schmaddi nur noch nicht. Und das ist auch gut so. Aber wir können ja die Kirche im Dorf lassen und den Dom in Kölle. Wie sagte der Peter so schön auf der PK: ‚Wenn wir immer Dreier holen würden, würden wir in anderen Tabellenregionen spielen.'“

David: „Klingt ja, als wäre es schlimm, wenn wir in anderen Tabellenregionen spielen würden…“

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Rüdiger: „Ne, klingt nicht so. Klingt nach Wahrheit. Und solange wir keinen stürmer a la Helmes mehr im Kader haben, der aus dem Nichts auch mal ein Tor schießt, wird es auch ein Weilchen noch so weitergehen. Na und? Platz 10 ist sehr toll. Mensch, bin ich Realist geworden hier im Osten.Ist ja zum Kotzen.“

David: „Natürlich ist die Aussage wahr, dass man weiter oben stehen würde, wenn man öfter gewinnen würde. Dennoch darf man natürlich erwarten, dass man grundsätzlich in einem Heimspiel auf Sieg spielt, vor allem wenn ein Gegner der hinter einem platziert ist zu Gast ist. Ich sehe aber eben eine „Hauptsache Nichts Kassieren“ Taktik. Der Effzeh spielt meistens erst ab der 70. Minute auf Sieg. Und darüber kann und darf man meckern. Gegen Paderborn kann es diese Ausrichtung wirklich nicht mehr sein. Wir haben eine sehr gute Hintermannschaft, man könnte der Meinung sein, dass die das ein oder andere Risiko in der Offensive auffangen könnten. Vielleicht ordnet Stöger das auch früher an und die Jungs kriegen es einfach nicht hin. Das kann natürlich sein, aber da es auswärts durchaus echte Druckphasen inklusive Chancen gibt, ist grundsätzlich das Können ja vorhanden. Auch ohne Helmes.“

 

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1 Kommentar

  1. In Köln gibt’s immer was zu meckern, ich meckere jetzt mal über die Meinung von David.
    Die Mannschaft soll also mehr Risiko gehen. Dann läuft sie in einen blöden Konter und liegt 0:1 hinten. Und dann schießen sie 2 Tore und gewinnen weil der Gegner hinten aufmacht? Träum weiter! Genau so kamen doch die Heimniederlagen zustande! Ein dummes Ei kassiert gegen Freiburg, gegen Hertha zwei, und dann fehlt uns vorne die Klasse, um den vom Gegner angerührten Beton zu knacken.
    Nee, dann lieber Grottenkick und einen Punkt. Wer da auf Risiko geht, verliert mehr als er gewinnen kann.