Die Länderspielpause ist vorbei, der effzeh steigt wieder ein – gelingen beim Spiel in Mainz die Trendwende und der erste Sieg? Wir sprechen darüber mit einem Mainzer Journalisten.

Journalist Georg Holzner (Twitter: @georg_holzner) begleitet die Bundesligamannschaft des 1. FSV Mainz 05 für das Fußballmagazin „kicker“. Wir sprachen mit ihm über effzeh-Neuzugang Jhon Cordoba, den neuen Trainer in der Fastnachts-Hochburg und die mentale Komponente eines Spiels gegen den Tabellenletzten.

effzeh.com: Ich fange mal etwas provokativ an. Lachen die Mainzer sich eigentlich kaputt darüber, dass der 1.FC Köln im Sommer über 17 Millionen Euro für einen Spieler namens Jhon Cordoba bezahlt hat?

Georg Holzner: Das ist eine berechtigte Frage. Denn ich muss zugeben, dass ich selbst etwas schmunzeln musste, als ich im Sommer von dieser Summe erfahren habe. Ich glaube schon, dass Rouven Schröder – bei aller Wertschätzung gegenüber Cordoba – zuhause, wenn ihn niemand sieht, sich gelegentlich schlapp lacht. 17 Millionen für fünf Bundesligatore – herzlichen Glückwunsch.

effzeh.com: Was zeichnet Cordoba aus? Kann er noch der richtige Mann für den effzeh werden?

Georg Holzner: Cordoba hat seine Stärken. Auf jeden Fall. Gerade bei der Spielweise von Martin Schmidt im vergangenen Jahr, der hauptsächliche lange Bälle auf den bulligen Stürmer schlagen ließ, war er für Mainz enorm wichtig. Cordoba arbeitet wie ein Verrückter, ackert und rennt unermüdlich, er kann Bälle festmachen und sie ablegen. Auch in der Arbeit gegen den Ball hilft er einer Mannschaft. Er ist nur eben kein Goalgetter. Fünf Treffer bei 59 Torschüssen in 2016/17 – das sagt Vieles aus. Um für Köln richtig wertvoll zu werden, braucht es in jedem Fall zwei Spieler um ihn herum, die Torgefahr mitbringen.

Cordoba als Modeste-Ersatz: „Bei Cordoba fehlt der Glaube“

effzeh.com: Hat man Cordoba als Ersatz für Anthony Modeste falsch eingeschätzt?

Georg Holzner: Wenn man mit Cordoba tatsächlich Modeste eins zu eins ersetzen wollte, dann hat man das falsch bewertet, ja. Cordoba ist nämlich nicht ansatzweise mit Modeste zu vergleichen. Noch ist zwar erst das erste Drittel der Saison vergangen, aber: Wenn man zwischen 15 und 25 Tore, zudem eminent wichtige Tore, nach China schickt und im Gegenzug nur fünf Tore holt, dann kann die Rechnung irgendwie nicht aufgehen. Mit Verlaub: Dafür braucht es keinen Mathematikprofessor. Ich glaube, das schlägt sich auch mental auf die Mannschaft nieder. Bei Modeste wussten die Spieler, dass er jederzeit noch einen reindonnern oder reinstolpern kann. Bei Cordoba dürfte dieser Glaube fehlen.

COLOGNE, GERMANY - SEPTEMBER 20: Simon Falette of Frankfurt (l) , Jhon Cordoba of Koeln (c) and Mijat Gacinovic of Frankfurt during the Bundesliga match between 1. FC Koeln and Eintracht Frankfurt at RheinEnergieStadion on September 20, 2017 in Cologne, Germany. (Photo by Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)

Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images

effzeh.com: Wir Kölner dachten ja in unserem Übermut, wir hätten die Mainzer mal eben rechts überholt, wären der neue beste Karnevalsverein der Bundesliga. Stimmt wohl nicht ganz?!

Georg Holzner: Danach sah es in der vergangenen Saison ja auch aus, als Köln verdient in den Europacup eingezogen ist. Die Probleme dieses Erfolgs, vor allem die Dreifachbelastung, kennen die Mainzer nur zu gut. Dem FSV erging es ja ähnlich. Erst Europa League, dann Abstiegskampf pur. So schön die Teilnahme am internationalen Wettbewerb auch sein mag – sie stellt für Klubs wie Mainz, Köln, Freiburg, Frankfurt oder Augsburg immer ein hohes Risiko dar. Die Reisestrapazen und im Dreitagerhythmus gefordert zu sein, das ist man nicht gewohnt. Mainz hatte letztes Jahr Glück. Inzwischen haben sich die Nullfünfer weitestgehend gefangen. Um auf die Frage zurückzukommen: Anhand der Tabellensituation, der Konstanz über die vergangenen Jahre und der Kontinuität im Verein ist Mainz der bessere Karnevalsverein.

