Der 1.FC Köln hat einen neuen Geschäftsführer Sport. Und der heißt Armin Veh. Erste Aufgabe: einen neuen Trainer finden. Doch Moment, war Armin Veh nicht eigentlich selbst Trainer? Zeit für ein paar Fakten. Wir stellen den Neuen hier kurz vor.

Armin Veh hat Stallgeruch. Nicht den des glorreichen 1.FC Köln, nein ganz und gar nicht. Als Spieler kickte Veh, geboren 1961 in Augsburg, Ende der 70er Jahre sogar für Borussia Mönchengladbach. Dort verlor er 1980 das Finale im UEFA-Pokal gegen Eintracht Frankfurt. Für die Fohlen bestritt er 65 Bundesliga-Spiele, bevor später ein Beinbruch seine Karriere beendete. Aber der Mann ist ein Kind der Bundesliga. Bisher war der 56-Jährige vor allem als Trainer aktiv gewesen, doch auch als Geschäftsführer hat Veh sich in Wolfsburg schon mal versucht. Auch als Nachfolger von Heribert Bruchhagen war Veh in Frankfurt seinerzeit im Gespräch, bis es dann Fredi Bobic wurde.

Seine Trainerkarriere begann Armin Veh 1990 in Augsburg. Und dort wohnt und lebt Veh bis heute mit seiner Frau Helena. Schicker Neubau, Mähroboter im Garten und die Meisterschale auf dem Kamin. Denn Veh wurde 2007 sensationell Deutscher Meister mit dem VFB Stuttgart. Davor führte er Fürth und Reutlingen in die 2.Bundesliga, machte Station in Rostock, wo er aus eigenen Stücken hinwarf, kehrte in seine Geburtsstadt nach Augsburg zurück und führte einen sehr jungen VfB Stuttgart schließlich zur Meisterschaft – die Krönung seiner bisherigen Laufbahn. Bis dahin hatte Veh mehr Erfolg als Misserfolg, oft mit offensiv ausgerichtetem Fußball. Auch als Aufstiegstrainer stellte er seine Qualitäten unter Beweis, nachdem er Reutlingen, Fürth und Eintracht Frankfurt zurück in die Bundesliga brachte.

Keine Lust mehr aufs Verlieren

In den späteren Jahren seiner Trainerkarriere sollte es dann allerdings nicht mehr so funktionieren – von einer Europapokal-Qualifikation abgesehen. Denn sowohl mit der Wolfsburger Meistermannschaft, als auch mit dem HSV gelang Veh wenig, beide Missionen endeten nicht allzu lange, nachdem er sie begonnen hatte. Dann führte Armin Veh Eintracht Frankfurt zurück in die erste Bundesliga und schließlich in den Europapokal – die Qualifikation gelang der Eintracht ähnlich überraschend wie dem 1.FC Köln in der vergangenen Saison. Doch Veh hatte irgendwann keine Lust mehr dem Gegner nach einem verlorenen Spiel die Hand zu geben. Dieser spontan geäußerte Satz hing dem Trainer noch Jahre nach, denn er kehrte nach einer weiteren Station in Stuttgart erneut zur Eintracht zurück. Dort wurde Veh schließlich am 6.März 2016 entlassen. Seitdem war er ohne Job, wenn man von einem Medien-Engagement absieht.

Veh über Red Bull Leipzig und externe Investoren

„Ich kann nur Dinge machen, wenn ich auch leidenschaftlich bin.“ Das sagte Armin Veh kürzlich in einem Interview, das der SWR bei ihm zu Hause führte. Und so tickt Veh auch. Er ist ein Fußballfachmann, der mit seinem Alter und seiner Erfahrung gerne kokettiert. Den Jugendwahn der Bundesliga sieht er mit großer Skepsis. „So leicht wie heute, Bundesliga-Trainer zu werden, war es noch nie.“ Im Umgang mit Medien ist Veh erfahren, unterhaltsam und selbstbestimmt. Gute Voraussetzungen für die Medienstadt Köln. Eine weniger gute Voraussetzung ist, dass Veh nach dem Ende seiner Zeit in Frankfurt ankündigte nie mehr im Abstiegskampf stecken zu wollen. Der effzeh steckt mitten drin.

Seien wir doch froh, dass es Red Bull in Deutschland tut.

Wie sieht der neue Geschäftsführer Sport den Fußball sonst? In einem Interview mit den Stuttgarter Nachrichten sagte Veh im Jahr 2016 Folgendes über Red Bull Leipzig: „Das mag vielen nicht gefallen – aber wir leben in einer freien Gesellschaft, in der man niemandem verbieten kann, irgendwo sein Geld zu investieren. Seien wir doch froh, dass es Red Bull in Deutschland tut. Entscheidend ist doch, dass man sich sportlich qualifizieren muss und sich nicht einfach in die Bundesliga einkaufen kann. Das hat Leipzig getan. Ich gehöre also nicht zu denen, die sagen, der Verein nehme anderen einen Platz weg.“

In seiner Sport1-Kolumne schrieb Veh zum „Wahnsinn auf dem Transfermarkt“: Was die Diskussion über die 50+1-Regel angeht: Mir ist lieber, die Scheichs und Chinesen kaufen deutsche Fußballvereine statt deutsche Unternehmen.“ Seit 2016 war er Teil eines Talk-Formats in diesem Sender und stellte dort mal mehr, mal weniger eloquent und inhaltlich treffend seine Ansichten zum Fußball zur Schau.

Veh als Geschäftsführer: Er hat eine Chance verdient

Dass Veh wieder jetzt einmal Geschäftsführer Sport werden würde, das war nie abwegig. Bereits in Wolfsburg hatte er diese Aufgabe inne, Veh führte die Wölfe im Jahr 2009 als Trainer und Manager in Personalunion. Seine Transferbilanz in dieser Zeit: er verbuchte ein Minus von 27 Millionen. In seine Amtszeit fielen unter anderem Transfers wie Obafemi Martins, Karim Ziani, Thomas Kahlenberg und auch der Brasilianer Réver. Immer wieder hatte der gebürtige Augsburger selbst angekündigt, nicht bis 60 auf der Trainerbank sitzen zu wollen. Ob er den Job auch kann, das muss Veh erst unter Beweis stellen. In Köln hat er dazu jetzt die Gelegenheit. Geben wir ihm die Chance.

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3 Kommentare

  1. Zum Schluss heißt es in dem Artikel: „Ob er den Job auch kann, das muss Veh erst unter Beweis stellen. In Köln hat er dazu jetzt die Gelegenheit. Geben wir ihm die Chance.“ Wie großzügig von Ihnen, Herr Zimmermann: „Geben wir ihm die Chance“. Und wer ist denn „wir“? Sprechen Sie von sich selbst im majestätischen Plural, oder sprechen sie für „alle“? Also auch für mich?
    Mal im Ernst: Es ist doch umgekehrt. Der FC ist in höchster Not und Veh gibt mit seiner Zusage dem FC die Chance, wieder auf die Beine zu kommen. Alles andere sind doch die Größenfantasien, unter denen wir Kölner – zumindest ab und zu – leiden und die auch unseren FC immer wieder mal ins Chaos führen. Bescheidenheit und Vernunft wäre jetzt am Platz, auch Armin Veh gegenüber. Stattdessen reiben Sie uns jetzt die angeblichen Sünden Vehs hinsichtlich „Leipzig“ und „Investoren im Fußball“ unter die Nase, zwar in netter Form, aber doch deutlich. Wie hat unser ehemaliger Sport-Geschäftsführer einmal gesagt: „Ganz ruhig, ganz ruhig … !“

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