Jeder kennt ihn, jeder redet über ihn – zu Wort kommt er jedoch nie. Trotzdem ist Hennes der Achte das Aushängeschild des effzeh. Unser Autor versucht, sich in seine Gedankenwelt hineinzuversetzen.

Eigentlich wollte Hennes nach getaner Arbeit in Ruhe die Füße hochlegen und sein Feierabendbier genießen. Hatte er heute nicht schon genug geleistet? Es ist wahnsinnig schwer geworden, seine Mitmenschen zufrieden zu stellen. Was zählt eine beherzte Leistung, wenn am Ende nur ein mehr oder weniger (un-)befriedigendes Ergebnis rauskommt? Ja, früher, vor nicht allzu langer Zeit, waren die Ansprüche an ihn deutlich geringer. Das war noch, bevor er Anneliese kennenlernte. Da lebte er noch in seiner Junggesellenbude, zur Untermiete bei seiner Mutter. Aber eben allein.

Und allein sei nicht gut für einen Geißbock, fand sein Therapeut. Deshalb sollte er umziehen, in Gesellschaft, in eine kleine Wohnung im angesagtesten Viertel der Stadt. Anneliese wohnte in direkter Nachbarschaft. Sie war zwar schwanger von einem anderen, aber ihre Augen waren unwiderstehlich. Seine rotweiße Brille wich einer zartrosa-farbenen. Es lief alles perfekt. Sein Leben auf eigenen Füßen brachte ihm vollste Zufriedenheit und die große Liebe war gefunden.

Durchwachsene Lehrjahre für Hennes VIII

Auch beruflich konnte er sich nie was vorwerfen. Von klein auf hatte er sich hochgearbeitet. Seine Lehrjahre waren eher durchwachsen. Am 23.8.2008 übernahm er als Stift die Geschicke seines Vorgängers, der wegen Arthrose kürzer treten musste und den bereits im Frühjahr 2009 das Zeitliche segnete. In dieser Zeit lief der Betrieb eher etwas holprig, was mitunter an den an den Versprechungen seiner Chefs lag. Eigentlich war jedem, sogar ihm als Lehrling, klar, dass diese Erwartungen nicht erfüllt werden konnten. Und um die hehren Ambitionen zu unterstreichen, wurden gerne gottgleiche Kollegen eingestellt.

[irp posts=“33492″ name=“Stammkeeper plant Comeback: Horn zurück im Training“]

Ein „Messias“, der noch im Krankenbett sein Arbeitspapier unterschrieb. Hochdotierte Gastarbeiter aus fernen Ländern, die teilweise netto und brutto nicht unterscheiden konnten oder ihre portugiesischen Sportwagen den Dienstwagen vorzogen. Die Rückkehr des verlorenen Sohns oder Eskapaden slowenischer Kollegen in Gleisbetten und anderen Untergeschossen der Stadt. Oder der glatzköpfige Trainer, der aus dem Iglu kam. Das war eine irre Zeit! Mit vielen Nebenkriegsschauplätzen, teilweise aber mit Erfolg, mehr oder weniger zumindest. Auf jeden Fall sehr kurzlebig. So schnell diese Gestalten auftauchten, so schnell verschwanden sie meist wieder. Teilweise in Nacht- und Nebelaktionen, teilweise vorhersehbar, aber oft auch sinnvollerweise.

Foto: Mika Volkmann/Bongarts/Getty Images

Mit dem Ende seiner Lehre zog dann die große Demut in seiner Firma ein. Harte Arbeit sollte sich wieder lohnen. Die alten Bosse hatten zu viel gemauschelt und traten auf Druck der Belegschaft zurück. Die neuen Bosse bestachen durch wirtschaftliches Denken, sportliches Know-How und kölsche Connections. Eine erfolgreiche Symbiose, dieses Dreigestrin. So wuchs ein neues Verständnis in der Kundschaft für die Produkte des Betriebes: Wenn auch nicht jedes Spiel mit Pauken und Trompeten gewonnen wurde, so fand doch der Wille und Einsatz Lob und Anerkennung. In Schönheit sterben sollten andere.

Frischer Wind durch die neuen Chefs

Die neuen Chefs ließen frischen Wind durch die Gänge des Betriebs wehen. Und nach und nach kamen immer mehr Kollegen, die auf Arbeit setzten. Andere mussten gehen, zu tief saß der Filz und so manch einem wurde ein Maulwurf-Dasein nachgesagt. Nicht nur in den Führungspositionen, sondern auch bei den Malochern wurde kräftig umgerüstet. Das gefiel ihm, denn er durfte bleiben, wurde nach erfolgreicher Lehre übernommen. Die Ergebnisse sollten dementsprechend besser werden. Zunächst langsam und mit wenig Erfolg bei sehr niedrigen Erwartungen stieg das Potential seines Arbeitgebers jährlich. Stück für Stück.

Allerdings ist die Konkurrenz in dem Geschäft seines Arbeitgebers sehr groß. Immer mehr muss man sich mit spartenferner Konkurrenz abgeben, die das Geschäft für marketingtechnische Dinge ausnutzen möchte und die bestehenden Regeln für sich selbst zurechtbiegt. Der Pillenfabrikant von der schäl Sick und ein namhafter Autokonzern aus Wolfsburg bedienen sich des ältesten Tricks, um Geld von außen in die Branche zu injizieren. Man nennt die Tochtergesellschaft einfach Betriebssportgruppe und schon sind alle Sorgen weg. Ein Logistik-Fachmann aus dem hohen Norden stellt sich da wesentlich geschickter an. Er subventioniert einen Konkurrenten, ohne – zumindest öffentlich –  mitreden zu können, das wäre nämlich verboten. Mit mehr oder weniger Erfolg, aber das ist ein anderes Thema.

Viel weniger subtil gestaltet ein IT-Riese aus dem Kraichgau sein Engagement. Genügend Connections ermöglichen ihm scheinbar ein Vorgehen am Rande der Legalität, die meisten sagen über diesen Rand hinaus. Aber das sind ja auch die gleichen, die glauben, dass seine Mutter einen unehrenhaften Beruf habe. Wobei eigentlich nur er selbst denkt, dass dieser Beruf unehrenhaft sei. Nicht vergessen sei ein weiterer Autofabrikant, eigentlich selbst schon eine Tochter des vorgenannten, der maßgeblich einen weiteren Konkurrenten in Süddeutschland unterstützt. Man munkelt auch hier, dass es für dieses Engangement Gegenleistungen gibt.

Auf der nächsten Seite: Hennes der Achte über seinen Konkurrenten, einen roten Bullen.

1 2
Teilen:

Der Kommentarbereich ist geschlossen.