Mainz-Coach Sandro Schwarz: Ein ehrlicher und offener Typ

effzeh.com: Was machen die Mainzer richtig?

Georg Holzner: Es ist diese Kontinuität und die Ruhe. Mainz und allen voran Rouven Schröder hatten eine Wahnsinns-Saison zu bewerkstelligen. Bei all dieser Hektik nicht die Ruhe zu verlieren war garantiert nicht einfach. Schröder musste unangenehme Entscheidungen treffen und hat dabei nie das Wesentliche, das Wohl des Vereins, aus den Augen verloren. Zudem hat sich Mainz im Sommer mit René Adler und Abdou Diallo super verstärkt.

effzeh.com: Aber auch bei den Rheinhessen läuft ja nicht alles perfekt.

Georg Holzner: Das ist korrekt. Probleme gibt es momentan in der Führungsetage. Der Aufsichtsrat und der neue Vorstandsvorsitzende sorgen für ein ziemliches Chaos. Da muss schleunigst aufgeräumt werden, sonst könnte es die sportlichen Ziele gefährden.

effzeh.com: Was hältst du von Sandro Schwarz, dem neuen Coach?

Georg Holzner: Wir haben ihn jetzt für aktuelle Donnerstagsausgabe interviewt. Dieses Gespräch hat erneut bestätigt, was für ein ehrlicher und offener Typ er ist. Das findet man nicht häufig in der Bundesliga. Fußballerisch gibt er den Mainzern mehr Flexibilität, als es unter Schmidt der Fall war. Was fehlen, sind ein paar Punkte mehr auf dem Konto. Grundsätzlich aber kann sich Mainz mit Sandro Schwarz genauso glücklich schätzen wie Köln mit Peter Stöger.

MOENCHENGLADBACH, GERMANY - NOVEMBER 04: Head Coach Sandro Schwarz of Mainz smiles prior the Bundesliga match between Borussia Moenchengladbach and 1. FSV Mainz 05 at Borussia-Park on November 4, 2017 in Moenchengladbach, Germany. (Photo by Maja Hitij/Bongarts/Getty Images)

Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images

effzeh.com: Wie stehst du zum bisherigen Festhalten an Peter Stöger beim effzeh?

Georg Holzner: Mal vorneweg: Er ist ein cooler Trainer mit einer überragenden Art, ich mag seinen Humor, seine Aussagen. Dass man trotz der derzeit schwierigen Situation an ihm festhält, finde ich wichtig und richtig. Auch in diesem Punkt sehe ich Parallelen zu Mainz, das letztes Jahr auch an Schmidt festgehalten hat, als es brenzlig wurde. Ich glaube, dass sich eine gewisse Geduld und das Vertrauen in Stöger auszahlen wird.

Die mentale Komponente eines Spiels gegen den Tabellenletzten

effzeh.com: Wovor fürchten sich die Mainzer, wenn wir am Samstag kommen?

Georg Holzner: Auch wenn es beim FSV niemand zugeben mag: Es geistert natürlich in den Köpfen rum, dass man das erste Team sein könnte, das in dieser Saison gegen Köln verliert. Irgendwann platzt jeder Knoten. Wenn Mainz es allerdings schafft, sein Spiel durchzuziehen, ist es vor eigenem Publikum für jede Mannschaft eine unangenehme Truppe. Wenn sich die Nullfünfer aber von der Tabellensituation beeinflussen lassen und nur den Hauch von Angst zulassen, dass Köln ausgerechnet am Samstag in die Spur zurückfinden könnte, dann hat der effzeh großen Chancen.

effzeh.com: Steigt eines der beiden Teams am Saisonende ab?

Georg Holzner: Gute Frage. Mainz steigt nicht ab, da lege ich mich fest. Für Köln wird es echt verdammt schwer, aber: Es sind nur sechs Punkte zum Relegationsplatz. Der HSV war vorige Saison nach dem elften Spieltag auch noch sieglos, und der Abstand zu Platz 16 betrug damals vier Zähler. Das ist kein allzu großer Unterschied. Es wird sich auf ein Herzschlagfinale, wie es so schön heißt, hinauslaufen. Ich bin davon überzeugt, dass es am Ende mindestens zwei Teams geben wird, die in der Tabelle hinter Köln stehen werden.

effzeh.com: Wie wird das Spiel ablaufen? Was passiert, wer trifft wann? Oder sehen wir ein 0:0?

Georg Holzner: Ein torloses Spiel erwarte ich nicht. Entscheidend werden die Balleroberungen im Mittelfeldzentrum sein. Wer da handlungsschneller, aggressiver und konsequenter ist, hat gute Chancen. Die Mainzer drängen nach dem unglücklichen Remis in Gladbach auf einen Sieg, mit weniger wollen sie sich wohl nicht zufriedengeben. Das könnte Köln ein paar Räume geben.

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