Mit Rückenwind aus der Europa League geht der 1. FC Köln in das Heimspiel gegen Hertha BSC. Gegen die Berliner soll nun endlich der dringend benötigte erste Sieg in der Liga her.

Hängende Köpfe, zu viele vergebene Torchancen, hinten im entscheidenden Moment zu unaufmerksam – der  Arsenal FC hatte wahrlich kein gutes Spiel beim 1. FC Köln abgeliefert. Die Mannschaft von Peter Stöger fuhr dagegen dank eines verwandelten Elfmeters von Sehrou Guirassy ihren vierten Pflichtspielsieg in dieser Saison ein und bewahrte sich die Chance auf ein Weiterkommen im Europapokal. Für viele fühlte es sich an wie Balsam auf der Seele, die in den letzten Monaten so viel aushalten musste. Wie schon nach dem 5:2 gegen BATE Borisov will der effzeh nun den Rückenwind mit in die Bundesliga nehmen. Zwar misslang das beim 0:3 gegen durchschnittliche Hoffenheimer vor einigen Wochen gründlich, aber es hilft ja alles nichts: Als leidgeplagter effzeh-Fan muss man aufstehen und weitermachen.

Einer, auf aktuell dem die Hoffnungen vieler ruhen, ist der 21-jährige Sehrou Guirassy. Der junge Franzose, der im letzten Jahr nahezu komplett außer Gefecht war, zeigte in den letzten Wochen sein Potential, das er auch in Tore ummünzen konnte. Mit technischer Klasse, guter Athletik und Zug zum Tor ist er derzeit der beste Offensivspieler im Kader. Gegen Berlin dürfte er wieder von der halblinken Position beginnen, während Yuya Osako halbrechts und Claudio Pizarro zentral starten sollten. Die Flügel werden wohl Pawel Olkowski und Konstantin Rausch besetzen, die Zentrale der immer stärker werdende Salih Özcan und Milos Jojic, in der Abwehr könnte sich die Konstellation Jorge Meré, Matthias Lehmann und Lukas Klünter ausprobieren. Ein Einsatz von Leonardo Bittencourt erscheint fraglich, weil der Offensivspieler zuletzt über erhebliche Probleme klagte und auch nicht viel trainieren konnte.

Riesiges Verletzungspech beim 1. FC Köln

Die Mannschaft stellt sich derzeit ohnehin fast von alleine auf. Die Wermutstropfen beim Sieg gegen Arsenal waren die zwei Verletzungen von Dominic Maroh und Jhon Cordoba (effzeh.com berichtete). Damit fallen bis zur Winterpause folgende Spieler aus: Dominique Heintz, Joao Queiros, Dominic Maroh, Jonas Hector, Marco Höger, Marcel Risse, Jhon Cordoba und Simon Zoller. Das ist mehr als die Hälfte der nominellen Startelf! Mit einer Transferperiode, in der der (ehemalige) Sportchef seine Arbeit gemacht und für mehr qualitative und quantitative Zugänge gesorgt hätte, wäre es möglicherweise weniger schlimm, aber trotzdem noch wenig kompensierbar. In seiner Aufstellungsprognose sieht der kicker derzeit fünf Feldspieler und zwei Torhüter auf der Reservebank, darunter der 16-jährige Verteidiger Yann-Aurel Bisseck.

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Doch das Jammern hilft bekanntlich nicht, nun müssen es eben die anderen richten. Obwohl die Hoffnung, dass es in der Liga doch eigentlich nicht schlimmer werden könnte, Woche für Woche widerlegt wird, ist die Mannschaft zum Weitermachen gezwungen und hat zumindest in der Europa League gezeigt, dass sie immer noch gewinnen kann. Umso wichtiger wäre nun ein Erfolgserlebnis in der Liga, das sich nicht nur tabellarisch, sondern auch im Selbstvertrauen niederschlagen würde. Mit einem Sieg gegen die Hertha könnten die entsetzlichen Darbietungen der vergangenen Wochen zumindest vorübergehend ausgeblendet und neue Hoffnung im Abstiegskampf geschöpft werden.

Berlin schon einmal bezwungen

Nicht unwesentlich zur Hoffnung darauf trägt auch der Sieg über die Berliner im DFB-Pokal bei. Mit 3:1 siegte der effzeh überraschend im Olympiastadion und zog ins Achtelfinale ein. Insgesamt läuft es bei der „Alten Dame“ derzeit sportlich nicht rund. Die Hertha steht in der Liga lediglich auf Platz 14, flog gegen den effzeh aus dem DFB-Pokal und am Donnerstag nach einer Niederlage in Bilbao aus der Europa League. Die Stimmung rund um Pal Dardais Mannschaft ist gedämpft, eine Niederlage oder ein Punktverlust gegen die „Geißböcke“ wäre für die Atmosphäre in der Hauptstadt alles andere als förderlich. Von den letzten sechs Ligaspielen konnten die Berliner nur eins gewinnen, vor allem die Stürmer Salomon Kalou und Vedad Ibisevic konnten in dieser Saison noch nicht ihre sonst hohe Qualität nachweisen.

Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images

Beschränkt man die Sicht also nur auf das Spiel gegen Hertha, erscheint die Lage des effzeh nicht so aussichtslos wie die gegenwärtige tabellarische Konstellation. Von großer Bedeutung dürfte in diesem Spiel sein, wer das erste Tor erzielt, da beide Mannschaften das Spiel ungern selbst in die Hand nehmen und das Konterspiel bevorzugen. Die Qualität der Berliner ist insbesondere auf den Außenpositionen dank Marvin Plattenhardt und Mitchell Weiser zwar deutlich höher einzuschätzen, aber das ist nicht in jedem Spiel eine Erfolgsgarantie. Wenn sich Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus in ihrem dritten Erstligaspiel außerdem nicht dazu verleiten lässt, den effzeh per Videoassistent zu benachteiligen, wäre zumindest schon einmal ein Fortschritt gegenüber dem Spiel in Mainz erreicht. Die Hoffnung auf eine bessere sportliche Leistung bleibt ohnehin bestehen – wie an so vielen Wochenenden der vergangenen Monate.

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